Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Wiener Synagogen in der Vergangenheit
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 11)
- Language
- German
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WIENER SYNAGOGEN IN DER VERGANGENHEIT 19 wir, daß in dem Zimmer, wo dieser große Mann seine Seele aushauchte, das ganze Jahr hindurch „Minjan" gemacht werde und daß dem „ewigen Licht" in der Synagoge — also einer anderen, von Gemeinde wegen erhaltenen Synagoge — Öl gespendet werde (1753). Fast ein jeder, wie zum Beispiel Low Eskeles (um 1763), hat jüdische Bücher, ein Sefer Thora und K'le Kodesch im Hause. Diese Privatsynagogen erhielten sich manchmal recht lange, auch über hundert Jahre, denn die Nachkommen und Erben der Gründer hielten es für ihre Pflicht, das einmal Geheiligte vor Profanierung und Vernichtung zu bewahren. Eine Art Gemeindesynagoge muß es trotz des Verbotes, wie wir angedeutet haben, gegeben haben. L. Aug. F r an k 1 („Zur Geschichte der Juden in Wien'4, S. 31) nennt, in der Zeit nach dem Verschwinden jener auf dem Judenplatz, eine solche „im Umfange des heutigen Karmelitergebäudes in der Leopoldstadt"; aber mir und auch anderen, die ich befragt habe, ist eine solche Synagoge nicht bekannt. Es wird wohl eine gemeint sein, die sich zwischen 1625 und 1670 im Unteren Werd befunden hat. Dagegen gab es eine Art Gemeindebetstube, lange vor derjenigen in der Seitenstettengasse, im Hause zum „weißen Stern", das ist in der Stadt Nr. 452, in der heutigen Sterngasse, also unweit vom heutigen Tempel in der Stadt. Die Juden, welche ab- und zureisten, hatten sich dieses „Gewölbe" — denn mehr war es nicht — im Hofraum dieses Hauses gemietet, und da wurde allerdings eine Art Gemeindesynagoge daraus. Sie wurde erst aufgelassen, als die heutige Synagoge in der Seitenstettengasse gebaut wurde (siehe Fr an kl, Seite 33; Husserl: „Gründungsgeschichte des Stadttempels", Seite 62). Ihre Beschaffenheit läßt sich aus den am 22. Oktober 1811 von den Vertretern der Wiener Tolerierten gebrauchten Worten ersehen: „Ohne Ekel und Grauen kann keiner dieses finstere, nasse, unterirdisch gelegene Gemach, welches eher einem Kerker als einem Gotteshause ähnlich sieht, betreten." So standen die Dinge, als man 1810 durch Sammlung eines Fonds, der eigentlich der Errichtung eines Siechenhauses dienen sollte, allmählich dazu schritt, den sogenannten Dempfingerhof in der Inneren Stadt (I., Seitenstettengasse) anzukaufen und in ihm erst eine Betstube, dann auch ein von der Regierung bewilligtes öffentliches Gotteshaus einzurichten. Eingeweiht wurde das Gotteshaus Sonntag, 9. April 1826. Nur eine Schichte der Wiener Judenschaft hatte es von Anfang an besser: die „türkischen" Juden. Diese durften schon zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia eine Synagoge offen halten (mit Dekret vom 17. Juni 1778), ein gar köstliches Bauwerk, das Wien zur Zierde gereicht.