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Menorah · 1925-02-01 · Heft 2 (Februar 1925) · p. Seite 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 2 (Februar 1925)
Article
Gilgul
Date
1925-02-01
Page
Seite 41 (sequence 3)
Language
German
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M E N O i Moritz Oppenheim JAMES VON ROTHSCHILD Mit Erlaubnis der Frankfurter Vcrlagr-sanstalt A. G. „Beantworte mir noch eine Frage", sagte Elieser, bevor sie sich am Abend zur Ruhe begaben. „Hältst du es für möglich, daß der Bai Schern in der letzten Zeit im Gebirge geweilt haben konnte?" „Möglich ist es schon, er kommt viel im Lande umher", erwiderte Naftali. Elieser schwieg. Er konnte sich nicht entschließen, dem Freunde mitzuteilen, was er in jener Nacht in der Gebirgshütte erlebt hatte. So blieb Naftali bei den wandernden Leuten, deren Freundschaft er sich durch kleine Geschenke zu erwerben verstand, und sie zogen von Ort zu Ort und fanden viel Zulauf unter den armen Juden, die auf das heilige Wort, das Elieser predigte, mit großer Andacht lauschten. XXIX Es war in den ersten Tagen des Monats Ab. Die Tage waren glühend heiß und kein Lüftchen regte sich. Wenn die Sonne sank, saßen die Leute noch im Freien, um sich an der Abendluft zu erfrischen. Eines Nachts gingen Elieser und Naftali bei hellem Mondschein vor die Stadt hinaus. Da kam ihnen ein Baudwagen entgegen, in dem einige Juden saßen. Ein Mann neigte sich aus dem Wagen und fragte sie nach der nächsten Herberge. Elieser gab ihm Bescheid, doch der Mann sprach: „Wollt Ihr nicht mit uns ins Städtchen, um uns die Herberge zu zeigen?" Die Freunde waren hiezu bereit und sie fuhren mit den Männern in die Stadt. Als diese Quartier gefunden hatten, baten sie die jungen Leute, noch ein wenig bei ihnen zu verweilen und nun kamen sie auf den Zweck ihrer Reise zu sprechen. „Chassidim sind wir", sprach der Älteste. „Wir wohnen an der Grenze und sind noch nicht viel herumgekommen. Da drang vor einigen Tagen die Kunde zu uns, daß sich Vertreter aller chassidischen Gemeinden zur Verbreitung unserer Lehre in Brody zusammenfinden sollen. So machten auch wir uns auf den Weg, denn keiner von uns hat den heiligen Bai Schern von Angesicht gesehen". (Fortsetzung folgt.) RAH 41 ALLTAG IN ZION Notizen aus meinem Tagebuch VON WOLFGANG WEISL Copyright 1924, by Habritl. Verlag Vienna Nachdruck vcr|,oU„. DIE RELIGIÖSE FRAGE Es soll endlich einmal gesagt werden: Die vielberufene Irreligiosität der Arbeiterschaft Palästinas — richtiger eines sehr großen und seelisch wertvollen Teiles, aber doch nur „Teiles" der Arbeiterschaft — ist nicht einfach Irleligiosität, sondern mehr und schlimmeres: Bei manchen Arbeitern ist es Feindschaft, bei manchen Verachtung, bei manchen — bei vielen — ist es Angst, bittere und ehrliche Angst um die Aufrechterhaltung nationaler Prinzipien, die von der Arbeiterschaft in den letzten Jahren zum Sieg geführt worden sind. Klarer formuliert: ich habe den Eindruck gewonnen, in zahllosen Gesprächen und leidenschaftlichen Diskussionen mit ehrlichen, selbstlosen, oft ganz vorurteilslosen Arbeitern, daß diese der jüdischen Religion, dem jüdischen Gesetz das zum Vorwurf machen, was sie den gesetzestreu lebenden palästinensischen Juden als antinational verübeln. „Der religiöse Jude", so kann man die immer wiederkehrenden Klagen zusammenfassen, „will nicht hebräisch sprechen, er will nicht am Land arbeiten, als Arbeitgeber verwendet er, wo er kann, arabische Arbeiter und vom rein religiösen Standpunkt aus, er verwendet den Schabbesgoj. E,r zerbricht unter dem Schutz der Religiosität das Prinzip des jüdischen Palästina, er betrügt Gott und nennt dies religiöse Pflicht." DER SCHABBESGOJ IN PALÄSTINA Es war Gordon, vielleicht der klügste und energischeste zionistische Beamte Palästinas, der mir gegenüber diese Frage so formuliert hat: „Der Kampf um Palästina, der Kampf um das neue Judentum, der Kampf um neue Religiosität — es ist der Kampf gegen den Schabbesgoj." Man versteht: der Arbeiter empört sich nicht dagegen, daß in irgend einem Haus ein Araber oder ein Christ Diener ist und am Sabbat die Lampe auslöscht . . . nicht um den Einzellall handelt es sich ihm, sondern um das Prinzip, daß es Juden gibt, welche es für eine religiöse Pflicht halten, einen „Goj" in Dienst zu nehmen — und sei es auch nur für den Bruchteil einer Stunde — damit er Arbeiten verrichte, die dem gesetzestreuen Juden zu verrichten verboten sind, die er aber doch nicht lassen will. Nicht einer, nein, hunderte von Arbeitern waren es, die mir — als ich ihnen wegen ihres unjüdischen Lebens Vorhalte machte — antworteten: „Solange die orthodoxen Juden Gotteslästerung treiben, indem sie im Namen des jüdischen Gesetzes behaupten, Israel könne nicht ohne Fremde und ohne fremde Arbeit in seinem Lande leben, hast du nicht das Recht, von uns zu verlangen, daß wir auf jener Gefühle Rücksicht nehmen sollen." Ich will hier nicht Stellung zu diesem höchst verwickelten Streit nehmen. Ich glaube, bei ehrlichen Menschen läßt er sich sehr leicht auf der strengen Grundlage des Gesetzes lösen. „Man muß nicht" — das ist nämlich das Zauberwort, das viele Hindernisse aus der Welt schafft. Ich hatte keine Ahnung, wie klein und kleinmütig viele unserer gesetzestreuen Brüder seien, ehe ich nicht begonnen habe, den Kampf gegen den Schabbesgoj unter ihnen zu predigen. „Wer soll denn am Schabbes die Lampen auslöschen?" fragte mich eine Rabbinersgattin entrüstet. (NB. in der Slowakei.) „Man muß nicht", war meine Antwort. „Laß die Lampe im Nachbarzimmer brennen und zieh dich im dunklen Zimmer aus, dann mach die Türe zu." — Aber das ist doch umständlich, ein Schabbesgoj ist doch bequemer . . . „Wer soll am Schabbes heizen, wenn es kalt ist?" fragt man mich oft. „Man muß nicht." Man kann den Petroleumofen vor Schabbes anzünden und er hält dann schon über Nacht warm. Und wenn man schon wirklich am nächsten Morgen etwas frieren

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