Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1925)
- Article
- Jam Hamelach, das Salzmeer
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2912821-2912840-2912848-2915879--02000-2915981- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MENORAH 149 den. Dank dem Entgegenkommen der Verlagsbuchhandlung Moritz Perles sind wir in der Lage, Illustrationsproben aus dem Schroetter'schen Buche diesem Aufsatze beifügen zu können. Für den wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Interessenten bringt diese Arbeit eine wertvolle Sammlung von Daten und Materialien, die jetzt besonders aktuell geworden ist. Die englische Regierung hat erst vor kurzer Zeit eine Konzessionsbewerbung eröffnet, die von unabsehbaren Folgen für die politische und wirtschaftliche Entwicklung Palästinas werden kann. Der Kronagent für die Kolonien in London hat sich nämlich bereit erklärt, mit allen Unternehmern in Verbindung zu treten, die sich mit der Absicht tragen, die Mineralschätze des Toten Meeres auszubeuten. Er ist bevollmächtigt, im Namen der Palästinaregierung diesbezügliche Verträge abzuschließen. Nach den bisherigen Erfahrungen ist zu befürchten, daß natürlich eine nichtjüdische Firma die Konzession erhalten wird und wenn keine sich melden sollte, so wird sie sicherlich gesucht und auch gefunden werden . . . Das Tote Meer — das erstemal finden wir diesen Namen bei Justinus, Pausanias — ist 78 Kilometer lang. Bei der Arnonmündung erreicht es seine größte Breite, die 1 7 km beträgt. Seine Oberfläche liegt 393*8 m unter dem Spiegel des Mittelmeeres. Hiezu kommt noch eine Eigentiefe von 399 m, so daß dieser Punkt eine Gesamttiefe von 793 m unter dem Mittelmeerspiegel erreicht. Interessant ist die Erscheinung, daß der Spiegel des Jam hamelach seit den letzten Jahrzehnten im Steigen begriffen ist. Obgleich sich die Verdunstung des Wassers in einem rapiden Tempo vollzieht (13*5 mm in 24 Stunden), so ist sie keinesfalls ausreichend, um den Zufluß des Jordan auszugleichen. „Eine in der Breite der Halbinsel Lisan noch um das Jahr 1810 quer durch das Tote Meer gangbare Furt ist verschwunden, eine nahe dem westlichen Ende des Nordufers gelegene kleine Insel, Rudschm el Bahr, die unter anderen von dem Romanschriftsteller G. Flaubert erwähnt wurde, ist seit 1 892 unter den Seespiegel getaucht." Die Dichte und Zusammensetzung des Wassers ist demgemäß keine gleichmäßige. Die mineralischen Bestandteile sind in den Gewässern des nördlichen Teiles im allgemeinen weniger konzentriert als im Süden. Hier macht sich der Mangel jeglichen Abflusses besonders bemerkbar. Hiezu kommt noch die Auslaugung der großen Salzlager des Dschebel us dum. Da außerdem dieser Meeresteil nur eine geringe Tiefe, durchschnittlich weniger als Abb. 5: DIE ARNONKLAMM MIT IHREN FELSKULISSEN Aus Schroetter: „Das Tote Meer". Verlag Moritz Perles, Wim Abb. 6: DIE SANDSTEINFELSEN BEI DER MÜNDUNG DES ARNON Aus Schroetter: „Das Tote Meer", Verlag Moritz Perles, Wien 10 m besitzt, ist es nur natürlich, daß das Meerwasser stellenweise einer dicken, konzentrierten Salzlösung ähnlich wird. Im übrigen ist der Salzgehalt des Jam hamelach je r.ach dem Orte und der Jahreszeit überaus verschieden. Besonders zur Regenzeit macht sich dies bemerkbar, ,,da das auf dem dichteren Salzwasser schwimmende Regenwasser nur allmählich von den Salzen durchdrungen wird". Infolge des starken Salzgehaltes, ist das spezifische Gewicht des Toten Meerwassers relativ höher als das des menschlichen Körpers. Der Schwimmer wird vom Wasser leicht getragen, er kann nicht untergehen, insbesondere wenn er sich in der Rückenlage befindet. (Vergl. Abb. 7.) Daher werden sel'samerweise auch frische Hühnereier im Meerwasser schwimmen. „Sehr schmerzhaft wirkt die hohe Konzentration des Seewassers auf die Bindehäute der Augen, die man beim Untertauchen stets verschließen muß. Das Wasser schmeckt salzig und bitter, zugleich unangenehm und brennt auf der Zunge." Die ersten Chemiker, die das Wasser des Toten Meeres eingehend untersuchten, waren die Franzosen A. L. L a v o i s i c r und E. Lesage (1778). Nach den letzten Analysen ist sein durchschnittlicher Salzgehalt 25 S . Von diesen mineralischen Bestandteilen entfallen 34 '< auf Soda-Chlorid, 4—1('< auf Kalium-Chlorid und I ' < auf Magnesium-Bromid. Es sind für mindestens 30 Milliarden Tonnen wertvolle Salze leicht ausbeutbar, allein 1 1 j Milliarden Tonnen Kalium-Chlcrid. Palästina könnte mit den größten Kalibergwerken der Erde erfolgreich konkurieren, umso mehr als eine rationelle und großzügige Gewinnung der Salze durch günstige Vorbedingungen erleichtert wird. Hiezu kommt noch der überaus wertvolle Bromgehalt, Im Oberflächenwasser beträgt er oft über 1-0 Äquivalentprozent. Von einzelnen Forschern wurde beebachtet, daß Strömung und Wellenschlag die chemische Zusammensetzung des Wassers beeinflussen. Weht der Sirocco, so soll merkwürdigerweise der Chlor- und Schwefelsäuregehalt des Wassers zunehmen. Bei Borine oder bei Windstille (Maestro) wurde dagegen eine entgegengesetzte Veränderung der chemischenWasserstruktur bemerkt. Es wäre ein nicht mehr gut zu machender Fehler, wenn die jüdische Kolonisation die reichen, industriellen Chancen, die dasTote Meer uns bietet, unberücksichtigt lassen würde"). Kochsalz wird zwar schon längst ziemlich unbeholfen durch Anlegung von Salzgärten (Salinen) gewonnen. Aber kaum ein Bruchteil der vorhandenen Möglichkeiten wird hiebei ausgenützt. Denn schon Daten hierüber in der Broschüre von Rudolf Seiden: ..Ein muischöpflicher Naturschat.: in Palästina", Wien 1924. Verlag S. Insel.