Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1925)
- Article
- Ein Besuch bei den Juden Hollands
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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100 M E N O R A H INNERES DER GROSSEN SYNAGOGE 1 768 (AMSTERDAM) solcher war z. B. der Besuch der königlichen Familie und der höchsten Würdenträger des Staates in der „Groote Synagoge" am 1. April 1 924. Der feurige Patriotismus der Juden Amsterdams kam da spontan zutage. Es war ein hohes Fest, das nun in einer jüngst erschienenen Denkschrift zur ewigen Erinnerung geschildert wird, die den hochverdienten Sekretär der niederländischen Hauptsynagoge zu Amsterdam Dr. S1 u y s zum Verfasser hat, den wohlunterrichteten Historiographen und Chronisten der Gemeinde, der schon viele kostbare Beiträge zur Geschichte der Amsterdamer Judenschaft geliefert hat, und unermüdlich ist im Durchforschen der Archive und der einschlägigen, reichen Literatur. Er wird bei dieser kulturgeschichtlich wichtigen Arbeit von dem bekannten Bibliographen und Bibliophilen Sigmund Seeligmann unterstützt, dem glücklichen Besitzer eines köstlichen Bücher- und Handschriftenschatzes. Dr. S l u y s hat auch zur Feier des 250jährigen Jubiläums der Gründung der ,,Groote Synagoge" am 20. April 1921 (12. Nisan 5681) eine lesenswerte Denkschrift verfaßt, sowie aus Anlaß des Besuches der königlichen Familie am 1. April I 924 interessante Mitteilungen über den Besuch des Prinzen Wilhelm V. in dieser großen Synagoge am 3. Juni 1768 publiziert. Er ist auch der emsige Sammler der ,,Tekanoth" für Amsterdam und Verfasser einer ganzen Reihe lokalhistorischer Schriften. Außerdem gibt es auch noch einen zweiten hervorragenden Kenner dieses Gebietes Herrn H i 11 e s u m, den gelehrten Bibliothekar der ,,Rosentlialiana", daselbst. Diese ,,Groote Synagoge" steht auf der Jonas Daniel Meyer-Plijn, in welche die Amstelstraat und Rapenbergerstraat münden, die alte Via sacra, in der das Rabbinerseminar steht und woselbst ehedem der berühmte Oberrabbiner Dr. Josef Hirsch- Dünner wohnte, dessen Andenken in ganz Holland unsterblich ist. Jonas Daniel Meyer war einer der größten Söhne dieses Landes, einer der größten Juden seiner Zeit, berühmt durch sein Leben und sein Wirken für das Wohl des Vaterlandes und dessen Juden nicht weniger als durch seine wissenschaftlichen, juridischen Werke. Er lebte von 1780 bis 1850. Sein großer Zeitgenosse war Carl A s s e r, der unerschrockene Verfechter der bürgerlichen Rechte der Juden Hollands, der den Vorbildern Cremieux und Gabriel Riesser folgte. Wie alle Synagogen der Niederlande zeichnet sich auch die „Groote", wie man sie kurz nennt, durch vornehme Einfachheit und Würde aus. Die Frauengalerie ist vergittert. Der „Almemor" (el- Minbar-Bimah) steht in der Mitte. Die heilige Lade ist hoch angebracht. Die Verrückung der Bimah aus dem Zentrum zur heiligen Lade und mit dieser in fast gleicher Höhe gehört mit zu den Fehlgriffen beim Bau neuzeitlicher Synagogen, denen so der Grundcharakter genommen worden ist. Von irgend welchen religiösen Bedenken kann da nicht die Rede sein; die sind trotz der vielen und ernsten Streitigkeiten, die sich an diese Reform knüpften, nicht berechtigt. In den ältesten sepharclischen Synagogen — auch in Amsterdam steht die große „Bimah" rückwärts und es ist noch fraglich, ob sie in der Antike in der Mitte ihren Platz hatte. Die religiösen Zeremonien werden mit großer Feierlichkeil vollzogen; das Herausheben der Thorah und deren Zurückstellen in die Lade sind Akte von pathetischem Gepräge. Die offene Lade ist dem Blicke aller frei, da die Beteiligten alle seitlich Aufstellung nehmen. Die Vorhänge, Thorahmäntel und Thorahzierate sind von großer Pracht und Kostbarkeit. Ich hatte Gelegenheit, eine wundervoll arrangierte Ausstellung der Paramente und Schätze der Amsterdamer Synagogen zu sehen, die von Herrn Dr. D. M. S1 u y s glänzend veranstaltet worden ist gelegentlich einer Kunstwanderung des Amsterdamer Kunstvereines. In den Venvaltungsräumen der Nieuwe Synagoge, die dafür adaptiert worden waren, hingen in Kojen die überwältigend schönen Vorhänge aus alter und neuer Zeit; darunter wahre Prachtstücke von höchstem Kunstwert; mit herrlichen Stickereien in Gold und Silber; reizend angeordnet; in der Mitte jeder Koje Thorahmäntel mit den dazugehörigen, köstlichen Silbergeräten in erdrückender Fülle. In einem großen Saale auf Tischen und in Schränken konnte man die Silber- und Goldschätze bewundern; Kronen und Türmchen, Leuchter und Lampen, Kannen und Schalen, Becken und Krüge, Thorahschmuck und Beschneidesessel. Besonders fielen mir die geradezu monumentalen silbernen Chanukkaleuchter in allen Synagogen auf, die in Manneshöhe emporragen, auf schönen hölzernen Schäften ruhen, so daß beim Entzünden ein Treppchen benützt werden muß oder ein ebenfalls silberner, langer Entzündestab, an dem die Kerze befestigt ist. Auch historische Urkunden, Bücher und illustrierte Handschriften waren zur Schau gestellt, kundig gesammelt von Dr. S] u y s. Unter den Vorhängen besonders auffallend war ein wundervolles Gobelinstück, darstellend die ,.Westwand" des Tempels in Jerusalem, genau nach Photographie, farbig gestickt; eine vor wenigen Jahren gespendete Widmung des Herrn Nardus Davids; dazugehörig schwersilberner Thoraschmuck; Kranz mit den Symbolen; Leuchter und Schaubrottisch und Krone; Tabernakel und Lade mit Cherubimflügeln. Die Übung der religiösen Zeremonien geschieht überhaupt in wirklich ästhetischer Weise und alle Gebrauchsgegenstände sind künstlerisch schön. Die Forderung des Gesetzes, die in dem Worte des Meeresliedes gegeben und aus ihm erschlossen ist: „weanwehu", ,,ich will ihn (Gott) verherrlichen", wird wirklich befolgt. Das gehört un-. streitig mit zur Erhöhung der Andacht. Das Pergament der Thorah- und Estherrollen ist seidenunterlegt; die Megillah in schön ziselierter silberner Kapsel; Pokale, Gewürzbüchsen und Untertassen durchwegs in prachtvoller Silberarbeit ausgeführt. Diesen äußeren ästhetischen Hilfsmitteln entspricht auch die Art des überaus sorgfältigen, korrekten Vortrages der Gebete und Thorahvorlesungen und das Auftreten der Funktionäre. Ich hatte auch Gelegenheit, der Installierung eines jungen Oberrabbiners in der Hauptstadt der Provinz Friesland, L e e u w a r d e n, INNERES DER SYNAGOGE IN FRIESLAND