Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Wiener Synagogen in der Vergangenheit
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 1)
- Language
- German
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M ENORAH IV. JAHRGANG JÄNNER 1926 NUMMER 1 Wiener Synagogen in der Vergangenheit der 100-Jahr-Feier der Synagoge in der Seitenstettengasse geschrieben baues. Dort, wo die erste positive Nachricht von einer Judensiedelung in Wien auftaucht, taucht auch schon das Bild einer Synagoge auf. Denn höchst wahrscheinlich entstand das erste Judenviertel in Wien unter Herzog Leopold VI. (1198 bis 1230), und eben um diese Zeit, und zwar in einer Urkunde vom 30. März 1204, wird auch das erstemal eine Judenschule (Schoia Judaeorum) in Wien erwähnt. In dieser Zeit lebte der erste uns mit Namen bekannte und zugleich bedeutende Jude in Wien, Shlom (Schalom), der am Hofe jenes Herzogs bekanntlich das Amt eines Münzmeisters innehatte und im Gefolge des Kreuzzuges im Jahre 1195 ein tragisches Ende nahm. Wahrscheinlich ist es dieser hohe Herr, auf den die Gründung dieser Synagoge zurückgeht. Das Vorhandensein dieser Synagoge setzt also noch nicht voraus, daß es damals in Wien eine organisierte jüdische Gemeinde gab, immerhin aber muß die Wiener Judenschaft bald darauf zu einiger Blüte gekommen sein, da im 13. Jahrhundert schon berühmte Männer in ihr wirkten, wie zum Beispiel Isaak Or Sarua (so genannt nach seinem großen halachischen Werke) und Abigedor Kohen, die in der jüdischen Gelehrtenwelt sich eines hohen Ansehens erfreuten. Aber eine Synagoge hat es, wie wir gesehen haben, gegeben. Die Kunde von dieser Sache verdanken wir dem Umstände, daß in einer Aus Anlaß von S. Rrauß Die Illustrationen sind dem Werke: Dr. Ignatz Schwarz: Das Wiener Ghetto, bei Wilhelm Braumüller, Wien 1909, entnommen / Reproduktionen aus dem Memorbuche (S. 17 unten) folgen in der nächsten Nummer In keiner Stadt ist die Geschichte der jüdischen Bevölkerung so sehr mit der Geschichte ihrer Synagogen verwachsen, wie in Wie n. Glück und Leid, Gedeihen und Tragik, Untergang und Aufschwung der Gemeinde waren in dieser Stadt ebensoviel Phasen des Synagogen-