Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1925)
- Article
- Vom Tabak und vom Rauchen
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 156 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912840-2912848-2915898--02041-2915988- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
156 M E N O R A H GRIGORY GLÜCKMANN AUS „DE PROFUNDIS" Lithographie 1923 ham Hilch. schabos „b"). Anders liegen die Dinge, wenn es sich um den Festtag (Jomtow) handelt. An diesem darf man anzünden, wenn es dem Genüsse dient; verboten ist hingegen das Auslöschen. Tatsächlich ist auch aus diesem Grunde ein Verbot erflossen (Chomad mosche, Seite 112), das aber später außer Kraft gesetzt wurde. R. M. Benett hat in einer handschriftlichen Quelle gefunden, daß ein Jude einen Rabbiner beschworen habe, ihm zu sagen, was man im Himmel betreffs des Rauchens am Festtage denke. Der Rabbiner habe ihm im Traume geantwortet, daß man denjenigen, der am Festtag raucht, mit Bann belege; denjenigen, der am Tischobeab rauche, verfluche und ebenso den, der unter der Chuppa raucht. Der genannte R. M. Benett hat aber das Verbot nur für den ersten Festtag gelten lassen und führt den Verfasser des Werkes Machane Efrajim als Gewährsmann an, der es ebenso wie er selbst — beide waren Raucher — praktisch so hält. Er führt auch einen frommen Gelehrten an, der Raucher war und sich die Entbehrung am Festtag auferlegte, den aber ein hervorragender Frommer dahin belehrte, daß er nicht recht tue; nachdem er an das Rauchen gewöhnt sei, lege er sich eine Kasteiung auf und zerstöre sich die Festesfreude. Daraufhin hat jener Gelehrte sich das Rauchen am zweiten Festtag gestattet. Von dem Rauchen am Festtage berichtet Salomon Schuck in seinem Kommentar zum Sidur haminhagim einen interessanten Streitfall. In einer ungarischen Gemeinde hatte der Schochet am Jomtow geraucht und der Rabbiner und die Gemeinde forderten von dem Genannten ein Gutachten. Der Gutachter spricht sich sehr milde aus und wünscht keine Bestrafung. Was den Fasttag anlangt, so ist wohl Speise und Trank verboten; da aber Rauchen weder dieses noch jenes darstellt, so ist kein Grund, es am Fasttag zu verbieten. Indes soll ja der Fasttag eine Kasteiung bedeuten, die durch den Tabakgenuß zumindest gemildert wird, da ja die Raucher selbst zugestehen, daß ihnen das Rauchen Speise und Trank ersetze. Es blieb aber dabei, daß das Verbot lediglich für den Tischobeab bestehen blieb. Auf das Schnupfen wurde es in keiner Weise ausgedehnt. Ja der Schnupftabak fand seinen Fürsprecher (Leket hakemach), der sagte, daß Gott eine solche Strenge gar nicht wünsche und wer hinzufügt, ist, als wenn er wegnähme. Ein anderer frommer Rabbiner nahm am Tischobeab nicht die gewohnte gute Sorte, sondern eine schlechte, um dem Trauertage Rechnung zu tragen. Auch am Versöhnungstage ist die Sitte des Schnupfens nicht verdrängt worden, wenn auch die Rabbiner dagegen Stellung nahmen, aber lediglich wegen des Unfuges. So schreibt ein Rabbiner: „Ist es schon traurig, daß die Amehaarez an den gewöhnlichen Tagen im Gotteshause mit dem Schnupfen Unfug treiben, so ist es am Jomkippur ganz unstatthaft; hätte ich die Macht, so würde ich es bestrafen." Der Verfasser des Werkes „Epher Jakob" schreibt mit witzigem Wortspiel des Wortes Af, das „Nase" und „Zorn" bedeutet: „Das Schnupfen am Festtage erscheint mir, als mehrten sie ,Charon af (den ,Zorn der Nase' Zorn durch die Nase), denn der Zweck des Fastens ist, daß der Körper die Schlacken und alles Schmutzige ausscheide, damit er rein und lauter ist — nun kommt der Schnupfer und zerstört dies!" Eine lustige Anekdote, die von Rabbi Akiba Eger erzählt wird, ist die Entstehungsursache für die Redewendung „Tabak auf seiner Pfeife haben", „Er hot kaan Tubak uf der Pfeif!" R. Akiba Eger kam einmal nach einer fremden Stadt und besuchte die Synagoge. Während er selbst und die Gemeinde das stille Gebet (Schemone esre) längst zu Ende gebetet hatte, stand der Rabbiner des Ortes immer noch im Gebete, so daß der Vorbeter eine Zeitlang warten mußte. Die Leute drückten R. Akiba Eger ihre Verwunderung aus, daß er in kürzerer Zeit als ihr Rabbiner das Gebet verrichte, also scheinbar weniger Andacht darauf verwende. Da antwortete R. Akiba Eger: „Ein Nichtraucher fragte einst einen Raucher, wozu er rauche. ,Zur Unterhaltung', war die Antwort. ,Da könntest du auch eine Pfeife ohne Tabak in den Mund nehmen', erwiderte jener, ,und den Mund auf- und zumachen!' Ja,' sagte der Raucher, ,da wüßte ich ja nicht, wann ich aufhören sollte.' Euer Rabbiner, so schloß der Rabbi, hat wohl auch keinen Tabak auf der Pfeife, darum weiß er nicht, wann er aufhören soll." Ein anderes Witzwort, den Tabak betreffend, berichtet Grunwald vom Berliner Rabbinatsassessor Jakob Josef öttinger (gestorben 1860) : „Wenn Ihr wissen wollt, was für Tabak Raschi geschnupft hat, so müßt Ihr Zunz fragen; wollt Ihr aber wissen, was Raschi sagt, so fragt mich." Der Tabak, dessen Entdecker nach einer Mitteilung in diesen Blättern ein Jude war, hat die Gedanken der Gesetzeslehrer beschäftigt; sie haben über ihn nachgedacht, aber er hat sie auch bei ihrem Denken und Studieren angeregt. Darum waren und sind sie ihm nicht feindlich gesinnt, sondern schätzten ihn als Gehilfen der geistigen Arbeit.