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Menorah · 1925-10-01 · Heft 10 (Oktober 1925) · p. Seite 213

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 10 (Oktober 1925)
Article
Der Traumsiedler
Date
1925-10-01
Page
Seite 213 (sequence 2)
Language
German
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M E N O R A H 213 — Der Tote kaul Datteln, trinkt Wein und salbt seine Stirne mit Öl. Ich wollte ihm nicht antworten. Zum Schluß öffnete ich den Mund doch: — Der Tote liegt tot, seine Nachkommen aber jauchzen und freuen sich des Tages. Er lächelte und gab keine Antwort. Mir scheint, er freute sich, daß ich nach seinem Geschmack zu sprechen verstand. Ich fürchte mich nicht vor ihm, er beunruhigt mich nicht. Obwohl er eine Flinte hat und ich wehrlos bin. Doch bin ich zufrieden, wenn er mir den Rücken zeigt; denn er hindert mich an der Arbeit. Jetzt grabe ich der Gerste eine Strecke zwischen den Erdäpfeln und dem Reis. Nicht, weil der Mann gelacht hat. Nein! Ich wäre allein daraufgekommen, daß man Verschiedenes säen muß. Vielleicht gelingt eines nicht so gut wie das andere. Jetzt ist der Frühling in seiner ganzen Fülle da. Man muß sich mit der Gerste beeilen. Aber das Säen ist diesmal nicht so festlich. Gegenüber dem Reis ist es ein Kinderspiel. Ich werde vor Sonnenuntergang schon fertig sein. Beracha schaut gar nicht zu. Ich höre, daß die Kinder mit lautem Schluchzen kommen: das Flachhorn hat unseren Kalbu umgestoßen. Kalbu brüllt. — Das Flachhorn?! Wie war das? Zipporah erzählt ein langes Histörchen: Kalbu lief in die Flerde, zupfte die Lämmchen am Schweif, da kam das Flachhorn und stieß ihn um. Beracha ist ganz hin. — Wo tut es weh, liebes Herz? — Herze ihn nur — sage ich mit runzligem Ernst. Und unterdrücke ein Lachen. Es ist so ganz amüsant, daß unser ,,Hündchen" in die Herde lief! Man sollte unserem Jüngsten einen anderen Namen geben, sonst bleibt der Spottname Kalbu an ihm haften. Aber mir will so schnell nichts einfallen und vielleicht gibt es auch keinen Namen, der für meinen jüngsten Sohn passen würde. Fortan geht er nicht mehr auf den „Mohnkuchen". Er muß daheim bleiben bei der Mutter. Recht so. Bis Mittag wird er um das Haus herumspielen. Aber es wird ihm zu langweilig. Er bricht in Tränen aus und will unter die Kinder. — Das Flachhorn stößt dich wieder um — schreckt ihn die Mutter. — Es stößt mich nicht um. — Du wirst weinen. — Ich werde nicht weinen. — Ich sag's dem Vater! — Du mußt mich zum „Mohnkuchen" führen. Die Mutter ist dem Sturm nicht gewachsen. — Komm, du Taugenichts! Sie nimmt ihn beim Handgelenk und geht mit ihm. Das Schicksal sucht mich mit Abu Abdullah wieder heim. Er kommt, meiner Arbeit zu spotten. Von der Gerste kein Wort, imisomehr vom Reis. Wie im Sack die Nuß klimpert sein Lachen. — Perle hast du gesät! In diese Erde! Hehehe! Ich zucke die Achseln. — Perle! In — diese — Erde! Er hält im Lachen inne. Er sagt mit singendem Fernst: — Die Perle wird im Grund der Leidenschaft unter Qualen geboren. Ich muß mein Gesicht gegen sein Gesicht heben und in seiner Art entgegnen. — Alles, was wir ins Leben rufen, wird Vinter Qualen geboren. — Man soll so wenig Qualen ins Leben rufen, wie nur möglich. Ich ertappe mich dabei, daß ich mich in eine Debatte mit diesem Araber eingelassen habe. Es berührt mich seltsam, daß ich mit ihm so lange und bilderreich spreche, während ich unter den Meinigen so wortkarg bin. Abends kommen die Kinder nachhause. Die Kinder und die Herde, Beracha an der Spitze. Staubig, rot, Gräser und wilde LUDWIG BLUM -Jerusalem; ARABISrilRR VI Li IM AK KT IN JLRU.SALLM Blumen der Weide in der Hand und ein mildes Lodern in den Augen. — Morgen kommst du mit, sagt sie, sehr schön ist jetzt der „Mohnkuchen". Ihre Stimme ist durchtränkt mit Wohlklang, als hätte sie in Silber gebadet; es ist mir unmöglich abzulehnen. Ich spreche nur mit den Augen, fragend: — Darf ich's denn? Darf ich meine Arbeit im Stich lassen? Sie wird traurig. — Man kann die Küchlein nicht allein lassen, aber gehe nur, ich bleibe schon daheim. Und ein neuer Lobgesang: wie gut es draußen auf dem „Mohnkuchen" war, dort am wilden Abhang versammeln sich der Nachbarn Kinder und ihre Ochsen und Schafe und Ziegenböcke. — Geh' hinaus, Jischaj! Du wirst so wenigstens erfahren, wo „Zeltchen" das Kalb bekam. „Zeltchen" nennen wir unsere Kuh. Als wir nämlich hieher gekommen waren, da war das stolze Holzschloß mit den zwei Zimmern und der weißen Küche noch nicht da. Wir wohnten unter Zelttuch, das an Stangen befestigt war . . . und unsere Kuh ließ die Knochen unter der Haut so herausstechen, wie das Zelt seine Stangen. Jetzt geht sie etwas langsamer einher, hebt immer wieder ihre gekrümmten Hörner, schaut nach rückwärts und brüllt, tief, gedehnt, als riele sie jemand herbei. Aber hinter ihr stolpern nur die zwei Ziegen, daneben die Kinder; sie windet die Hörner zurück und brüllt nach vorne, hinaus in die unbekannte Ferne. Aber auch dort ist nichts. Zeltchen weiß jetzt schon, wo es ist. Sie deutet es mit einem raschen Wedeln an; sie hascht nach rechts, schlägt nach links; dann wieder entgegengesetzt. Zwei verliebten Armen ist der flinke Schwei! ähnlich, mit dem „Zeltchen" das dicke kleine Kalb uimvedclt. Dort ist es, dort krabbelt es mit den frischen Beinen. - Buh! Zeltchen! — sagt ihr Eieracha und kratzt ihr die Stirn. „Zeltchen" hebt das große feuchte Auge auf sie, eine einfältige Freude schimmert rot darin und sie brüllt Buhh! — Ich kann nicht gehen, sage ich zu Beracha. — Wegen der Küchlein könnte ich's wohl, aber die Erde ist besät und -— — — Oh, die Erde! schmollt Beracha. - Sie ist schon besät, läuft dir nicht davon. — — Sie läuft nicht davon, aber jetzt muß ich Pfähle zurechtschneiden für die kleinen Zitronenbäume. - Das kannst du ja draußen auch. Draußen geht's nicht. Schau! fängt sie von neuem an und ihre Stimme schnurrt, Zriel kommt ab und zu heraus zu seinen Tierchen, auch Nachmen läßt sich blicken, nur du kommst nie.

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