Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Der Fall Abel Pann
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Fall Abel Pann Von Max Eisler Der letzte Zionistenkongreß hat eine bemerkenswerte Reihe von Kunstveranstaltnngen nach Wien gebracht. Im Konzerthaus war die neue Architektur Palästinas zu sehen, nicht allein ihre Photos, sondern auch handgreifliche Proben ihrer Baustoffe und eine Anzahl von Druckschriften, welche die Organisation der Bauarbeit erörtert haben, also der Bericht der Bilder verstärkt durch die sehr wichtigen Hinweise auf die technischen und sozialen Bedingungen der Sache — das Werk samt der Werkstatt. In denselben Räumen wurde eine überreiche und wohl auch lückenlose Auswahl jener Gegenstände nützlicher oder nur angenehmer Zwecke gezeigt, für deren Bereitung sich Gewerbe und Handwerk einträchtig zusammenfinden, also — um es schon jetzt gerade heraus zu sagen — nicht so sehr Erzeugnisse des Kunsthandvverkes als vielmehr solche der „Kunstindustrie". Auch die freien Künste fehlten nicht ganz. Denn da war ein allen aufmerksamen Besuchern unvergeßlicher Saal, in dessen drei Kojen — man nannte sie „Stände" — eine Dreizahl von neumodischen Malern ihre forschen farbigen Produkte dem Käufer anboten. Aber das war wohl nur Kunst für Herrn Jedermann. Die Prominenten wollten damit nichts gemein haben. Sie versammelten sich in einem Zimmer des Hotels Adlon, wo Herr X. die Kunstblätter ihrer Hand, Vorlagen für ein fast fertiges, fast überdimensionales Palästinawerk, geladenen Gästen vorführte. Und zwei von ihnen erschienen für sich: der Plastiker Boris Schatz in der Verkaufshalle der „Wiener Erzgießerei" an der Kärntnerstraße und der Maler Abel Pann im Hause der „Sezession" am Getreidemarkt. Es soll nun vorläufig dahingestellt bleiben, ob diese bunt treibende Fülle auch wirklich ein restloses und maßgebendes, also in jeder Hinsicht zutreffendes Bild vom gegenwärtigen Zustand unserer ästhetischen Angelegenheiten im heiligen Lande geliefert hat. Wie bei allen ähnlichen Unternehmungen mag auch hier aus naheliegenden Motiven der oder jener Künstler, vielleicht gar eine ganze Schule unter den Tisch gefallen sein. Und es wäre wahrhaftig nicht schwer, Beispiele dafür -Ali geben. Aber sie würden die grundlegenden Klärungen, die wir anstreben, nur verhindern. Denn auf die Ausnahmen kommt es uns nicht an, sondern auf die Regel, auf den allgemeinen Charakter unseres Kunsllebens im fernen Osten. Dieser aber wurde in Wien mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit aufgezeigt. Schon daß sich die