Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Wiener Synagogen in der Vergangenheit
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 8)
- Language
- German
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16 MENORAH gends gesagt, daß es die Gemeindesynagoge und überhaupt diese Synagoge war, in der jenes Selbstsehlachten vor sich ging; vielleicht war es in einer anderen, oder in der nur notdürftig aufgebauten Synagoge, und daß um diese Zeit in Wien auch Privatsynagogen erwähnt werden, darf dazu gebraucht werden, um zu schließen, daß es eine zentrale oder große Synagoge eben nicht gab, obzwar es freilich zugegeben werden muß, daß Privatsynagogen auch neben der Gemeindesynagoge existieren konnten, wie wir es zum Beispiel in dieser Zeit sicher aus Wiener-Neustadt wissen. LS ach und nach siedelten sich wieder Juden in Wien an, aber in so geringer Zahl und vor dem wachsamen Auge der Behörde und der Bevölkerung so furchtsam, daß an die Errichtung einer Synagoge nicht gedacht werden konnte. Erst bei der durch seltene kaiserliche Huld gewährten Gründung der Judenstadt im Unteren Werd, die sich bekanntlich von 1625 bis 1670 hielt, in einer Verfassung, die den Juden wirklich ein ruhiges Leben gestattete, konnte man daran denken, auch neue Gotteshäuser zu bauen. ,,Ausdrücklich hatte das grundlegende Privilegium des Kaisers die Aufrichtung von Schule und Synagoge, sowie der durch den Ritus geforderten Institutionen, die Einsetzung von Rabbinern, Unterweisern, Vorsingern, Schreibern, Umbsagern, Schulklopfern und allen anderen notwendigen Personen und die Wahl der Richter fürsehend bewilligt" (Kaufmann: „Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien" usw., Seite 15), und die neue, herrlich erblühte Gemeinde ließ es an diesen Institutionen nicht fehlen. Sie war sich dessen bewußt, daß sie in Wien, der Kaiserstadt, wenn auch durch den Donaustrom von ihr getrennt, nur ein monumentales Gotteshaus aufführen dürfe, und so entstand zunächst die „alte" oder große" Synagoge, ein herrlich aufragender Bau, die Ecke Hauptgasse und Obere Gasse stand, nach heutiger Bezeichnung im Zuge der Großen Sperlgasse, Ecke Große Pfarrgasse. Leider besitzen wir weder von dieser noch irgend einer anderen Wiener Synagoge der alten Zeit ein Bild oder eine Beschreibung, durch die wir sie uns vergegenwärtigen könnten; so sehr hat nicht sowohl die Zeit, als vielmehr der Haß der Bevölkerung mit allen diesen jüdischen Denkmälern aufgeräumt! Die neue Synagoge stand unweit davon, nur durch die Obere Gasse von ihr gelrennt, in der heutigen Großen Pfarrgasse, allem Anschein nach auf einem freien Platze (siehe die Namen Alte und Neue Synagoge auch bei W. K i s c h: „Die alten Straßen und Plätze Wiens", L, 250). Diese Synagoge wrar so schön erbaut, daß sie fast „Tempel"