Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1925)
- Article
- Die Jahrtausend-Ausstellungen der Rheinlande
- Date
- 1925-08-01
- Page
- Seite 193 (sequence 2)
- Language
- German
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M E N O R A H 193 Heine (geb. zu Düsseldorf 1813, gest. ebendort 1839) oder einer der anderen Maler ebenfalls hieher gehörten, das bedürfte der sorgfältigsten Überprüfung. Ein Gleiches gilt für die moderne Abteilung, deren Meister m. A. oft viel zu leichtsinnig für das Judentum beansprucht werden, ohne daß dies den Tatsachen entspricht. Sicher sind wohl nur als Juden oder Judenstämmlinge folgende Maler: Jankel Adler, Düsseldorf, Lyonel Feininger (?), Weimar*), Albert Herzfeld, Düsseldorf, Max Liebermann, Berlin, und der Bildhauer Leopold Fleischhacker, Düsseldorf, zu bezeichnen. Unter den Architekten, die in Düsseldorf Pläne und Modelle ausgestellt haben, ist mir keine besonders wertvolle Arbeit von jüdischer Seite aufgefallen, obgleich zahlreiche jüdische Namen unter den Ausstellern zu finden sind. Wie immer, wenn wir vor Galuthkunst stehen, ist es sehr schwer, die Grenze zwischen dem zu ziehen, was wirklich lür die Erkenntnis der jüdischen Psyche wichtig ist, und zwischen dem, was nur so nebenher als „j ü d i s c h" im weitesten Sinn interessieren könnte. Nun dürfte es für die brennende Frage der Assimilation an eine andere Umgebung — eine der Kernfragen der Galuthpsyche — außerordentlich wertvoll sein, ein recht unbekanntes Bild eines nichtjüdischen Malers zu betrachten. Der junge Andreas Achenbach (geb. zu Kassel 1815, gest. zu Düsseldorf 1910) hat 1&35 den Strand bei Scheveningen einmal (übrigens nie wieder) in der Art Josef Israels gesehen. Nur durch die Signatur kann man auf den richtigen Künstlernamen kommen. Das seltene Schauspiel der Beeinflussung durch den Ort und seine Gegebenheiten — Licht, Luft, Wasser, Stimmung usw. — wird hier, wie z. B. zuweilen bei Dürer in Italien deutlich. Durch diese Erkenntnis auf die Möglichkeiten aufmerksam gemacht, verwundert es nicht, bei Bendemann ,,T r a uernde Juden im Exil" im Genre deutscher Sagenhelden und in der künstlerischen Auffassung der süßlichsten Romantik zu treffen. Es bleibt sich gleich, ob Jeremias auf den Trümmern Jerusalems sitzt oder der Durchzug durch das Rote Meer oder Ruth im Kornfelde---oder aber Wilhelm Teil mit seinem Sohn dargestellt werden. Bedeutender als die künstlerische Qualität der historischen Bilder ist die der Porträts, von denen uns das seiner Gattin am meisten interessiert. Munkacsy ist im Gegensatz zu Bendemanns akademischer Gleichgültigkeit ein temperamentvoller Künstler, der nicht nur als Lehrer Liebermanns, sondern auch als einer der Bahnbrecher neuer Sehweisen zu werten wäre. Leider haben wir sehr selten Gelegenheit, genügend Arbeiten des Meisters zu betrachten, um ein einigermaßen begründetes Urteil über sein Schaffen zu besitzen. Düsseldorf zeigt auch nur drei Bilder, die keine auffallenden Besonderheiten tragen. Durch den jüdischen Bildinhalt fällt Adler — zum Entsetzen der bürgerlichen Assimilanten des Rheinlandes — sofort ins Auge, seine Zugehörigkeit zur jüdisch-slawischen Malerschule ist auch in Gestaltung und Farbe deutlich zu erkennen. Es wäre verfehlt, das primär-spirituelle dieser Bilder sofort als jüdische Note zu werten, weil es für uns heute noch unmöglich ist, diese Frage mit dem nötigen Abstand zu werten. (Das Phänomen der jüdisch-slawischen [oder aber slawisch-jüdischen] Malerei wäre noch zu spalten!) Mögen wegen der Verschiebung der Bewußtseinsschwelle der „Jude im Bade" und der „Synagogendiener'* auch befremdend, gewollt oder unerfreulich wirken, sie besitzen zweifellos starke Qualitäten. Was von Adler gesagt ist, gilt auch für Feininger, dessen viel abstraktere Bilder leicht als jüdischdekorative Schöpfungen betrachtet werden könnten, wenn man die Vermischung der deutschen mit der jüdischen Eigenart bereits bewerten könnte. Liebermanns jüdische Qualitäten zu betrachten, wäre eine sehr lohnende und für die älteren Schöpfungen (besonders die in Hamburg und Berlin) durchaus mögliche Aufgabe, auf die aber in diesem Zusammenhang verzichtet werden muß. Sein Damenporträt, das als einziges Werk seiner Hand den Saal der Prominenten in Düsseldorf ziert, scheint mir überhaupt sehr wenig charakteristisch für diesen Künsder zu sein. Herzfeld und Fleischhacker gehen nicht über den Rahmen des Alltäglichen hinaus und sind, vielleicht nicht gerade günstig, mit dem einen, bezw. den zwei Stücken vertreten. *) Modeines deutsches und düsseldoifer Kunstschaffen. EDUARD BENDEMANN BILDNIS DER GATTIN (Jal.rhiusendai.ssttrllmii; der Kl.einli.mlc, Düsseldorf 1^5) In ganz anderen Bahnen bewegt sich die Kölner Ausstellung, eine repräsentative Schau, deren Wert in der Zugänglichkeit selten erStücke und einer Übersicht über das ganze Gebiet liegen soll. In diesem Rahmen war es selbstverständlich, daß die Leitung auch eine jüdische Abteilung in Betracht zog, zu deren Leiter einer der Kölner Rabbiner, Dr. Kober, herangezogen wurde, dem noch eine Assistentin des Kunstgewerbemuseums beigegeben wurde. In den Umgängen um die großen Mittelräume hat die jüdische Abteilung zwei kleine und ein größeres Zimmer zur Verfügung. Im ersten (Nr. 38) finden sich mittelalterliche Grabsteine aus Köln im Original und solche aus Worms in Gipsabgüssen, ferner Abklatsche von verschiedenen Orten. Die zeichnerischen und photographischen Darstellungen der Judenbäder fallen in der gewählten Aufstellung mehr ins Auge als die guten Modelle, die im Durchgang zum Nebenraum zu wenig Beachtung finden. Einige Urkunden von Kaisern und Kurfürsten, Städten usw. sind wegen der fehlenden Zusammenfassung leider wenig für das Publikum von Nutzen, das eben durch diese Zusammenfassung leicht belehrt werden könnte. Der Erfolg der Photographie der ältesten auf Juden bezüglichen Urkunde von 321 wird wegen der unglücklichen Aufstellung ebenso wie der der interessanten Karte der mittelalterlichen Judensiedlungen in Frage gestellt. Der nächste Raum (Nr. 37) enthält einen Dorfbetraum des bescheidenen Typus vom Ausgang des 19. Jahrhunderts, zwei hübsche dörfliche Beschneidungsstühle sind als das Interessanteste dieses Raumes zu buchen. Der letzte und größte Raum (Nr. 36) zeigt eine Fülle verschiedener Objekte, die in ihren Zusammenhängen nicht klar werden. An einer dörflichen Sederstube vorbei gelangt man zu einer Vitrine mit Memorbüchern des 1 7. und 18. Jahrhunderts und illustrierten Handschriften, darüber hängen Photos von rheinischen Judenfriedhöfen. Der nächste Schaukasten enthält eine Sammlung von Abbildungen meist moderner Synagogen im maurischen Renaissance-Barock: das Schild „zur Abschreckung" fehlte noch. Weiter findet sich eine Sammlung prachtvoller moderner Kultgeräte des Frankfurteis Leo Horovitz, deren gute Anordnung angenehm auffällt. Daneben ist, leider durch die prunkhafte Ehrengabe der Krefelder Judenschaft an Beckerath erdrückt, das Original des Rabbi von Bacharach zu sehen. Die Wand darüber zeigt die moderne Synagoge in Essen und die vergrößerte Photographie einer Matrikelseite der Universität