Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1925)
- Article
- Die Jahrtausend-Ausstellungen der Rheinlande
- Date
- 1925-08-01
- Page
- Seite 194 (sequence 3)
- Language
- German
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194 MENORAH MAX LIEBERMANN DAMENPORTRÄT Jahrtausendausstelluny der Rheinlands Düsseldorf 1925. Heidelberg, auf der die jüdischen Studenten von 1725—1804 verzeichnet sind. Unter den Picardschen Stichen, die die Juden Hollands bei verschiedenen Festen darstellen, finden sich Samuel Oppenheimers und Simon Wertheimers Porträts, ein Pastell von Heines Großvater und eine vergrößerte Photographie nach dem Porträt des letzten Judenbischofs Gernsheim aus Worms. Die ^Schaukästen darunter beherbergen eine Menge kleinerer Objekte, die auf Berend Lehmann, den aus Essen stammenden polnischsächsischen Hofagenten, und auf andere seiner Genossen bezug haben. Die Bilder ihrer Haussynagogen in Halberstadt und Eisenstadt dürften den Rahmen der Rheinischen Ausstellung doch allzusehr sprengen. In der Mitte dieses Winkels findet sich ein Schauschrank mit Geräten für die Beschneidung, Kiddusch und Hawdoloh, für den Seder und das Chanukkahfest in einer das Verständnis erschwerenden Aufstellung nach malerischen Gesichtspunkten. Die andere größere Ecke des Raumes zeigt an den Wänden Thoraschrankvorhänge verschiedenster Qualität. An einigen Stellen befindet sich in den Schränken Thoraschmuck aus Friedberg und anderen Orten; neben wenigen alten Stücken guter Qualität, dörfliche und moderne, diese aus der unerfreulichen zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein Schauschrank vereinigt einen recht hübschen Thoraschmuck und Kohanimwaschgerät, in einem andern ist die bekannte Sabbatlampe aus Offenbach, Becher der Beerdigungsbrüderschaft aus Worms und zwei Menoroth zu sehen. Zwischen diesem und dem nächsten Schauschrank sind die Ringsammlung Koch-Frankfurt a. Main, Siflonethgürtel des Historischen Museums der gleichen Stadt und einige Haggadoth verschiedener Qualität und Provenienz ausgestellt, über die im Zusammenhang mit der anderen Buchkunst noch berichtet wird. Der nächste Schauschrank enthält Menoroth für das Channukkafest aus verschiedenen Epochen, darunter auch eine der typischen holländischen (!) mit halbkreisförmiger Anordnung der Brenner (siehe Beiträge zur jüdischen Kulturgeschichte I). Das interessanteste Exemplar ist eine Rokokoarbeit mit dem Monatszeichen, einem Steinbock, und den Segenssprüchen (B. z. j. K. I.). Erwähnt man noch in einem Schaukasten eine Zusammenstellung verschiedener Textilien, Wimpeln und Sederhandtücher, in einem anderen die meist italienischen und holländischen (!) Megilloth-Esther der Sammlung Kirschstein, so dürfte noch übrig bleiben, etwas über die Handschriften zu sagen. So fragwürdig hier der Wert der illustrierten Haggadoth ist, Cod. 7, der Darmstädter Bibliothek (siehe Nr. 4/III. dieser Zeitschrift) ist in Lissa geschrieben, die Geldernsche Haggadah ist eine späte und nicht gerade eine besonders gute Kopie der Amsterdamer Druckausgabe von 1695, so großartig sind die illustrierten mittelalterlichen Handschriften. Aus Frankfurter Privatbesitz stammt eine köstliche Bibelhandschrift, die 1294 von Joseph aus Xanten ben Kalonymaus aus Neuß geschrieben wurde, der Akademie der Wissenschaften in Budapest gehört die prachtvolle Mischne Thora von 1295/96, das Festgebetbuch aus Hammelburg stammt aus der Darmstädter Bibliothek und das Wormser von der dortigen Gemeinde. Leider wird der Gesamteindruck der Handschriften durch Hinzufügung von Photos und wenig repräsentativen, teilweise barocken Manuskripten geschmälert und durch die ungünstige Aufstellung beeinträchtigt. Beurteilt man die jüdische Abteilung nach den Gesichtspunkten, die für die Kölner Ausstellung maßgebend sind, so kann man leider nicht sagen, daß die repräsentative Seite sehr vorteilhaft in Erscheinung tritt. Bezüglich der Zugänglichkeit bisher unbekannter Stücke darf man sich nicht vom Urteil der Nichtjuden, die über das Fremdartige begeistert sein mögen, täuschen lassen; man muß vielmehr gerade in dieser Hinsicht bedauern, daß nicht straffe Zusammenfassung und qualitative Auslese weitgehender berücksichtigt werden. Dem mit der Materie Vertrauten werden bis auf die Handschriften nur Objekte begegnen, die seit langem durch die reich illustrierten Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler und durch das von ihr gegründete Museum jüdischer Altertümer — (die übrigens nirgends erwähnt wurden) — bekannt waren. Es ist eine außerordentlich schwere Aufgabe für einen praktischen Theologen und für eine Museumsbeamtin, die der jüdischen Kunstforschung völlig fern stehen, auf einem andern Weg nur einigermaßen der Aufgabe gerecht zu werden. Das philologischhistorische Interesse des Abteilungsleiters wird dem Unternehmen völlig zum Verhängnis, da sich diese Einstellung absolut nicht museumstechnisch auswerten laßt. Geistesgeschichte durch Bücher, von denen man jeweils höchstens zwei Seiten lesen kann, Geschichte durch malerisch im Raum verteilte Urkunden, die Synagoge durch einen Dorfbetraum und das religiöse Leben durch verstreute Kultgeräte zur Anschauung zu bringen, das ist — so gut es gedacht sein mag — unausführbar. Der Weg der katholischen Kirche, repräsentative Schaustellung eindrucksvoller Kultaltertümer erlesenster Qualität, ist sicher für diese Art von Ausstellungen der richtige und — was bei Ausstellungen entscheidet — der erfolgreiche. Bei der jüdischen Abteilung läßt sich dies natürlich nicht so leicht ermöglichen, wie es bei der katholischen der Fall ist; durch Heranziehung aller Sammler und aller Fachleute hätte das Resultat besser erreicht werden können. (Erfreulicherweise ist dies bei der Gesola-Düsseldorf bereits geglückt.) Bedauerlich ist es jedoch, daß die philologische Betontheit keine peinliche Akribi im Katalog bedingt und keine Vollständigkeit erreicht, wie es z. B. in der Aachener Ausstellung unter gleicher Perspektive der Fall ist. Es dürfte, um nur etwas herauszugreifen, doch bekannt sein, daß das Andernacher Judenbad nicht im 12. Jahrhundert, sondern im 15. Jahrhundert, die Wormser Synagoge nicht 1034, sondern Ende des 12. Jahrhunderts erbaut wurden. Auch über den Erfolg des leitenden Gesichtspunktes „das Recht der deutschen Juden auf ihren rheinischen Heimatboden zu beweisen", könnte man verschiedener Meinung sein. Der Abteilungsleiter sagt, daß sie es u n w i d e r- 1 e g 1 i c h beweist (Von der Jahrtausendausstellung der Rheinlande in Köln, von Gemeinderabbiner Dr. Kober, C. V. Zeitung, IV. Jahrg., Nr. 26, S. 448), trotzdem sich so etwas nicht in der wenig repräsentativen Form beweisen läßt. rSchluli auf Seite 197.)