Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1925)
- Article
- Jam Hamelach, das Salzmeer
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 148 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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148 MENORAH Abb. 2: AUFBAU UND SCHICHTENLAGE¬ RUNG DES DSCHEBEL US DUM (SALZBERG) Aus Schroetter: „Das Tote Meer", Verlag Moritz Perles, Wien Links: Abb. 3: SALZFÄDEN AN DER DECKE DER SALZHÖHLE Aus Schroetter: „Das Tolc Meer", Verlag Moritz Perles, Wien wildromantische Schlucht und Mündung des Arnon. Nach Schroetter sind auch hier vulkanische Kräfte tätig gewesen. Sie haben das Zustandekommen dieser tiefeingeschnittenen, engen Schlucht vorbereitet und dadurch die Sprengung der Schichten ermöglicht. Das feinere Relief wurde dann durch die Erosion, durch das dauernde Wühlen des Wassers herausgearbeitet. (Vergl. Abb. 4, 5 und 6.) Auch die arabische Tradition bringt das Tote Meer in Verbindung mit den biblischen Begebenheiten um Lot. Der Jam hamelach heißt bei ihnen Bahr lut „Lotsee". Den bizarren Felsen, nördlich von El mezra nennen die Araber „Bint schech lut" (Tochter des Scheich Lot). Es geschieht dies offenbar in Anlehnung an die biblische Erzählung von der Frau Lots, die beim Untergange Sodom und Amorahs in eine Salzsäule verwandelt wurde. Im übrigen kann man heute noch auf dem Deschebel us dum (Salzberg) das Entstehen und Sich-Auflösen seltsamer Salzblöcke beobachten, die manchmal in rohen Umrissen an Menschengestalten erinnern.*) — — gleicht einem gewaltigen Gange ohne Nebenkammern. Der Berg ist an dieser Stelle eingesunken; die Schichten erscheinen gebogen, manche steil gestellt; große Blöcke drohen herabzustürzen. Typische Tropfsteinzapfen fehlen zur Zeit. Dagegen hängen da und dort zu Gruppen vereinigt, starre, weiße Salzfäden, mit kugelförmigen Verdickungen versehen, von der mehrfach geborstenen Decke der Höhle herab. (Vergl. Abb. 3.) Das 14. Kapitel des Buches Bereschith erwähnt das Tote Meer (Tal Siddim) als Kriegsschauplatz. Die kleinen kanaanitischen Stadtkönige des Umkreises empörten sich gegen Kedarlaomer, den König von Elam, der zwölf Jahre lang ihr Oberherr gewesen war. Zu den Aufrührern gehörte auch der Stadtherr von Sodom. Damals wohnte dort Lot, der Bruder Awrahams und geriet, als die Stadt von den T ruppen Kedarlaomers eingenommen worden war, in Gefangenschaft. Interessant ist folgendes Detail, das uns von diesen Kämpfen berichtet wird (V. 10.) : „Das Tal Siddim aber war voller Erdharzgruben (Beeroth chemor); und die Könige von Sodom und Arnorah ergriffen die Flucht und fielen dort hinein." Damals muß demnach der Asphalt am Uferrand in kompakteren Mengen gelagert gewesen sein. Heute noch schwimmt im Toten Meere Asphalt in losen Stücken. Flavius Josephus nennt daher den Jam hamelach „Asphaltsee". Zur Zeit Lots ereignete sich auch jene Katastrophe, die Sodom und Arnorah zerstörte. Strabo, der große römische Geograph (gest. 25 nach d. gew. Zeitrech.) berichtet, daß dreizehn Uferstädte im Toten Meere untergegangen seien. Das Buch Bereschith erzählt hierüber (Kap. 19. V. 24f.) : „Da ließ Gott auf Sodom und Arnorah Schwefel und Feuer regnen . . . und zerstörte alle diese Städte und den ganzen Umkreis und alle Bewohner der Städte und das Gewächs des Erdreiches.'4 Diese Katastrophe dürfte vulkanischen Charakter gehabt haben, denn als Awraham von einem Berge „auf Scdom und Arnorah und das ganze Land des Jordankreises hinabblickte, da sah er Rauch aus der Erde aufsteigen, gleich dem Rauche eines Kalkofens". (V. 28.) Vielleicht ist in diesem Zusammenhange auch das Vorkommen der zahlreichen Thermalquellen zu erklären, die in der Nähe des Jordantales, bezw. des Toten Meeres entspringen. Bekannt sind die Quellen von Tiberias (62" C), ferner die von EIhammi im Jarmuktale (34—44° C). *) Auch unmittelbar beim Meeresrand sind am östlichen und am westlichen Ufer häufig Schwefelquellen zu finden. Überaus geschätzt werden von den Beduinen die Quellen von Ain Zerqua und Hammam ez Zara (Kallirhor), die in der'Nähe des Ostufers zu suchen sind. (Vergl. die Karlenskizze Abb. 1 ). Mehr südlich von ihnen liegt die Gustav Hölscher, Landes- und Volkskunde Palästinas, Leipzip, C. J. Göschen'sche Verlagshandlung. Eine ausgezeichnete kurze Abhandlung zur Einführung in die Geographie Palästinas. icn Die nachstehenden Bemerkungen über den p h ysikalisch-chemischen Charakter des Salzmeeres folgen im allgemeinen der ganz ausgezeichneten Arbeit von Dr. Hermann Schroetter, die bereits oben erwähnt wurde. Das Buch enthält außer einer instruktiven Abhandlung zur physikalischen Geographie des Toten Meergebietes auch interessante Aufzeichnungen balneologischer und botanischer Art. Besonders anschaulich sind die photographischen Aufnahmen, welche diesem Buche beigegeben wur- *) Noch viele andere Stellea der Bibel erwähnen in interessantem Zusammenhange das Tote Meer. Es würde zu weit führen, sie alle aufzuzählen. Im Buche Bamidbar (34, 12) bildet das Salzmeer die Cstgrenze des Landes, das Gott den Juden zur ewigen Besitznahme zuweist, Dworim (3, 17) nennt den jam hamelach (hier auch jam ha'arawa, „Meer der Steppe" bezeichnet) als Grenze des Herrschaftsgebietes der Stämme Ruwen und Gad. Dort wird auch der Arnonfluü erwähnt, Im Buche Jehoschua (15,2 u. 5) bestimmt der jam hamelach die Süd- und Ostgrenze des Landstriches, der dem Stamme Juda zugewiesen wird. Bei Joel [2, 20) wird das Tote Meer hajom hakadmoni „Ostmeer" genannt. Abb. 4: DER EINGANG IN DIE ÄRNONSCHLUCI IT Aus Schroetter: „Das Tote Meer", Verla* Moritz Perl.-*, Wien