Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Der Fall Abel Pann
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
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30 MENORAH dieser Richtung, nicht von der klaren Einfalt eines Puvis de Chavannes, noch weniger von der rauhen, farbenvollen eines Gauguin bestimmen. Sondern behutsam und gefällig, wie sie ist, greift sie zurück auf die lange schon abgeschlossene Schule von Montmartre. Sie unternimmt es, einen Begriff, den wir seit langem schon erledigt halten mußten, wieder zu beleben: den Begriff ,,1'art decoratif". Ein Blick auf das Spiel der Umrahmungen wird genügen, um auch den Laien inne werden zu lassen, daß es dabei fast um eine Angelegenheit des Kunsthandwerkes geht. Die Gegenstände der Darstellung sind bekannt. Sie folgen der Bibel. Allerdings, auf freie Weise. Eine bloße Andeutung in der heiligen Erzählung reicht hin, um die Phantasie des Künstlers dermaßen zu erregen, daß sie ganze, reiche Gesichte sieht. Die Nebenfiguren der Schrift und von ihr kaum gestreifte Vorgänge werden hier sinnfällig. In dieser lebhaften Vermehrung des bisherigen Bestandes um viele neue Bilder liegt ein schöner Vorzug des Talentes. Ähnlich verhält es sich zur Natur. Denn selbstredend beschäftigt den Künstler die Natur, die anders lautende Stelle in jenem Gespräch kann nur auf einem Mißverständnis beruhen. Unter seinen Blättern sind nicht wenige Naturstudien. Sie zeigen eine treffliche, wenn auch typische, aufs Ganze gehende Betrachtung, die sowohl die Erscheinung wie den Charakter der Büsten und Gestalten mit leichtester Hand umfaßt und klar vors Auge bringt. Bei den Mädchen, noch mehr den Frauen wird das schwüle Sinnenleben, bei den Männern das geistige Element berührt. Nur berührt. Denn beides bleibt beinahe monoton und bleibt obenauf, die Tiefen der Seele sind nicht Sache dieser Kunst. Sie sucht und löst keine Rätsel. Sondern gibt auch dort, wo ihre Gaben der Beobachtung und Inspiration fruchtbar zusammenkommen, nur Offenkundigkeiten — nur drastische oder fließend vereinte, immer aber sehr wirksame Gebärden. Die saubere und liebevolle Technik der Pastelle und Lithographien, ihre intensiv funkelnde oder sprühende Farbigkeit, sichtlich gereift unter der Sonne des Ostens, sie stützen den Effekt, Menschen und Tiere, Trachten und Landschaften, anreizend gemischt aus Wirklichkeiten und Träumen, sie fördern ihn, eine immer gewandte Ordnung in der Fläche bringt ihn zum Abschluß. Aber es bleibt Effekt. Es bleibt — durch Gebärden verstärkt, von heißerem Atem belebt — dekorative Sinnenkunst. Also auch im besten Falle, wenn das Geschick der Drapierung und Drastik zurücktritt, die Faszination. Starke, große Kunst, Bibelkunst ist es nicht. Schon ein eiliger Blick