Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Wiener Synagogen in der Vergangenheit
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 7)
- Language
- German
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WIENER SYNAGOGEN IN DER VERGANGENHEIT 15 aus dem Umstände, daß die Akten der Universität vom 22. Dezember 1421 berichten, daß der herzogliche Hubmeister die Steine der Synagoge zum Neubau eines Teiles der Universität bestimme, falls die Universität geneigt sei, diese Steine auf ihre Kosten hinwegzuschaffen. Die Artistenakten fügen noch hinzu (lateinisch): ,,Und siehe o Wunder! Die Synagoge des Alten Gesetzes wurde in wunderbarer Weise in die Schule der Tugenden (oder Kräfte) des Neuen Gesetzes verwandelt." In dem allen, das sieht man, ist von einem Demolieren der Synagoge keine Rede. Warum sollte auch der schöne monumentale „Steinbau" demoliert worden sein, wo doch der Ausweg bestand, daß er in eine Kirche oder Kapelle verwandelt werde, wofür es doch in jener Zeit in Wien und sonst in Österreich und überhaupt in den christlichen Ländern genug Beispiele gibtl Ich stelle mir eher die Sache wie folgt vor: Nach dem Brande vom Jahre 1406, der doch am meisten in der S> nagoge gewütet hatte, wird die Synagoge zunächst als Ruine dagestanden haben, und selbst wenn sie etwa nach Jahren aufgebaut wurde, so wird das nur notdürftig gewesen sein, und es lagen Steine zu Häuf da, wie es bei jeder Ruine und auch bei jedem Neubau zu geschehen pflegt; vielleicht waren welche auch absichtlich bereitgelegt worden, um einmal den Bau auszuführen, wozu es aber bei der prekären Lage der Gemeinde, deren Ende übrigens deutlich bevorstand, nicht mehr gekommen ist. Diese losen Steine nun wurden zum Bau der Universität überführt, und darum ist von einem Demolieren der Synagoge nirgends die Rede. Was nun wirklich mit der alten Synagoge oder auch nur Synagogenruine geschah, wird nirgends gesagt; kein Verkauf, keine Schenkung auch nur des Baugrundes wird berichtet, und es war offenbar nicht der Mühe wert, davon zu sprechen. Es wird auch nir-