Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1925)
- Article
- Von den Katzen, die nicht mausen wollten
- Date
- 1925-02-01
- Page
- Seite 48 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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48 M E N O R A H IUI I Hill II IIIIII I Ulli I L Pflegen Sie Ihre Zahne! „GIMBO" Mundwasser, Zahnpasta Z ahnpul ver vrftvmTiiiifiiiifrT.^if ji in in um ift int ■iiiiiaiiiiri iiuiiiiiriiiitifiiiTitiitfiiiiifrfiifiiiifiiffjiitfiiirii n im gefragt, wovon ihr leben werdet, wenn ihr nicht maust?" „Wir fressen doch die Mäuse nicht", bemerkte Hinz vorlaut. ,,Nein, weil wir anderes Futter haben. Aber warum gibt man uns Futter? Weil wir mausen. Wenn wir keine Mäuse mehr fangen wollten, würde man uns nicht mehr füttern und nicht einmal in unserer Bücherei dulden. Dann könnten wir zusehen, wie wir uns weiter helfen würden." ,,In der weiten Welt ist für jeden der Tisch gedeckt", meinte Liese. „Nun genug!" schrie die Katze wütend. „Antreten — oder wehe euch!" Die fünf Jungen rührten sich nicht. Ihre Mutter sprang auf sie los, sie liefen aber alle durch die offene Tür ins Freie und immer vor sich hin, bis die Alte ihre Verfolgung aufgab. Auf einer Wiese neben einem Bauerngehöft machten sie Halt. „Wir fangen ein neues Leben an, ein schöneres, besseres, gerechteres", sagte Miese, als sie ein wenig verschnauft hatten. „Sehr wohl," bemerkte Purr, „aber einstweilen habe ich Hunger und möchte gern meine Vesper haben." „Du denkst aber auch nur immer ans Essen", warf ihm Liese vor. Murr sprang seinem Bruder bei. „Ich will gern für Brüderlichkeit und Gerechtigkeit leben, ich will gern eine Fortschrittskatze sein, aber der Magen will auch das Seinige." „Du hast recht", sagte Miese. „Nur etwas Geduld! Ihr sollt sehen, eurer Tugend wird der Lohn nicht fehlen. Ich habe zu unserer guten Sache Vertrauen. Folgt mir." Sie hatte an der Wiese einen Kornspeicher bemerkt und eilte dahin ihren Geschwistern voran. Durch ein offenes Fenster gelangten sie ohne Schwierigkeit in das Innere. Hier war ein großer Berg Weizen aufgeschüttet, auf dem sich unzählige Mäuse tummelten. Beim plötzlichen Erscheinen der fünf Katzen stoben sie, vor Angst pfeifend, auseinander und verschwanden unter, hinter und in dem Weizenberg, in Mauerlöchern und zwischen dem Dachgebälk. Purr sah ihnen mit blitzenden Augen nach. Murr machte Miene, ihnen nachzustürzen. Hinz hielt ihn jedoch mit einem scharfen: „Miau!" zurück. Miese kletterte langsam auf den Weizenberg und hob, als sie die Spitze erreicht hatte, feierlich an: „Geehrte Mäuse! Liebe Mitgeschöpfe! Ihr habt euch vor uns geflüchtet. Wir begreifen das nach den Erfahrungen, die ihr mit unserm Geschlecht gemacht habt. Wir aber kommen ohne feindliche Absicht zu euch. Wir sind keine Mäusejäger. Wir sind Fortschrittskatzen. Wir beklagen all das Böse, das die Unsrigen euch zugefügt haben, und wollen ihr tausendjähriges Unrecht sühnen. Liebe Mäuse, laßt uns Brüder sein. Wir reichen euch die Freundespfote dar. Nehmt sie an! Schlagt ein! Ein Band der Liebe soll uns künftig einen und gemeinsam wollen wir daran arbeiten, daß es licht werde in der Welt, daß kein unschuldiges Blut mehr fließe, das Katze und Maus einander nach Kräften das kurze Leben verschönen." Während der Rede von Miese hatten viele Mäuse ihre Schnauzenspitzen vorsichtig aus ihren Schlupflöchern herausgesteckt und mit wachsendem Staunen zugehört. Als sie geendet hatte blieb eine Weile alles still. Endlich nahm aber eine alte Maus das Wort. „Ich habe viel erlebt und viel erfahren", sagte sie, „aber solche Reden habe ich aus Katzenmunde nie vernommen. Wenn man dir nur glauben könnte!" „Dein Mißtrauen ist unangebracht", erwiderte Miese. „Weshalb sollten wir Gefühle heucheln, die wir nicht haben?" „Weshalb?" gab die alte Maus zurück. „Um uns zu betören. Um uns in Sicherheit zu wiegen und uns bequem zu fressen, wenn wir so dumm sind, eurem Lockruf zu folgen." „Liebe Brüder", sagte Miese, „ihr tut uns schweres Unrecht. Unser Herz ist voll Liebe zu euch und wir wünschten nur, es böte sich eine Gelegenheit, um es euch anders als mit Worten zu beweisen." Es lag so viel Herzlichkeit in ihrer Stimme, daß es auf die Mäuse doch Eindruck machte. „Sprecht ihr in eurem Namen oder im Namen des ganzen Katzenvolkes?" fragte die alte Maus. „Vorläufig können wir nur in unserem Namen sprechen", antwortete Miese. „Es herrscht bei uns noch viel Vorurteil. Unsere Alten wollen ihre tadelnswerten Gewohnheiten noch nicht lassen. Aber die Jugend ist mit uns. Davon bin ich überzeugt. Die Zukunft ist unser. Wir geben ein Beispiel, das bald alle Unsrigen mit Begeisterung nachahmen werden. Kommt, Brüder, kommt, liebe Mäuse! Laßt euch umarmen! Laßt uns das Fest des Friedens und der Verbrüderung feiern!" Unter den Mäusen begann ein Geflüster und ein Geraune. Einige hatten gute Lust, dem Rufe von Miese zu folgen, andere warnten. Da quiekte plötzlich eine junge Maus: „Ich wage es! Die Brüderlichkeit ist ein so großer Gedanke, daß ich gern mein Leben aufs Spiel setze, um mich zu überzeugen, ob die Fortschrittskatze es ehrlich meint." Und trotz des ängstlichen Piepsens der Zaghaften kam sie entschlossen aus ihrem Loch hervor. (Schluß folgt.) UNSERE FRAGE Auf unsere „Frage" in Nr. I des III. Jahrganges, welcher Mann, Frau oder welches Kind, das in der Bibel vorkommt, unsern jüngsten Lesern am besten gefällt, sind folgende Antworten eingelangt: JESSIE ADLER, Brasov (Rum.) 15 Jahre. Unter allen Männern des allen Testamentes gefällt mir am besten Hiob. Ich schätze an ihm hoch seine Frömmigkeit, sein unerschütterliches Gottverlrauen in Freud und Leid; auch daß er alle Strafen von Gott als verdient aufnahm und nie darüber murrte. Hiob soll uns stets als Vorbild eines gottesfürchtigen Menschen dienen. In jedes frommen Juden Herz mögen Hiobs Worte sich tief einprägen, die er beim Verluste seines Vermögens ausrief: („Nackt bin ich zur Welt gekommen, nackt werde ich von dannen ziehen.") Ja, sogar als Gott ihn mit schwersten und härtesten Schicksalsschlägen belegte, und ihm seine erwachsenen Kinder durch den Tod nahm, da rief er in seinem furchtbaren Seelenschmerze aus. „Gott hat es gegeben, Gott hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobt." LEON FRIEDRICH. Stuttgart. 12 Jahre. Am besten gefällt mir Hiob, warum kommt sogleich: Gott wollte Hiob prüfen. Zu diesem Zweck tötete er seine Kinder, ließ ihn schwer krank werden, und tat noch manches andere an ihm. Aber Hiob ertrug alles schweigend. Er sagte sich: „Ich habe bis jetzt immer Glück gehabt, jetzt habe ich auch einmal Leid, ich vertraue auf Gott". Andre würden Gott geflucht und geschimpft haben. Das ist der Grund. GEORG PAKE, Danzig, 12 Jahre. Mir gefällt, um es vorwegzunehmen, Juda Makkabi am besten; und ich glaube, daß auch viele meiner jüdischen Kameraden, die Ihre „Frage" gelesen haben, an ihn als an den ersten gedacht haben. Besonders der Jugend wird er allezeit als ein leuchtendes Vorbild erscheinen, da er durch Tapferkeit und Heldenmut die Feinde der Juden besiegte und diesen wieder einen Platz unter den übrigen Nationen erkämpfte. So wird sein Name im Buche der jüdischen Geschichte eine würdige Stelle einnehmen. ISIDOR KLIERSFELD, Hamborn (Rhld.) 12 Jahre. Meine Antwort auf Ihre Frage: Moses, der größte Patriarch Israels, der 40 Jahre mit ihnen Not und Elend in der Wüste teilte, ohne daß es ihm vergönnt war, die Früchte seiner Arbeit zu sehen und der dann zufrieden starb, nachdem er wußte, daß Israel glücklich sein würde. Er gab seinem Volke die Thora, durch die der Glaube an einem Gott in Israel festgewurzelt wurde und die eine Hauptstütze in seinem ganzen späteren Dasein wurde. Wir fordern euch auf, auch weiterhin an der Beantwortung unserer Fragen sich rege zu beteiligen. Die schönsten Antworten werden wir mit dem Namen, der Angabe des Alters und Wohnortes des Einsenders oder der Einsenderin veröffentlichen. Gleichzeitig fordern wir euch auf, sich an unserem Preisausschreiben: „Was Kindel verfertigen" rege zu beteiligen. — Schluß der Einsendungen: 1. März._ Herausgeber Dr. NORBERT HOFFMANN, Eigentümer und Verleger HABRITH-VERLAGSGESELLSCHAFT m. b. H., sämtlich Wien. I., Zelinkagas.se 13. Verantwortlicher Redakteur FRIEDRICH MATZNER, Wien, IV., Rainergasse 25; Druck der Waldheim-Eberle A. G. (verantwortl. Leiter: KARL WIELAND), Wien, VII., Seidcngtuwc 3-11.