Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Der Fall Abel Pann
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DER FALL ABEL PANN 27 liebhaber für Abel Pann entschieden. Der Erfolg — das sei mit allem Nachdruck festgestellt — war ungewöhnlich groß. Die Person des Künstlers hat ihm geholfen. Ein Mann in seiner ersten Reife, schlank, blond, mit hellen Augen, bescheiden und angenehm im Umgang, für die Sympathien der Gesellschaft wie geschalfen. Er gerät im Gespräch über die Mittel und Wege seines Metiers leicht in Warme und diese Wärme ist echt, sie teilt sich dem Hörer mit. Man braucht nicht lange, um den freundlichen Erzähler treuherzig zu finden und hat ihn bald liebgewonnen. Auch weiß er auf eine besonders feine Art zu fesseln. Wir erinnern uns an einen Vorfall bei der gemeinsamen Betrachtung jenes ergötzlichen Bildes, worin ein professioneller „Kunstführer" mit seinem Gefolge, allerhand reisenden Galerietouristen, zu sehen ist. Pann erklärt: Von dem protzigen Mentor wolle er nichts weiter sagen, der komische Kontrast seiner kurzen o-beinigen Figur zu der antiken Venus, die er anpreist, sei sinnfällig genug und auch sein falsches Pathos liege faustdick obenauf. Aber dem Mann daneben — dem mit der Brille und dem ungeheuerlichen Zylinder auf dem stoppeligen, harthörigen Kopfe — sei nicht recht zu trauen. Der tut vielleicht nur so, als ob er die Tiraden des Ausrufers glaube, und hält ihn im Grunde für einen Dummkopf. Ich weiß nicht, warum mir von den weitaus ernsteren Unterhaltungen gerade dieses laute Selbstgespräch des Künstlers mit seinen Gestalten im Gedächtnis geblieben ist. War es die schöne lebendige Naivität, das harmlose Verstricktsein mit den eigenen Schöpfungen? Oder war es die Skepsis, die feingeistige Überlegenheit des Schöpfers über seine Gebilde? Ich weiß es nicht mehr zu sagen. Aber ich habe auch heute noch das Gefühl, als hätte jener Eindruck irgendwie das Wesen von Panns Kunst berührt. Denn auch später, als ich mit ihren Werken näher bekannt wurde, kam immer wieder dieselbe Frage: sind sie naiv oder scheinen sie nur so und sind auf Wirkung angelegt. Man wird leicht einsehen, daß sie beides zugleich nicht gut sein können. Hier gilt nur ein Entweder — Oder. Und davon hängt schon fast alles andere ab. Doch der von vielen Seiten bestürmte Künstler hat sich bei Gelegenheit faßlicher ausgesprochen. Eine dieser Unterredungen gibt Auskunft über die inneren Ursachen und den äußeren Anlaß, die zusammenwirkten, um die Bilderreihe herbeizuführen, die im Mittelpunkt auch unserer Darlegung steht: die Bilder der Bibel. „Wenn ich", so ließ Pann sich vernehmen, ,,in meiner Kindheit und auch spater die Ereignisse und Menschen, wie sie in der Bibel