Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1925)
- Article
- Der Kampf um den Besitz Palästinas in ältester Zeit
- Date
- 1925-02-01
- Page
- Seite 30 (sequence 4)
- Language
- German
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30 MENORAH gelegentliche Raubzüge nach Paläslina und Syrien, ohne daß ihnen indessen die Niederwerfung der Heriuscha geglückt wäre. Dieser Mißerfolg ist aus der berühmten Erzählung des Sinuhe erwiesen, der wir im übrigen auch mancherlei Mitteilungen über friedliche Beziehungen zwischen beiden Ländern verdanken. Die Erzählung spielt in der Zeit Sesostris I., ist aber wohl erst am Ende der 12. Dynastie (ca. 1780) verlaßt. Der Autor ist unbekannt. Sie erfreute sich bei den Ägyptern des Mittleren und Neuen Reiches großer Beliebtheit. Wurde sie doch, auf Scherben oder Steinsplitter geschrieben, den Toten zu ihrer Unterhaltung im Jenseits ins Grab mitgegeben. Sinuhe war, wie wir erfahren, eine am Hefe bekannte Persönlichkeit. E.inst begleitete er als Gefolgsmann den Kronprinzen Sesostris nach Lybien. Hier erfuhr er bei zufälliger Anwesenheit im Zelte des Sesostris den Tod des alten Königs Amenemhet 1. Während Sesostris sofort zur Sicherung seines Thrones in die Heimat eilte, entfleh Sinuhe nach Asien, weil er sich bei den voraussichtlichen Wirren aus irgend welchen Gründen seines Lebens nicht sicher fühlte. Nach einer an Entbehrungen reichen Wanderung kam er über Byblos, der phönizischen Hafenstadt, nach „Kedem", dem Wüstengebiet östlich von Damaskus. Hier blieb er anderthalb Jahre, bis der Fürst Ammi-cnschi von Obcr- Retenu, dem palästinensischen Bergland, ihn auf lange Zeit für sich gewann. Er gab ihm seine Tochter zur Frau, wies ihm eine an Vieh, Getreide, Obst und Wein reiche Landschaft als Eigensitz an und machte ihn zu seinem Heerführer. Sinuhe zeigte sich der Gaben und Ehren wert und rechtfertigte durch hervorragende Kriegstaten das Vertrauen, das Ammi-enschi auf ihn gesetzt hatte. Je älter er aber wurde, desto mehr sehnte er sich nach der Heimat zurück. Da kam ihm ein Handschreiben seines Königs Sesostris sehr gelegen, in dem er zurückzukehren gebeten wurde, damit nicht Asiaten ihn bestatten und in ein Schaffell hüllen. Sinuhe sah sein Vaterland wieder und lebte dort „vom König geehrt, bis der Tag des Abschiedens herankam". Vgl. Greßmann a. a. O. I., 210.) So spannend Sinuhes Lebensroman ist, der hier nur in kurzem Umriß wiedergegeben sei, bedeutsamer ist für uns, was wir aus ihm über die Verhältnisse Palästinas erfahren oder folgern dürfen. Es ist zunächst ohne Zweifel, daß Palästina um 2000 von der Sinaihalbinsel anbishochimNordenvonSemitenbesetztwar. Sind doch Bezeichnungen wie „Kedem" (vgl. hebräisch Kedem Osten) und Ammi-enschi (vgl. hebräisch am — Volk, isch Mann) semitisches Sprachgut. Wenn Sinuhe „von einem Land zum andern" weitergegeben wurde, so hat es offenbar einen Staatenbund und eine Zentralregierung nicht gegeben. Vielmehr lebten die Stämme miteinander, um der Weideplätze und Brunnen wegen, in dauernder Fehde und suchten ihr Gebiet auf Kosten der Nachbarn zu vergrößern. Ihre Raubzüge dehnten sich sehr weit aus und wurden zumal den Ägyptern gefährlich. Diese hatten deshalb ein Sperrfort — Fürstenmauer genannt — errichtet, um „die Beduinen fernzuhalten und die Sandwanderer abzuwehren". Auf der Mauer war eine Grenzwache stationiert, die jeden Passanten anhielt. Sinuhe hatte daher auf seiner Flucht greße Serge, unbemerkt an ihr vorbeizukommen. „Ich duckte mich nieder in einem Gebüsch," so erzählt er, „aus Furcht, die Wache auf der Mauer, die gerade Dienst hatte, möchte mich sehen." Wenn ferner Ammi-enschi das Ansinnen Sinuhes scharf ablehnte, eine Huldigungsgesandtschaft an den neuen Pharao zu senden, so ist erwiesen, daß von ägyptischer Herrschaft in Palästina um das Jahr 2000 n i ch t die Rede sein kann. Gleichwohl waren die gegenseitigen politischen Beziehungen nicht ausschließlich feindliche. Es gab einen regelmäßigen Botendienst über Syrien und Palästina nach und von Ägypten. Sinuhe fand, als er entwichen war, nicht weit von der Grenze einen freundlichen Beduinenfürsten, der in Ägypten gewesen war. (Vgl. auch die Wanderung des Stammvaters Abraham von Kanaan nach Ägypten. 1. Buch Moses, Kap. 1 2, Vers 1 0.) Anderseits hatten sich schon vor seiner Ankunft Ägypter bei Ammi-enschi aufgehalten. Dieser gedenkt mit warmen Worten des vor kurzem verstorbenen Amenemhet I., rühmt überhaupt Ägypten, dessen Sprache in Retenu nicht unbekannt sei. Die politische Entspannung förderte den Handelsverkehr. Wenn Amenemhet I. auf dem Nil eine Flotte von Zedernschiffen besaß, so war das Bauholz offenbar aus Byblos bezogen. Ein anderes Zeugnis für einen friedlichen Verkehr zwischen beiden Ländern besitzen wir aus der Zeit Sesostris II. (um 1900— 1887): unter Führung des Scheichs Abscha kamen 37 Beduinen und brachten Augenschminke als Handelsware. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Ägypten wußte sich durch die rastlose Arbeit der ersten Herrscher der 12. Dynastie genugsam erstarkt, um einen wuchtigen Schlag gegen die „Asiaten" zu wagen, die es an der Nordgrenze unaufhörlich bedrohten. Sesostris III. (1887—1849) unternahm einen gewaltigen Kriegszug gegen sie, den einzigen, von dem wir aus der Zeit des Mittleren Reiches Kunde haben. Der Verlauf ist uns auf einem Denkstein überliefert, den Sebek-chu, ein General Sesostris III., in Abydos errichtet hat. Um die Quelle gleichsam zu verstopfen, aus der die Scharen der Feinde immer wieder hervorfluteten, drangen die Ägypter, wie einst unter Pepi I., in das eigentliche Palästina hinein bis hinauf nach Syrien, das voller Ingrimm und verächtlich ein „elendes Land" genannt wird. Die Asiaten wurden besiegt. Mit selbstbewußtem Stolz erzählt Sebek-chu, wie der König ihn belohnt habe: „Er gab mir einen Stab aus Silbergold in meine Hand, einen Bogen und einen mit Sübergold verzierten Dolch, dazu noch seine (eines gefangenen Asiaten) Waffen." Dieser Sieg verschaffte für lange Zeit Ruhe. Auf der Sinaihalbinsel waren ständige Brunnen, Zisternen, Baracken für die Arbeiter, Häuser für die Beamten und Befestigungen gegen die plündernden Beduinen eine unerläßliche Notwendigkeit. Einiges hievon hatten schon frühere Könige, besonders Sesostris I., eingerichtet, aber erst jetzt konnten diese Anlagen mit gewisser Sicherheit für die Zukunft und in größerem Umfange ausgeführt werden. Amenemhet III. (1849—1801), der Sohn und Nachfolger Sesostris III., machte die Station Sarbut el Chadem zu einer wirklich brauchbaren Kolonie für die Minenarbeiter, so daß sich aus den bisher unregelmäßigen Unternehmungen auf der Halbinsel eine dauernde Industrie entwickelte, die der königlichen Schatzkammer alljährlich einen großen Ertrag brachte. Über die Sinaihalbinsel hinaus im eigendichen Palästina festen Fuß zu fassen, gelang Ägypten trotz vielfacher Versuche zunächst nicht. Hier übten die Babylonier ununterbrochen, wenn auch nicht immer mit großem Nachdruck, die Herrschaft aus. Eine nachhaltige Änderung dieser Machtverhältnisse wurde letzten Endes durch eine Völkerbewegung herbeigeführt. Durch das Vordringen der H e t i t e r, die im 1 8. Jahrhunderl in Babylonien einströmten und sich allenthalben in Vorderasien festsetzten, war eine sich weiter und weiter fortpflanzende Völkerbewegung entstanden, die sich von Osten her über Syrien und Palästina bis nach Ägypten ausbreitete. So machten etwa um 1700 die nichtsemitischen Kassiten, aus dem Gebiete östlich des Tigris hervorbrechend, erfolgreiche Einfälle in Babylonien, in dessen Besitz sie seitdem fast 600 Jahre blieben. Etwa um dieselbe Zeit traten die westlichsten semitischen Beduinen — Hyksos, d. h. Hirtenkönige genannt — nach Ägypten über. Der Verfall des Mittleren Reiches und der Mangel einer straffen Zentralregierung machte es ihnen leicht, die Herrschaft an sich zu reißen. Sie dauerte von etwa 1680—1580. Als Residenz wählten sie nicht die bisherige Hauptstadt Theben in Unter-Ägypten, sondern Awaris im östlichsten Delta, denn von hier aus konnten sie ihre asiatischen Besitzungen besser im Zaum halten. Zweifellos bildeten Syrien und Palästina einen Teil ihresReiches. Mit ihrer Herrschaft ging es indessen zu Ende, sobald das Nationalgefühl der einheimischen Ägypter wieder er- HUBNERS KURSALON-RESTAURANT S TÄGLICH 5-UHR-TEE MIT TANZ. 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