Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Wiener Synagogen in der Vergangenheit
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912855-2916731--02619-2916825- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WIENER SYNAGOGEN IN DER VERGANGENHEIT 17 genannt wurde und zu Demonstrationen Anlaß gab (siehe G. Wolf: Judentaufen in Österreich", Seite 4, Anmerkung 3 und Beilage I, II). Als nach der Vertreibung der Juden im Jahre 1670 über den Schätzungswert der Judenhäuser im Unteren Werd ein amtliches Protokoll aufgenommen wurde, wurde die alte Synagoge auf 3426 Gulden 2 Kreuzer, die neue auf 7142 Gulden 30 Kreuzer, also auf mehr als das Doppelte (I. Schwarz: „Das Wiener Ghetto", Seite 252) geschätzt. Es läßt sich aber denken, daß diese Schätzung tief unter dem wirklichen Werte zurückblieb. Nun hat es aber in Wien um diese Zeit auch Privatsynagogen gegeben. Eine Bewilligung war dazu jedenfalls erforderlich, und sie wurde nur angesehenen Leuten verliehen, die dafür auch zahlen konnten. Die Angabe (von G. Wolf: „Die Juden in der Leopoldstadt", Seite 41), daß unter anderen der bekannte Jakob Basse wi eine solche erhielt, ist zwar richtig, doch führte diese Bewilligung nur in Prag zu einem Synagogenbau; aber im Falle Veit Münk ist die Angabe ganz richtig und so auch, was die Synagoge des Zechar jaha- L e v i anlangt. Nach Kaufmann (Seite 67) war diese Synagoge ein drittes öffentliches Gotteshaus1). Zecharja Levi, zu einer der besten Wiener Familien gehörig, edel, gelehrt und reich, erbaute seine Synagoge mit unerhörtem Aufwand und in Verbindung mit ihr auch eine Schule, in der 24 Jünger Unterkunft, Verpflegung und Unterricht erhielten. Der bekannte christliche Theologe, Joh. Christof Wagenseil, der aus eigener Anschauung das Wiener Ghetto kannte, besuchte unter anderen auch diese Synagoge, und ihm haben wir eine Schilderung derselben zu verdanken, ihm und auch S c h u d t, der in seinen „Jüdischen Merkwürdigkeiten" diesen Bericht von ihm übernimmt. Diese Synagoge war es, die, nach der Vertreibung, in die heutige Pfarrkirche zum heil. Leopold verwandelt wurde, ein Raub, den noch heute eine Marmortafel über dem Portal der Kirche kündet Ein kostbares, jedes jüdische Herz zutiefst rührendes Andenken ist uns aus dieser Synagoge erhalten geblieben; es ist das ein Leuchter, den einer der Verbannten, ein Sohn jenes Koppel Fränkel, dem wir auch die Erhaltung des alten jüdischen Friedhofes in der Seegasse zu danken haben, nach Fürth getragen und dort in der Alt-Synagoge niedergelegt hat. Für die Geschichte noch wichtiger ist ein Memorbuch der alten Wiener Synagoge, das ebenfalls von einem dieser Fränkel 1) Das scheint mir ein Irrtum zu sein. Zecharja Levi's S. ist eben die neue Synagoge. Vgl. jenes Protokoll (bei Schwarz) „Die Neue Synagoge. Ist zur Khirchen khomben", was anderen Teils Wagenseil von der Zecharja Levi-Synagoge sagt.