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Menorah · 1925-03-01 · Heft 3 (März 1925) · p. Seite 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 3 (März 1925)
Article
Jozef Israels in Spanien
Date
1925-03-01
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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56 MENORAH r; JOZEF ISRAELS IM HOF Ölski/.zc Mi-sdaj; Museum, Haag Man wird diese Kundgebungen eines echten, ursprünglichen Malersinnes, die so schlecht zu den herkömmlichen Vorstellungen von Israels stimmen, auch sonst in dem Reisebuche antreffen. Und wird sie, um den Maler besser zu verstehen, aufmerksam verfolgen müssen. Aus dem Nebelbezirk seiner Heimat mit ihrer ruhevollen Landschaft und den bedächtigen Menschen tritt er hier plötzlich ins Helle, in eine Welt des leidenschaftlichen Lebens. Er sieht unter heiterem Himmel die weiß glühende Sonne, daneben die sattesten Schatten und überall festlich aufbrechende Farben. Er ist jung genug, um darüber — trotz seiner weißen Haare — zu jubeln. LTnd wird nicht müde, die Spiele der südlichen Atmosphäre zu beschreiben. Nicht anders hält er es mit dem Greifbaren, das ihm begegnet. Mit der Kirmeß und den Kirchen festen, mit lebendigen Körpern und den Bauwerken von Burgos, Madrid, Cordova und Toledo. Er sieht sie auf seine sehr persönliche Art, frei von gelehrtem Zwang, mit Laune oder mit Liebe. Aber immer sieht er ihre Gebärde. Und schon das führt nun wieder vom Schreiber zum Maler. Denn diese Gebärde, die Sein und Wesen der Dinge und Menschen umfaßt oder — wie er es gern selber nannte — das völlige „Da-Sein" des Dargestellten, das ist ja ein Teil vom Wunder seiner reifsten Werke. Das bringt ihn auch auf allerhand eigene Aufmerksamkeiten, abseits vom Wege der Reisegefährten. Nachdem die ersten außerordentlichen Eindrücke ihre Wirkung getan, kommt er in den fremden Ländern mehr und mehr zu sich selber. Im Museum zu Sevilla, hart neben Murillo, den er nicht recht mag und nur als „Maler der frommen Sanftmut" gelten läßt, entdeckt er für sich Morales, den Maler des Unscheinbaren und des Häßlichen: „Schwarz ist er und grau, die Farbe ist keine Farbe, sondern nur ein Ton van schaurigem Blaugrau — aber welch ein Gefühl, welch ein Charakter! . . . Dein Werk möchte ich wohl in mein kleines Zimmer mitnehmen, ich würde es nicht aufhängen, ich würde es mit der bemalten Seite gegen die Wand stellen. Aber in jenen Augenblicken, wro man am liebsten mit sich selbst allein ist, in Stille nachdenkt und die Welt ringsum vergessen möchte, dann würde ich dein Werk vor mich hinstellen, und es würde mich trösten, einen Geist gefunden zu haben, der mit mir fühlt und denkt — und Leid erhebt zu jenem Geheimnisvollen, das wir Poesie nennen." Man merkt: Schon das ist, in mehrfacher Hinsicht, eine Einkehr bei sich selbst. Dann gerät er einmal — und dieses Beispiel führt auf gleicher Spur noch tiefer — zu Toledo in ein uraltes maurisches Hintergäßchen. „Die Stille war herrlich". Aus der Ferne hörte man das Schreien eines Kindes, das beschwichtigende Singen einer Frauenstimme und ein eigentümliches Ticken, das den Gesang zu begleiten schien. Einige Schritte weiter bot sich das Tableau vivant. „Es war von dem großen Gitterwerk (eines Fensters) umrahmt, wodurch es ein Kniestück wurde, dessen warmen, dunklen Hintergrund die Tiefe des Zimmers bildete." Dicht am Fenster stand, an die Seitenwand gelehnt, eine junge Frau, ein gelbes, geblümtes Tuch über der Brust gekreuzt, eine rote Rose im hochfrisierten schwarzen Haar. Das blasse Kind auf ihrem Arm lehnte sich an ihre Schulter und weinte leise vor sich hin. Sie versuchte es zu trösten, indem sie im Takt des Gesanges den Fächer gegen das Gitter schlug." Es war eine Musik und ein Schauspiel, welches mein Ohr ebenso wie mein Auge reizte; das ruhige tonige Licht, das es umgab, das Klagende und Summende der Töne, die Haltung und Linien der Figuren, alles hatte etwas anheimelnd Rührendes." Es war — in seinem melodischen, malerischen und menschlichen Gehalt — ein Israelsmotiv. Kein Wunder, daß er es mit erregter Hand im Bilde festgehalten hat. Immer wieder begibt sich dasselbe. Immer wieder kommt der Mann, der ausgezogen war, um die Pracht und das Drama des südlichen Lebens zu erfahren, unversehens auf solche schlichte, sanfte Eindrücke, die Sinn und Herz umstricken, auf innere Sensationen. Und ist so immer schon auf jüdischer Spur. Schon als er den Boden Spaniens betrat, hatte er gehofft, irgendwo den „alten Juden mit den hohen Mützen" zu begegnen, die in seiner Phantasie zwischen schwarzen Reitern mit Toledoklingen und weißen Mönchen mit geisternden Fackeln noch fortlebten. Aber erst in Tanger wird sein Wunsch erfüllt. Er war wieder einmal auf eigene Faust davongegangen und stieg nun durch holperige Gassen planlos hinauf. Ein dunkler Raum zieht ihn an, er tritt ein und sieht einen steinernen Brunnen, wie er auf Bildern von Lea und Rachel vorzukommen pflegt. In der Ecke dieses Vorflurs zeigt sich eine Treppe. Er folgt dem unwiderstehlichen Zwange und steht bald auf dem oberen Ende der Treppe, Js^/^\ LJ "^^T T Hühners Schhßhotel Kohenzl - Cafe-Restaurant - Wiens schönster Ausflugsort JS^^JDjLJJ ^LZJJU Herrliche Autostraßen Autoverkehr Grinzing— Kohenzl eigener Regie zu ermäßigten Preisen

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