Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Wiener Synagogen in der Vergangenheit
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 10)
- Language
- German
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18 MENORAH nach Fürth getragen wurde. Da waren sie zum Seelengedächtnis eingetragen, all die Wiener Ba'ale Batim und deren Frauen, die sich durch Frömmigkeit und Wohltun ausgezeichnet hatten, und wie ist es rührend, ihre Namen noch heute lesen zu könnenl Aber noch einer Synagoge aus dem alten Wien müssen wir gedenken, die des Arztes Leo Lucerna (Juda Löh Maor Katon), die vielleicht älter war als all die früher genannten. Von dieser Synagoge ist uns die Einzelheit erhalten geblieben, daß sie zwölf Fenster hatte, je drei nach jeder Himmelsrichtung, eine Einrichtung, die auf einer Vorschrift des „Sohar" beruht, und wir erfahren auch hieraus, daß in dem damaligen Wien das heilige Buch der Kabbala eifrig studiert, ja, wie wir sehen, auch zur Norm der religiösen Praxis gemacht wurde. VVir kommen nun zur dritten Gemeinde, zu der, in der wir heute leben und deren großartige Entfaltung uns alle mit Genugtuung und Stolz erfüllt. Wer hätte vor kaum einem Vierteljahr tausend gedacht, daß sich aus den spärlich und heimlich hier angesiedelten Juden diese mächtige jüdische Gemeinschaft entwickeln wird, die eine der größten ist auf dem ganzen Erdenrund! Dieses neue Wiener Judentum hatte freilich einen langen dornenvollen Weg durchzumachen, bis es zu seiner heutigen Konsolidierung und Größe kam. Von einer organisierten Gemeinde und demgemäß von einer öffentlichen Synagoge war lange, lange Zeit keine Rede. Die neuen Ansiedler, an ihrer Spitze SamuelOppenheimer und Samson Werth eimer, waren zwar in ihrer Weise mächtig und bei Hofe angesehen, aber sie durften nicht einmal den Versuch machen, auf dem heißen Boden Wiens eine „Kehilla" zu gründen. Das jüdische Leben lag aber trotzdem nicht danieder; jeder irgendwie zur Bedeutung gelangte jüdische Großhändler in Wien schuf und hielt sich mit seinen Freunden und seinem Gesinde eine eigene Betstube, die nach außen gar nicht sichtbar war oder doch der stillen Konnivenz der Behörden begegnete. Ein deutscher Reisender, Abraham Levi, der um diese Zeit nach Wien kam, sagt kurz und bündig: „Schuhlen hat jedermann in seinem Haus." Da gibt es, um 1728, die Rüben Hirschische und Low Sinzheimsche „Schule", die ihre eigenen „Vorsinger" hatten, die uns noch dem Namen nach bekannt sind. Noch hat sich der Grabstein erhalten, der den „Chazzan" und „Beglaubigten" der Wolf Wertheimerschen Synagoge der Nachwelt kündet. Berend Eskeles setzt, testamentarisch, seinem Chazzan, der natürlich Lohn und „nedaboth" erhielt, auch noch ein ansehnliches Legat fest. In demselben Testamente lesen