Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Der Fall Abel Pann
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 MENORAH geschildert werden, graphisch oder malerisch dargestellt sah, war ich immer unbefriedigt, wenn nicht gar gekränkt. Ich habe gefunden, daß die Zeichner des Westens den Geist der Bibel verfälschten — unbewußt natürlich — und ich habe gefunden, daß sie aus den lebendigen, sterblichen Menschen mit ihren Unzulänglichkeiten und Allzumenschlichkeiten steife, würdevolle Heilige oder fromme, weltfremde Klosterleute gemacht haben, und daß in all diesen Darstellungen dasjenige Volkshafte fehlte, was wahrscheinlich nur der Jude zu geben vermag, wenn er die Geschichte seines Volkes malt. So wirkte die Bibel Gustave Dores, dessen großartiges Talent ich bewundere, auf mich zuletzt wie der Versuch, den hebräischen Text der Bibel in ein altmodisches Französisch zu übertragen. Die Bibelbilder von James Tissot wieder wirkten so auf mich wie der Versuch, die Ereignisse der Bibel als Ereignisse der Gegenwart darzustellen. Auch empfand ich seine Gestalten zu kalt." Dürfen wir den Bericht des Künstlers mit einer hergehörigen Anmerkung unterbrechen? Er verweist auf seine Vorgänger, zunächst in nichtjüdischen Kreisen, und nennt, um sie respektvoll abzulehnen, Dore und Tissot. Warum gerade diese beiden und nicht auch die anderen größeren Illustratoren der Bibel oder wenigstens den größten, den keiner umgehen kann, der sich auf dem gleichen Felde versucht? Warum, auch nicht mit einem Wort, Rembrandt? Daß er meinen könnte, mit seiner summarischen Charakteristik auch die Leistung des altholländischen Meisters, sowohl die malerische wie auch die graphische, irgendwie zu trelTen, glauben wir nicht. Aber warum verschweigt er sie? Liegt sie außerhalb seines Erlebnisses, hat er sie niemals demütig empfangen, ist er niemals von ihr leidenschaftlich ergriffen worden, emporgehoben und niedergedrückt, bis er sich — im unausweichlichen Kampfe mit ihr — zu sich selbst befreit hat? Wäre dem so, hätte Pann nicht Rembrandt erlebt, dem Werdegang seiner Bibelkunst wäre der stärkste Führer fremd geblieben. Aber vielleicht ist es nur begreifliche Scheu, die ihn abhält, in diesem Zusammenhang den übermächtigen Schöpfer von „Jakobs Segen", der handgezeichneten und radierten Patriarchenszenen zu nennen. Doch hören wir ihn weiter : ,,Es war mir überhaupt interessant, daß Künstler aller Nationen es unternommen haben, die Bibel zu illustrieren und daß nur die Künstler des jüdischen Volkes dabei fehlten.'' Aus diesem Satz ist zu entnehmen, daß Pann den jüngst verstorbenen Lilien nicht zu den Künstlern zählt. Darüber soll mit ihm nicht gerechtet werden. Denn in diesem Punkte kann man eine verschiedene Meinung haben. Uns genügt die Feststellung: Die Kunst Panns will