Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Wiener Synagogen in der Vergangenheit
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
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14 MENORAH Rabbi Jona tat ihr den Gefallen, sie zu schlachten, und zwar durch das Fenster der Weiberschul. Rabbi Jona selbst aber, der nicht mehr die Kraft besaß, sich selbst zu schlachten, schichtete die „Ständer44 — das sind Sitze in der Synagoge — zu einem Stoß auf, goß das Öl darauf, das sich in der Synagoge zur Unterhaltung des ewigen Lichtes vorfand, zündete es an, und als es zu brennen anfing, fand er die Kraft, sich selbst zu schlachten . .. Wir erfahren hier mehreres; erstens, daß die Wiener Synagoge eine eigene Frauenabteilung besaß, die mit der Männerabteilung durch ein Fenster verbunden war. Die beiden Räume lagen also nebeneinander und nicht war etwa eine Galerie oder ein Stockwerk vorhanden. Ferner hat es in dieser Synagoge nur bewegliche „Ständer" gegeben, ein Typ, wie man ihn heute noch in vielen primitiven Betstuben hat. Öl für das „Ner Tamid" war an Ort und Stelle vorhanden. Daß eine Synagoge eine „Weiberschul" hatte, war in jenen Zeiten noch nicht so selbstverständlich, wie man meinen sollte; es soll übrigens bemerkt werden, daß um dieselbe Zeit auch die Synagoge in Wiener- Neustadt eine Weiberschul hatte. Die Synagoge der ersten Gemeinde hatte dort gestanden, wo von den Häusern Nr. 342 und 343 (nach dein alten Stadtplan; heute Judenplatz Nr. 7 und 8) ein Winkel gebildet wird; sie war mit dem Judenspital, das davor mehr zur heutigen Wipplingerstraße zu stand, mittels eines Durchganges verbunden. Dr. Ignaz Schwarz, der bekannte Erforscher des alten Wiener Ghetto, nimmt an (siehe seine „Geschichte der Juden in Wien", im V. Bande der „Geschichte der Stadt Wien", Wien 1913, Sonderausgabe, Seite 26), daß es derselbe Bau war, der im Jahre 1406 abgebrannt war; dieser, so sagt er, wurde kurz darauf neu aufgebaut, und zwar „in monumentaler Form als Steinbau". Diese Angabe muß in allen ihren Teilen bezweifelt und sogar bestritten werden. Wir finden nämlich nirgends vermerkt — und die Quellen fließen jetzt schon reichlich — daß die im Jahre 1406 abgebrannte Synagoge neu aufgebaut worden wäre, und schöner aufgebaut und als Monumentalbau — ist erst recht undenkbar, da dem ein kanonisches Gesetz entgegenstand. Weiters wird behauptet, die Synagoge wäre das erste Objekt gewesen, an das sich nach der Vernichtung der Juden die Volkswut herangemacht habe. Aber keine Quelle besagt das. Der „Conspectus" der Universität vom Jahre 1722 besagt nur, die Synagoge, man weiß nicht, ob durch Volkswut oder Fürstenbefehl niedergerissen, habe zum Bau der Universität Steine geliefert. Der Schreiber jenes „Conspectus" nach 300 Jahren hat offenbar nur gefolgert, und zwar gefolgert