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Menorah · 1926-01-01 · Heft 1 (Januar 1926) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 1 (Januar 1926)
Article
Wiener Synagogen in der Vergangenheit
Date
1926-01-01
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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12 MENORAH die Strafe an den Judenrichter, das ist den von staatswegen eingesetzten hohen Beamten in Judensachen, zu zahlen, da e r der Vorstand dieses Gerichtes war (siehe Scherer: „Die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutschösterreichischen Ländern", Leipzig 1901, Seite 227). Im Ausgange des 14. Jahrhunderts finden wir in Wien eine blühende Gemeinde vor, die vielleicht die größte in deutschen Landen und weit und breit berühmt und anerkannt war. Die vielen Verfolgungen und ganz besonders die Greuel des Schwarzen Todes hatten mit den alten deutschen Gemeinden sehr stark aufgeräumt, während die Juden in Österreich durch die Weisheit ihrer Landesfürsten so ziemlich in Ruhe leben durften. Der Schwerpunkt der deutschen Judenheit hatte sich also vom Rhein an die Donau verlegt; hier war es, in Krems, in Wiener-Neustadt und in Wien, wo das jüdische Leben mächtig pulsierte, wo es große Lehrer gab („Die Großen Österreichs"), wo sich ein eigener Synagogenritus entwickelte („Minhag Österreich") und wo es nachweislich auch feste und schön gebaute Synagogen gab. Aus dieser glücklichen Lage sollten die Juden Österreichs bald herausgerissen werden. Es war am Freitag nach Allerheiligentag, das ist am 5. November d. J. 1406, zur Abendzeit, also am Sabbathabend, daß in der Synagoge zu Wien aus unbekannter Ursache Feuer ausbrach, das in den eng aneinandergebauten Häusern rasend um sich griff und die Judenhäuser einäscherte. Sofort war die ganze WTiener Bevölkerung auf, stürzte sich auf die Judenhäuser und trug alles hinaus, was ihr von Wert erschien: Kleinod, Hausgerät, Wein, Mehl usw., und es hatte die Plünderung, denn das war sie, nicht nur den ganzen darauffolgenden Samstag, sondern noch weitere zwei Tage angedauert, so daß die Juden völlig verarmt dastanden. Die den Juden geraubten Sachen waren nach der Klosterneuburger Chronik mehr als 100.000 Gulden wert, von denen, trotz herzoglichen Befehls, nur wenig den Juden wieder in die Hände fiel. Ein Jude, der sich in Verteidigung seiner Habe zur Wehr gesetzt hatte, wurde getötet, alle anderen standen in Lebensgefahr und konnten sich nur retten, indem sie sich eiligst in Schlupfwinkeln verkrochen. Dennoch behauptet die christliche Chronik, daß den Christen mehr Schaden geschah als den Juden, weil ihnen in dem Brande der Judenhäuser ihre Pfänder verlorengingen. Dem sei nun, wie ihm wolle — Tatsache ist, daß von da an die Gehässigkeit der christlichen Bevölkerung keine Grenzen kannte und auch dem Herzog nichts daran lag, das verarmte Völklein der Juden zu behalten. Noch 14 Jahre — und das Maß war voll. Die Juden wurden der Hostienschändung in Enns, des Christenknabenmordes usw.,

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