Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1925)
- Article
- Gilgul
- Date
- 1925-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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40 M E N O R A H Lange fand Naftali keine Spur von Elieser, bis ihm eines Tages von einem Wandersmann die Kunde ward, daß sich ein junger Gelehrter auf den Jahrmärkten aufzuhalten pflege, wo er dem Volke die heilige Lehre predige. „Die armen Juden nennen ihn Rabbi, doch niemand weiß zu sagen, woher er stammt und wie sein Name ist", berichtete der Mann. „Er ist sehr gelehrt und ganze Abschnitte des Talmud und der Kabbala sagt er auswendig her. Er ist zum Skelett abgemagert, aber seine Augen leuchten wie glühende Kohlen. Fragt nur beim wandernden Volke nach, und Ihr werdet ihn finden.44 Naftali war überzeugt, daß der junge Gelehrte nur Elieser sein konnte, und er versäumte keinen Jahrmarkt in Pokutien. Es war auf dem Jahrmarkt in Ulaschkovvce. Der ungeheure Platz war voll von Menschen und allerhand Haustieren. In langer Reihe standen die Zelte der Kaufleute aus dem Orient, die kost- „So habe ich dich wiedergefunden, Elieser." Als Elieser seinen Namen hörte, ging ein Zittern durch seinen Körper und ihm war, als wenn eine dunkle Wand vor seinen Augen hinweggeschoben worden wäre. Fest hielt er die Hand Naftalis umklammert und sprach lange kein Wort. Alles, was er bisher erlebt hatte, stand mit einem Male ganz deutlich vor ihm. Nach langer Zeit umspielte ein Lächeln seine Lippen, und er sprach: „Ich habe lange geschlafen, Naftali. Wie gut, daß du mich geweckt hast. Ich wußte nichts von mir, und nun sehe ich alles wieder wie zuvor. Es ist ein Zeichen, und nahe ist mir der große Tag . . ." „Willst du jetzt mit mir gehen, Elieser?" sagte Naftali. „Reb Joel will wie ein Vater für dich sorgen. In seinem Hause wirst du aufleben, und du kannst dich weiter der heiligen Lehre widmen." Moritz Oppenheim BILDER AUS DEM JÜDISCHEN FAMILIENLEBEN bare Stoffe feilboten. Auf großen Tischen hatten die Pelzhändler ihre Waren ausgebreitet. Daneben standen die Korallenhändler, die Leinwandverkäufer und die Händler mit allerhand Pretiosen. Naftali bahnte sich einen Weg durch das Getümmel, doch plötzlich hemmte er seinen Schritt, denn er hörte eine Stimme, die ihm wohlbekannt war, einen Abschnitt aus der Mischna vortragen. Es war Elieser. Naftali stürmte vorwärts und seine Augen suchten den Freund, doch Armenier mit ihren Pferden verstellten ihm den Weg. Endlich gelangte Naftali zu einer Bude, und da gewahrte er Elieser, der zu einer Versammlung von Juden sprach. Als Elieser mit seinem Vortrag zu Ende war, erhob sich ein anderer Jude, der den anderen aus der Hand weissagte und verschiedene Kartenkunststücke zeigte, während ein Dritter mit dem Blechteller einsammeln ging. Betroffen blickte Naftali auf die Gesellschaft, in der sich Elieser befand, und ein tiefes Mitleid mit dem Freund erfüllte ihn. Als sich die Menge endlich verlief, und Elieser allein und unbeachtet neben dem Tische saß, näherte sich ihm Naftali, legte ihm die Hand auf die Schulter und sprach: Elieser schüttelte aber verneinend den Kopf. „Was soll ich bei ihm?" fragte er. „Er hat genug Unglück durch mich erfahren.44 „Du bist auf dem unrechten Weg, Elieser", sprach Naftali ernst. „Ist dein Patz unter Gauklern? Suchst du nicht Erleuchtung durch die Lehre. Komm mit mir, denn du gehörst nicht zu diesen Leuten.'4 „Es ist gleich, wo man sich aufhält", erwiderte Elieser. „Der Kummer begleitet einen überallhin. Diese Leute haben für mich gesorgt, als ich hilflos war, und bei ihnen ist jetzt mein Platz, bis mir ein anderes Ziel erscheint." „Und darf ich mit dir gehen?" fragte Naftali nach kurzem Besinnen, da er einsah, daß er den Freund nicht gleich umstimmen konnte. „Ich wagte dich nicht um diesen Freundschaftsdienst zu bitten", sprach Elieser. „Dann bleiben wir beisammen. Ich bin überzeugt, daß wir bald unseren eigenen Weg gehen", sagte Naftali und schickte eine Botschaft zu Reb Joel, daß er Elieser am Leben gefunden und eine Zeitlang mit ihm in der Fremde bleiben müsse. fs^JD La1 ^7 T Hühners Schloßkotel KolenzJ - Cafe-Restaurant - Wiens schönster Ausflugsort J^\^JDJjjJy*jL/JU Herrliche Autostraßen Autoverkehr Grinzing— Kohenzl eigener Regie zu ermäßigten Preisen