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Menorah · 1925-10-01 · Heft 10 (Oktober 1925) · p. Seite 205

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 10 (Oktober 1925)
Article
Die Synagoge in Heidingsfeld
Date
1925-10-01
Page
Seite 205 (sequence 3)
Language
German
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M E NOK AH 205 SYNAGOGE IN HEIDINGSFELD: INNENANSICNT änderlichcn Vorhang, der tatsächlich raumbegrenzend wirkt, sondern nur als Umrahmung für die auf die von ihm verdeckte Zu gangstür zum Schreininneren gestaltet werden. Entsprechend der Größe der Thorarollen sind die Abmessungen des Schreins kleiner gehalten als die der übrigen Synagoge. In Heidingsfeld erstreckt er sich etwa auf die Höhe der Säulenichäfte, er ist deshalb durch einige Stufen vom Fußboden aus zugänglich gemacht. Auf den Wangen, die diese Stufen flankieren, ruhen die Kerzenhalter für die Jahrzeitlichter; an der Innenseite der rechten Wange befindet sich das Pult für den Vorbeter. In der Milte der Männersynagoge erhebt sich, um einige Stufen über dem Boden erhöht, die achteckige Estrade für die Bibelverlesung, das Alraemor. Es ist von beiden Seiten über eine kleine Treppe zugänglich; diese und die Estrade selber sind von einer Balustrade umgeben, die an der Treppe durchbrechen, im übrigen mit reliefartigen Docken und Gewänden in klassischen Formen verziert ist Der Mittelteil der Balustrade trägt in Richtung auf den Schrein eine schräge Tischplatte zum Auflegen der Bibelrollen, auf der Gegenseite befindet sich eine Bank, auf der die Zusammenrollung und Bekleidung der Rollen stattfindet. Die Tischplatte ist seitlich mit einem schmiedeeisernen Gitter, auf dem Kerzenhalter angebracht sind, versehen, das Laubwerk in Art der Rokokoornamente zeigt. Ob einst die ganze Estrade eine schmiedeeiserne Bedachung (oder eine steinerne, wie in den beiden Gemeinden der Umgebung: Veitshöchheim und Höchberg'") besaß, ist unbekannt; Spuren einer Bedachung finden sich nicht mehr. Es ist auch mit Rücksicht auf das späte Erbauungsdatum der Synagoge nicht unbedingt notwendig, eine Überdachung anzunehmen, da sich diese im Verlauf der Entwicklung des Almemors verliert. Um die Wende des 18.. zum 19. Jahrhundert sind nur selten solche Bedachungen angebracht worden, weil sie den Ausblick auf den Thoraschrein hinderten und durch die Decken- und Raumgestaltungen mit zentraler Betontheit in ästhetischer Beziehung überflüssig wurden. Die Erinnerung an eine Bedachung scheint jedoch in der Aufstellung hoher Leuchter auf der Umfriedigung des Almemors fortzuwirken; in Heidingsfeld finden sich dort 8 außerordentlich hohe Messingleuchter (17. oder 18. Jahrhundert), die vermutlich aus einer früheren Synagoge herübergenommen wurden. Von der Almemorbedachung einer solchen könnten die Lampenhaltev her- "') Abb. im Archiv der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmiilci. rühren, die jetzt links und rechts des l horaschrcins in Höhe der oberen Endigung der Säulenschäfte angebracht sind. Diese schmiedeeisernen, dreieckigen Arme, mit Laub- und Bandwerk geschmückt (um 1730), könnten außen an einer Almemorbedachung befestigt gewesen sein, wie es z. B. in Prag der Fall ists). An diesen Armen hängt je eine messingne Sabbatlampe, deren Schaft mit durchbrochenem Laubwerk geschmückt ist. Außerdem hängen eine Anzahl der üblichen Messingkronleuchter, alle 1 7. oder 18. Jahrhundert, (vermutlich aus einer älteren Synagoge) im Kreis um den in der Mitte angebrachten klassizistischen Kronleuchter von der Decke. Das Gestühl, das sich ebenfalls um das Almemcr gruppiert, besteht jetzt aus Bänken und aus lnsen Ständern, die durch Übcrrageln mit Brettern in Tische verwandelt worden sind. Die ursprüngliche Anordnung der losen Ständer zeigt ein altes Ölgemälde der Sammlung Seeligsberger-Würzburg, das die Heidingsfelder Svnagoge — wenn auch in sehr freier Behandlung — darstellen seil. Das Gemälde (40 cm hoch, 45 cm breit) stammt aus der eisten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie sich aus der verblassenden Malerei und aus den Kostümen ergibt. Der Künstler ist leider unbekannt und nach dem wenig persönlichen Stil kaum zu identifizieren. Das Bild stellt die Synagoge am Versöhnungstag dar und zeigt eine erstaunliche Charakteristik der Typen. Von dem am Althergebrachten Festhaltenden in Totenkleidern und Gebetmar.tel bis zum „Modernen", der ohne diese rituellen Gepflogenheiten auskommt, dafür aber durch ein dörflich-modisches Gewand auffällt, präsentieren sich alle Gestalten, deren Physiognomien ebenfalls treffend dargestellt sind. Es fpiegelt sich hier ein Zug der Zeit, der einen interessanten Einblick in das innere Leben einer kleinen Judengemeinde Deutschlands zu Beginn der Assimilationsperiode gewährt. Über den Wert als Sittenbild hinaus ist das Gemälde als eines der wenigen alten synagogalen Architekturbilder von großer Bedeutung. Außer der verschiedent lieh gemalten Synagoge v>n Amsterdam kannte man bisher nur Stiche, vor. denen es allerdings eine ganze Anzahl gibt. In der Synagoge in Heidingsfeld sind die gestellten Bauaufpabens) : 1. Getrennte Räume für M ä n n e r u n d F r a u c n, 2. A u f s t e I 1 u n g von A r a u n im Ost v n und B e m a im Mittel des Mann o r r a u m e s in fügender Weise gelöst: Die Männersynagoge ist der Hauptraum, dem die Frauensynagoge als begleitender, jedoch als völlig getrennter Bauteil, hier bereits unter dem gleichen Dach, beige-

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