Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Wiener Synagogen in der Vergangenheit
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912855-2916731--02615-2916821- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WIENER SYNAGOGEN IN DER VERGANGENHEIT 13 des Konspirierens mit den Hussiten beschuldigt, ja, auch der Vorwurf, daß sie allzu großen Luxus trieben und die christliche Religion schmähten, wurde gegen sie erhoben. Der schwache Herzog Albrecht V., der sehr des Geldes bedürftig war, ließ am 23. Mai 1420 alle Juden in den landesfürstlichen Städten und Ortschaften gefangen setzen, jagte die Armen unter ihnen zum Lande hinaus und behielt die Reichen zur sicheren Beute in seiner Hand in Wien zurück. In Wien aber wurden viele Juden gemartert und gefoltert, so daß sie den Tod erlitten; das Gros der Gemeinde war in der Synagoge eingesperrt, und da sie erfuhren, daß ihre Kinder, die man ihnen weggenommen hatte, getauft werden sollten, schlachteten sie sich alle, Männer und Weiber, mit eigener Hand am Sabbath des Sukkotfestes 1420. Noch waren aber im Kerker 92 Männer und 120 Frauen zurückgeblieben, jene Reichen aus der Provinz, von denen wir gesprochen haben; diese wurden am 12. März 1421 auf einer Wiese in Erdberg auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das war das Ende der ersten „Kehilla" in Wien. Wir eilen über diese schrecklichen Ereignisse hinweg (mehr siehe in K r a u s s : ,,Wiener Geserah", Wien 1920) und suchen uns nur über das Schicksal der Synagoge zu orientieren. In der Synagoge töteten sich die Juden, wie gesagt, mit eigener Hand. Wir nehmen aus der Schilderung des Vorganges das heraus, was für die Synagoge als Bauwerk charakteristisch ist. Die Juden — ihre Zahl wird nicht angegeben -— waren dort längere Zeit gefangen gehalten worden, und der Herzog hatte Wächter vor die Tür gesetzt. In der letzten Nacht hörten diese Wächter nichts als Weinen und Beten. Ein beherzter Mann, Rabbi Jona, schlachtete die Männer alle der Reihe nach und dasselbe tat eine Frau in der Weiberschul. Nun blieb diese Frau allein übrig, und