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Menorah · 1925-04-01 · Heft 4 (April 1925) · p. Seite 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 4 (April 1925)
Article
Von der Chibath Zion (Zionsliebe) des Ramban
Date
1925-04-01
Page
Seite 77 (sequence 2)
Language
German
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M E N O R A H 77 mani hatte zwar eine Abneigung gegen die zu seiner Zeit herrschende Philosophie, es will dies aber nicht bedeuten, daß er — wie so manche behaupten — auf diesem Gebiete unbewandert war. Er schaut allerdings nur mit Geringschätzung auf die Jünger dieser Wissenschaft, -weil sich auch ihnen, wo es sich um wahre Erkenntnis handelt, Zweifel und Rätsel häufen, die sie nicht lösen können. Nachmani war keineswegs der freien Forschung abgeneigt, verlangt auch nicht blinden Glauben; denn — wie er betont — durch eine genauere Prüfung der Religionswahrheit erringen wir eine geläuterte Gotteserkenntnis. Nachmani unterscheidet sich dadurch vorteilhaft von Maimonides, daß er das jüdische Volk nicht durch philosophische Bildung, nicht durch Hinweis auf die Macht des Gedankens, sondern vielmehr durch eine der jüdischen Weltanschauung angepaßte Ethik zu erheben suchte. Nachmani wollte seinem Volk die gesunde Kost des Judentums ohne gnostische Würze vorsetzen.*) War für Maimuni das Judentum ein Kultus des Gedankens, so war es für Nachmani eineReligiondesGefühles und damit ist zum größten Teil sein Hinneigen zur jüdischen geheimen Überlieferung zur Kabala zu erklären. Wir haben hier in kurzer Übersicht ein Bild dieses Mannes zu geben versucht. Nun soll uns eine wesentliche Seite seiner segensreichen Tätigkeit beschäftigen, seine begeisterte Liebe und Arbeit für Erez Israel. Sie wird von den Forschern nicht genug hervorgehoben, seine Auswanderung nach Palästina wurde mit dem Zwange der Zeitverhältnisse erklärt. Dennoch teilte er die begeisterte Liebe für Palästina mit dem vielfach ihm geistesverwandten Jehuda Halevi. Wenn ihm auch nicht die göttliche Gabe zuteil wurde, in Liedern sein Weh über Erez Israel zu beklagen, in seiner sehnsüchtigen Liebe für Erez Israel stand er ihm keineswegs nach. Er verfaßte nicht wie dieser Klagelieder, keine Zicniden, dagegen aber Briefe mit der Aufforderung zur Arbeit für Erez Israel. Er zeigte sich trotz seines Greisenalters auch noch als Mann der Tat und er lebt auch in der Erinnerung des Volkes als Gründer des neuen Jischuw in Palästina. Noch lange bevor Nachmani räch Palästina ausgewandert ist, hat er es nicht unterlassen, seine Brüder an die jüdischen Pflichten, die mit diesem Lande verbunden sind, zu erinnern. In einer seiner früheren Arbeiten, in den Glossen zu Maimunis Sefer ha- Mizwoth, in den bekanntlich die sechshundertdreizehn Gebote und Verbote des Judentums zusammengestellt sind, rechnet der Ramban in Gegensatz zu Maimonides das Gebot der Besiedlung Palästinas als eines der sechshundertdreizehn Gebote des Religionsgesetzes. Das vierte Gebot von dieser Zusammenstellung ist nach Nachmanides: uns wurde befohlen, das Land zu erobern . . . Wir wollen es weder einem der Völker überlassen, noch soll es wüst liegen bleiben . . . Ebenso ist es uns nicht erlaubt, Palästina zu verlassen und in andere Länder auszuwandern. Deshalb heißt es im Talmud (Ketubot 110b): Jeder, der das Land verläßt, um im Auslande zu wohnen, gilt, als ob er Götzendienst betreiben würde . . . Also ist es ein Gebot selbst für die Zukunft und hat auch zur Zeit der Galuth Geltung. Über die Bedeutung dieses Gebotes spricht Ramban in seinen Kommentar zu Nummeri XXXIII, 53 und in seiner Derascha zu Kohelet. Diese Rede ist für uns schon wegen der Überschrift interessant. Sie lautet: „Diese Rede hielt Ramban in der Synagoge in Gerona, als er gelobte, nach Erez Israel auszuwandern." Nach Schwarz hielt der Ramban diese Rede zwischen 1 266—67, zur Zeit als er zur Auswanderung bereits entschlossen war. An einer anderen Stelle sagt Nachmani, daß es schon deswegen unsere Pflicht sei, sich um Erez Israel zu bekümmern, da das Land den Juden seit jeher zugewiesen sei. Wir dürfen sogar nicht auf dieses, unser Recht verzichten. Denn das Land sei das beste auf der ganzen Erdkugel, es bildet den Mittelpunkt der Erde und unterliege direkt der göttlichen Obhut, nicht der Obhut eines Engels oder der Gestirne. Schon deswegen allein sei das Wohnen in Erez Israel dem in anderen Ländern vorzuziehen. Der Grad der Reinheit wäre in diesem Lande viel größer und die Bewohner unterlägen nicht in dem Maße den Ver- *) A. Schwarz, Rahmers Literaturblatt 1873. PLAN VON JERUSALEM AUS DEM ANFANG DES XII. JAHRHUNDERTS Nach: M. E. Chartow, „Voyageurs anciens et modernes" lockungen der Sünde wie außerhalb Palästinas. Darum stände geschrieben (Deut XXXI, 16) : Das Volk wird nachbuhlen den Göttern der Fremden im Lande (Israel). Der Götzendienst sei also etwas Fremdes in Erez Israel. Aus diesem Grunde wäre auch Jakob der Prophetie erst dann teilhaftig geworden, als er den Boden Palästinas betreten hatte. (Levit. XVIII, 25.) Auch was seine physikalischen Eigenschaften anlangt, sei das Land als das geeignetste zu betrachten. Deswegen wird ja auch Erez Israel als die Krone aller Länder bezeichnet. Dieses vorzügliche Land habe der Ewige dem ausgewählten Volke gegeben, aber weil es das ausgezeichnete Land wäre, so seien auch die Pflichten der Bewohner sehr groß. Darum sage die Lehre: Beobachtet alle meine Satzungen und alle meine Vorschriften und tuet dies, daß euch das Land nicht ausspeie, wohin ich euch bringe, um darin zu wohnen (Levit XX, 22), denn Erez Israel vertrage keine Sünder und Freveltaten, wie es etwa im Auslande möglich sei und die Bewohner müßten sittenrein sein. Deshalb sprach auch Jakob zu seinen Söhnen, als sie den Boden Palästinas betreten haben: Schaffet weg die fremden Götter, die unter euch sind (Gen XXXV, 2). Die in Israel wohnen seien denjenigen zu vergleichen, die im königlichen Palast, in der Nähe des Herrn wären; wohl ergehe es denen, die dann die königlichen Gebote befolgen, tausendmal aber wehe denen, die in Gegenwart des Herrschers seine Befehle nicht befolgen. So unterließ es Nachmani nicht, bei jeder Gelegenheit auf die Vorzüge Palästinas und auf die Pflichten gegenüber diesem Lande hinzuweisen. Er warnte davor, mit verschränkten Händen die Erlösung Palästinas abzuwarten. Er selbst hatte daher den Wunsch zur Auswanderung nach Erez Israel nie aus den Augen gelassen und tat dies dann auch freudig, als er ein 73jähriger Greis geworden war. Die Übersiedlung nach 1

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