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Menorah · 1925-08-01 · Heft 8-9 (August 1925) · p. Seite 179

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 8-9 (August 1925)
Article
Der Traumsiedler
Date
1925-08-01
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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M E N O R A H 179 JERUSALEM: BETTLER AM EINGANG ZUR KLAGEMAUER Noch heute. Ich werfe einen Blick aufs Feld und auf die vergangenen Tage: es war ein Kinderspiel gewesen. Aber das Säen! Wonne durchschauert mich, wenn ich daran denke, und doch! Ich traue mich nicht an die Arbeit zu gehen. Die Aufgabe ist zu groß; mir bangt vor ihr. Ich begebe mich ins Haus, komme hinaus, gehe wieder zurück, nehme den Reissack, werfe ihn auf meinen Rücken, lege ihn wieder nieder, greife hinein, wäge, wälze, betaste den Samen . . . Nein, ich wage es nicht, anzufangen. Wenn der teuere Samen verlorengehen sollte?! — Wirst du säen? — fragt mich die Frau. — Ja! — antworte ich und werfe mir den Sack abermals um die Schultern. — Alles, was im Sack ist? — Alles! — — Wirst du es können? — Gewiß. Und ich mache mich auf den Weg. Natürlich werde ich es können. In der Türe kommt mir die Kleine tänzelnd entgegen, sie hat so munter tanzende Bewegungen, als hätten wir von allem Anfang an hier im sonnigen Morgenlande gelebt. Sie hüpft vor mich hin und fleht: — Ich gehe mit. — Nein, komme nicht — sage ich ihr, denn ich weiß noch nicht, wie ich es machen werde, und fürchte, sie könnte mich stören. — Du sollst hübsch daheim bleiben; gleich gehst du mit dem Brüderchen und mit den Ziegen aufs Feld. — Nein, noch nicht, jetzt gehe ich mit dir, ich gehe mit dir. — Du darfst nicht mit!, sage ich streng. — Bleibe! Da kommt der größere Knabe, der jüngere humpelt ihm nach. — Vogel! — ruft er und zeigt nach dem Giebel. Der Kleine streckt die Finger, sagt dem Größeren nach: — Vogel, schaut, Vogel! Ich schaue hin. Ein Schwalbenpaar baut sein Nest. Mir scheint, ich habe das Nest dort unter dem Giebel schon gesehen. Es war fertig. Nicht doch! Ich sah es so, wie es jetzt ist, im Halbkreis angefangen, ein schlammblonder Kinnbart an der Mauer. Die zwei Schwalben umbauen seinen Rand mit neuen und neueren Reihen. Jetzt ist die eine eben zurückgekehrt, einen verdorrten Grashalm im Mund. Da kommt die andere auch geflogen, mit einem Tüpfelchen Erde: sie kleben das Gras fest. Staunen und Vertrauen erfüllt mich. Ich fühle, daß ich mich emporrichte, daß der Sack voll Samen sich auf meiner Schulter hebt. Ich segne meine Kinder, die mich auf das Wunder aufmerksam gemacht. Die Schwalben

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