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Menorah · 1926-01-01 · Heft 1 (Januar 1926) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 1 (Januar 1926)
Article
Wiener Synagogen in der Vergangenheit
Date
1926-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 MENORAH Urkunde vom 30. März 1204 niedergelegt ist, daß der Stadtkämmerer Gottfried in Wien der Pfarre zu St. Stephan vier Bauplätze schenkt, die links neben der Judenschule gegen die Donau herab liegen und ehemals dem Juden Shlom gehörten. Das Wort „Synagoge'* würden wir in dieser Urkunde und in vielen ähnlichen Urkunden des Mittelalters vergeblich suchen, denn es stand nicht dafür, den gewiß sehr bescheidenen Betraum der Juden mit dem etwas vornehm klingenden Namen „Synagoge" zu belegen, zumal für einen gewöhnlichen Schreiber jener Zeit „Synagoge" schon als Fremdwort nicht gut geläufig war und überdies es auch den Juden recht sein mochte, mit ihrem Gotteshaus nicht allzusehr zu prunken. Das gangbare Wort war also s c o 1 a Schule, wovon bekanntlich das jüdische Bethaus in jüdisch-deutschem Jargon noch heute „Schür* heißt, aber mit „Schule" in unserem Sinne, das ist Lehrhaus oder Lehrstätte, nichts zu tun hat. Die nächste Erwähnung dieser jüdischen Gebetstätte in Wien finden wir bedeutend später, und zwar in einer Urkunde vom 1. September 1294, die davon spricht, daß unter den der Abtei Heiligenkreuz vermachten „Gülten" sich auch befindet „5 Pfund Gelder der liegt an jetzt auf des Juden Bendit Haus zu Wien, d. i. auf dem Hause, das da liegt zunächst dem Schulhof der Juden" (aus dem Altdeutsch ins heutige Deutsch übertragen). Das ist bereits eine deutsche Urkunde, und wir sehen, daß sich mittlerweile ein Sprachgebrauch festgesetzt hat, der von der Judenschule hergenommen ist, ebenso wie auch der ganze Stadtteil „Judenstraße" oder „Unter den Juden" hieß. Dieser „Schulhof" nimmt genau den Platz ein, den wir heute als „Judenplatz" in der Inneren Stadt kennen, und es darf dieser jüdische Schulhof nicht mit dem Schulhof verwechselt werden, der heute so heißt und um die Kirche zu den „Heiligen 12 Chören" herum liegt. Selbst wenn wir nur die beiden Urkunden von St. Stephan und Heiligenkreuz in Betracht ziehen, die eine vom Jahre 1204, die andere vom Jahre 1294, müssen wir der ersten „Judenschule" in Wien neunzig Jahre vindizieren, was für eine simple Betstube immerhin ein schöner Zeitraum ist. Aber natürlich geben die beiden Urkunden weder den Anfang noch das Ende dieser Betstube an, sondern setzen einfach ihren Bestand voraus, und somit muß ihr ein noch größeres Alter zugesprochen werden. Die Forscher sind sogar geneigt, diese Synagoge für dieselbe zu halten, die im Jahre 1406 abgebrannt ist, aber diese Annahme ist durch nichts erwiesen. Es kann das Gebäude dieser Synagoge mehrmals gewechselt oder zumindest erneuert worden sein. Aus der Bezeichnung „Schulhof" kann wohl geschlossen

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