Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Wie die Alten die Bibel deuteten
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 4)
- Language
- German
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GEORG EHRLICH 23 der Truhe, in die Sarah gelegt ward, fortgeräumt, nun steht Abrahams Wille, Sarah vor Vergewaltigung zu schützen, im Vordergrund, und das Anstößige der Worte: „sie werden mich erschlagen und dich leben lassen", ist ersetzt durch das sacht Hinweggleitende: ich fürchte für mich. Und die Ausdeutung der Worte „auf Geheiß Sarahs" dient dazu, ihre Keuschheit mit besonderem Nachdruck hervorzuheben und sie als die Frau zu schildern, die nicht von einem Abenteuer sich rasch zu fernen Ufern locken läßt, sondern die züchtig ihre Keuschheit auch dem König gegenüber bewahrt; ist es in der Bibel Gott, der sie rettet, so ist es hier sie selbst, die jeden Angriff sofort heimzahlen, und strafen läßt. So ersteht klarer und bewußter das Bild der züchtigen, keuschen Frau, das jüdische Frauenideal aller Zeiten. Indem das aber herausgearbeitet wird, welch reizvolle Erzählung, welche Kraft der Phantasie und zugleich welcher Realismus und welche Lebendigkeit der Darstellung! Das Ganze spricht für sich selbst, es wäre schade, auf einzelne Schönheiten hinzuweisen, man muß die Erzählung genießen in all ihrer Naivetät und lebenswarmen Prägung. er äußere Rahmen ist schnell gezogen: Georg Ehrlich ist 1897 in J_ß Wien geboren, hat in der Kunstgewerbeschule allerlei gelernt und ist schließlich bei der Malerei und der Graphik geblieben. Der Krieg hat ihm zwei Jahre genommen. Nachher lebte er in München und Berlin, wo er sich seinen guten Namen, vor allem als Graphiker, erarbeitet hat. Seit dem Sommer 1923 ist Wien wieder sein ständiger Wohnsitz . . . Der Mensch wirkt zart, heiter, voll ängstlicher Aberglauben; aber der Wille ist zäh, die Zähne sind zusammengebissen. Und über alles liebt er Musik. Um das Werk völlig als den Spiegel solchen Wesens, wie es langsam geworden, erkennen zu können, müßte breitere Wahl getroffen werden, in der vor allem die überzarten und schmerzlich gequälten älteren Arbeiten nicht fehlen dürften. Uns aber handelte es sich nicht um die Darlegung einer Entwicklung, eines zeitlichen Ablaufes und kausaler Bedingtheit mit dem kunsthistorischen Woher und Wohin — sondern nur um das Werk, das da ist, das da unter uns ist. So beschränkt sich die Wahl auf die Produktion des letzten Jahres. Georg Ehrlich hat kein Programm für seine Kunst formuliert und er schließt sich auch keinem irgendwo bestehenden an; er ist nie Georg Ehrlich Von Erika Tietze