Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Wie die Alten die Bibel deuteten
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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22 MENORAH das Reizvolle, auf das eingangs hingewiesen war. Folgendermaßen erzählt der Midrasch: „Als Abraham und Sarah an die Tore Ägyptens kamen und am Nil standen, sah Abraham im Spiegel des Nils Sarahs Gestalt, und sie erschien ihm wie die strahlende Sonne. Da sagte er zu ihr, ich merke, daß du eine schöne Frau bist. Daraus kann man lernen, daß er sie vorher niemals angeschaut hat, wie sonst der Mann seine Frau anschaut. Und nun sprach er zu ihr: die Ägypter sind ausschweifend und kennen keine Keuschheit, ich werde dich in eine Truhe einschließen, denn ich fürchte für mich. So taten sie; als sie aber die Grenze überschreiten wollten, kamen die Zollwächter und fragten ihn: was hast du da in der Kiste? Sagte er zu ihnen: Gerste — denn das war anscheinend das am geringsten zu verzollende Gut —; sagten die Zollwächter, wer weiß, vielleicht ist Weizen drin. Sagte er, so nehmet meinetwegen Zoll wie von Weizen. Sagten die Zöllner, sicher ist Pfeffer drin — der stand am höchsten im Zoll —; sagte Abraham, so verzollet meinetwegen als ob Pfeffer drin wäre; nun aber wurden die Zollwächter erst recht stutzig, sagten, sicher ist Gold in der Truhe, und sie zwangen Abraham zu öffnen und sie sahen Sarah, die so schön wie die heile Sonne war. Und nun sagten sie, solch ein Weib ist nicht geschaffen, um an einen Mann aus dem Volke zu kommen, die ist eine Königs würdig, auf die hat nur der König ein Recht. Als Abraham das sah, fing er zu weinen an und betete zu Gott und sprach: Herr der Welt, soll mein Vertrauen auf dich so enttäuscht werden? Und auch Sarah schrie zu Gott empor: Herr der Welt, ich war ein harmloses Weib und wußte von nichts, und als du zu Abraham sagtest, geh aus deinem Lande in das Land, das ich dir zeigen werde, vertraute ich auf dein Wort und ging, und jetzt stehe ich allein, nicht Vater und nicht Mutter stehen bei mir und auch der Gatte kann mir nicht helfen, soll dieser schändliche König jetzt mit mir spielen dürfen? Und Gott erhörte ihr Gebet und schlug Pharao auf Sarahs Wort hin; ein Engel stieg herunter mit einem Stab bewaffnet, wollte Pharao Sarah den Schuh abstreifen, schlug er ihn auf die Hand, berührte er ihr Kleid, schlug er ihn, und jedesmal beriet sich erst der Engel mit Sarah, wohin er ihn treffen solle, denn so heißt es: „er schlug ihn auf das Wort Sarahs", sagte sie: hau zu, so schlug er zu, sagte sie: warte ein wenig, so tat er also.4' So die Erzählung des Midrasch: Man sieht leicht, wie all die Schwierigkeiten aufgelöst werden. Die Worte „ich merke, daß du schön bist" dienen dazu, die ganz besondere Keuschheit Abrahams und Sarahs in ihrem Verkehr zu betonen und neu herauszuarbeiten. Die Schwierigkeit, die in Abrahams Verhalten liegt, wird durch die Erzählung von,