Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Der Fall Abel Pann
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 M E N O R A II Darbietung der Förderung oder wenigstens Duldung der zionistischen Direktion erfreut hat, daß sie also offiziell oder wenigstens offiziös vor sich gegangen ist, schließt jeden Zweifel über ihre Stichhältigkeit im großen Ganzen aus. Und eben vom großen Ganzen, von der Schicksalsfrage unserer Volkskunst auf dem Boden Israels, soll hier die Rede sein. Man müßte mit der Architektur den Anfang machen. Denn von der anständigen, geordneten Bauweise der Wohnungen und Wirtschaften unserer Kolonisten hängt alles übrige ab. Aber man darf von dem größten Leserkreise — und an ihn, an das neu belebte, neubewußte jüdische Volk richten sich unsere Ausführungen — nicht erwarten, daß er für das nüchterne Geschäft der Baukultur ohneweiters Feuer fängt. Man wird vernünftigermaßen sein Interesse an einer Stelle ansprechen müssen, wo es nicht von Natur aus, aber infolge einer verkehrten Erziehung leichter entzündlich ist. Das heißt: bei seiner dunklen Neigung für das Schöne. Und hier wieder bei den geschmückten Flächen der Malerei, für die seine Sinne das meiste empfinden. Wir folgen also nur der populären Meinung, wenn wir mit dem Malwerk des Abel Pann beginnen, um uns erst nachher in drei Artikeln dem Sammelband palästinensischer Ansichten, dem Handwerk des ,,Bezalel" und endlich dem Bauwesen zuzuwenden. Der Fall Pann. Es ist ein „Fall". Er brauchte es nicht zu sein. Denn nur eine beiläufige lokale Verschiebung würde genügen, ihn aus einer Sache von allgemeiner Bedeutung wieder zu einer persönlichen Angelegenheit herabsinken zu lassen. Wäre der Künstler auch heute noch in Paris, seine Kunst könnte bleiben, wie sie ist, und würde uns doch anders — nur als eine mehr oder minder wichtige Erscheinung der europäischen Malerei — beschäftigen. Aber er ist in Jerusalem. Der Kreis seiner Wirkungen liegt auf heiliger Erde. Und eben dies: das Milieu, in dem er schafft, auf das er wirkt, muß auch unsern Standpunkt bestimmen. Doch soll dem Künstler jede Gerechtigkeit geschehen. Und deshalb vorerst der Mann samt seinem Werk für sich betrachtet sein, ohne Rücksicht auf die Zusammenhänge mit der Wiedergeburt seines Volkes. Wie erscheint, was gilt diese Kunst für sich? Dürften wir den Stimmen der mitteleuropäischen Öffentlichkeit Glauben schenken, dann gilt sie sehr viel, jedenfalls mehr als irgend eine Leistung jüdischer Kunst im letzten Me.nschenalter. In Budapest, in Prag, in Wien hat sich die kompakte Majorität der jüdischen Kunst-