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Menorah · 1925-10-01 · Heft 10 (Oktober 1925) · p. Seite 206

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 10 (Oktober 1925)
Article
Die Synagoge in Heidingsfeld
Date
1925-10-01
Page
Seite 206 (sequence 4)
Language
German
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206 M E N O R A H SYNAGOGE IN HEIDINGSFELD: AUSLEGER MIT SABBAT¬ LAMPE geben ist. Es handelt sich also um eine schon von vorneherein vorgesehene Anlage der Frauensynagoge, die in einem Teil des Gebäudes untergebracht, jedoch nicht in das architektonische Bild des Ganzen einbezogen ist. In ästhetischer Hinsicht wirkt die Frauensynagoge also immer noch wie im Mittelalter, wo sie es tatsächlich war, als Anbau; für die Wertung der Raumgestaltung muß sie deshalb belanglos werden. — In der Männersynagoge ist das schwierige Problem, ein auf den Araun orientiertes Langhaus mit einem auf das Almemor orientierten Zentralbau zu vereinen, in glücklichster Weise gelöst worden. Die Betonung des Almemors bleibt der Deckenbildung und der Anordnung der Hängeleuchter und des Gestühls überlassen, dies wird durch die Erhöhung des Almemors um einige Stufen überragt. Die ganze Anordnung wird durch die Rechteckform des Grundrisses unterstützt, die jedoch auch die Betonung des Arauns ungehindert zuläßt. Seine beherrschende Stellung wird neben der um eine kleine Treppe erhöhte Anbringung vor allem durch den portalartigen Umbau bewirkt. Die tatsächlich bereits erheblichen Abmessungen werden durch die maßstabgebenden kleinen Seitenkonsolen mit Vasen noch vergrößert. Die Lösung der Bauaufgabe ist unter Berücksichtigung des auch anderen Ortes*) vorhandenen Archaismus bei der Anlage der Frauensynagoge äußerst günstig und läßt einen tüchtigen Baumeister vermuten, dessen Name allerdings bisher nicht festzustellen war7")- Eine ähnliche Synagoge findet sich in Bad Kreuznach, wo ein von drei Jochen Kreuzgratgewölben überdachter Männerraum auf der Südseite von einer zweigeschossigen Frauensynagogc begleitet wird. Die sehr dürftige Höhe der Männersynagoge läßt auf eine spätere Aufschüttung auf den ursprünglichen Fußboden schließen; auf diese Veränderung scheint auch die geringe Ent- SYNAGOGE IN HEIDINGSFELD: GITTER AM LESEPULT fernung des Thoraschreins vom Fußboden hinzuweisen. Während vom Almemor nichts erhalten ist, dürfte der Thoraschrein unberührt geblieben sein. Modernes Gestühl und andere Verunstaltungen, z. B. der Einbau einer Frauenempore im Westen, haben die ursprüngliche Raumgestaltung völlig verändert. Daß Äußere hat die Form eines überhöhten Würfels, diese und das flache Dach sind vermutlich spätere Restauration. An Inschriften fand sich das vermutliche Erbauungsjahr 1735 (oder 1738), mit dem die Bandwerkornamente der Konsolen, die die Gewölbe tragen, zusammenzubringen wären; ferner die Zahl 1845, der die barbarische Renovation zufallen könnte11)- Weitere Beispiele des Heidingsfelder Typus sind bisher nicht bekannt geworden; am nächsten stehen ihm die Bauten Nordwestböhmens und im westlichen Böhmen, die auch geographisch am nächsten liegen8). Hatte die Einleitung bereits darauf hingewiesen, daß rechtlich, wirtschaftliche und soziologische Momente Aufblühen und Vergehen der jüdischen Gemeinden bedingen, so muß zum Schluß noch auf das Schicksal der dadurch gefährdeten Denkmäler hingewiesen werden. Leistungsschwache Gemeinden sind nicht in der Lage für die Erhaltung der überkommenen Kunstdenkmäler zu sorgen, die bei der Auflösung dem völligen Verfall oder dem Übergang in andere (oft profanierende) Hände ausgesetzt sind. Hilfe von außen ist, mit einigen Ausnahmen, zwecklos, weil die praktische Verwertbarkeit alter Synagogen ohne Gemeinden sowohl als Gotteshaus als auch für museale Zwecke unmöglich wäre. Vielmehr sollte die Übertragung der auslösbaren Architekturteile und der Ausstattungen in andere Synagogen oder in jüdische Museen als beste und zugleich praktisch-nutzbare Erhaltungsmöglichkeit angestrebt werden. Solange aber die Mehrzahl der Gemeinden nicht sachgemäß aufgenommen worden sind, ist es kaum, trotz der gesetzlichen Handhabe, die vorhanden wäre, möglich, etwas in dieser Richtung zu tun. Die Aufnahme wäre aber auf jeden Fall aus wissenschaftlichen Gründen anzuraten, weil die spatere Aufstellung die ursprüngliche Wirkung niemals erreichen könnte. Der Zug der Juden vom Lande in die Städte erheischt rasches Handeln, das sich, wie die Heidingsfelder Synagoge zeigt, durchaus lohnen dürfte. Daß auch wohlhabenden Gemeinden zuweilen das Verständnis für die Erhaltung ihrer Kunstdenkmäler fehlt, ließe sich leider an vielen traurigen Beispielen beweisen. Wissenschaftliche Aufnahmen würden mindestens in Beschreibungen und in Bildern manches erhalten und auch zur besseren Bewertung der vorhandenen Schätze beitragen können. Damit und mit der Bereitstellung des Materials zum Studium für Gegenwartsaufgaben und für das Verständnis der Vergangenheit würde eine kulturelle Aufgabe des modernen Judentums gelöst werden. ") Trotz mehrfacher, schriftlicher Aufforderungen sind aus Kreuznach weder nähere Auskünfte über die Baudaten, noch die vorhandenen Photos zu erlangen. VERGÄNGLICHKEIT Kommt der Mensch auf diese Welt, hält geschlossen er die Hände, gleich als ob er da schon hält, was er später sich verbände. Geht der Mensch von dieser Welt, liegen offen seine Hände, und er zeigt, daß nichts er hält, was er schuf auch bis ans Ende. Nach dem Talmud von Gerhard B i rn baum

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