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Menorah · 1925-01-01 · Heft 1 (Januar 1925) · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
3 (1925)
Issue
Heft 1 (Januar 1925)
Article
Das Weib des Akiba
Date
1925-01-01
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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M E N O R A H 15 AKIBA: Ich könnte auch darüber lachen; aber in Wahrheit habe ich gelacht, weil du das ein hohes Lob nennst. JALTHA: Wenn es etwas andres war, (Akiba lacht wieder, worauf Jaliha erregter, fad zornig fortfahrt:) wenn es etwas andres war, was gab es dann zum Lachen? AKIBA: Erzürne dich nicht, Jaltha. Wenn der große und reiche Kalba Sabua zu dem Knecht seiner Felder und Herden — du siehst mich immer noch zornig an? lALTHA: Ich habe nicht gewußt, daß Akiba ben Joseph sich hält wie ein gekaufter Sklave. (Sie wendet sich, um ins Haus zurückzugehen; Ak'iba bleibt nur einen Augenblick stehen, dann gehl er wieder zu seinem Geschäft. Aber Jaliha hat sich anders besonnen und dreht sich in der Tür um.) JALTHA: Akiba! AKIBA: Was befiehlt die Herrin? JALTHA: Wenn du nicht willst, daß ich fortan deiner nur so achte wie eines gekauften Sklaven, so sage mir, warum auf deiner Stirn und in deinen Augen, in deinen Lippen und in deinem Nacken über meines Vaters Wort nicht Groll noch Scham zu finden war. AKIBA: Hast du nicht gesehen, daß Benjamin, dein jüngster Bruder, gerne zu mir kommt, mit mir zu spielen und sich an mir zu ärgern? Wenn ich wäre wie er, so würde er nicht kommen und meine Spuren suchen. Er ist ein Knabe, und ich bin ein Mann mit einem Bart. Nun, nun, geh nicht wieder weg im Zorn! JALTHA: Ich will mich auf die Steinbank setzen, und du sollst mir Rede stehen. (Sie setzt sich auf die Banl(, Akiba folgt ihr und bleibt in einiger Entfernung von ihr, aber etwas aufmerksamer als bisher, stehen.) Du läßt den Knaben mit dir spielen und hörst den Spott aus dem Munde deines Herrn mit Gleichmut — AKIBA: Und auch von der Tochter meines Herrn laß ich mich auszanken, ich weiß nicht warum, und sie weiß nicht, warum. lALTHA (betroffen): Ich spreche nicht wie mein Bruder und nicht wie mein Vater zu dir, und du weißt es, — und darum wehrst du dich gegen mich. Ich aber wundere mich, daß du dich gegen das Kind und gegen den Meister nicht wehrst. AKIBA (sich unwillkürlich, aber in unverminderter Heiterkeit, in die Schultern reckend): Wenn die Mauern des Weinbergs fest sind, Jaltha, sollen sie noch schlagen gegen den Stein, den der Spülregen abgelöst hat vom Fels und gegen ihre Füße schwemmt? JALTHA: Die Weinbergmauern umhegen den Weinstock, der Blätter und Blüten treibt zu seiner Zeit und die Traube und den Honig trägt. (Sie steht zornig auf.) AKIBA (prüft sie mit den Blicken): Und die Herrin meint: was ist eine Mauer, die ein leeres, totes Feld einhegt? Das ist schon so. JALTHA: Ich bin es gewesen, die dich gehört hat den Knaben zurechtweisen mit den Worten eines großen Lehrers in Israel. Und ich habe mich gewundert und habe es meinem Vater gesagt, daß er einen Knecht hat, aus dessen Mund mehr ausgeht als „hü" zu den Maultieren und. Eseln. AKIBA: Ich meine, du hättest dich wundern sollen, daß ein berühmter Lehrer in Israel berühmt wegen eines Wortes ist, das überall wachsen kann wie die Blumen nach dem ersten Regen. Es war mir leicht zu reden wie Rabbi Jochanan ben Sakkai; aber ihm würde es schwer geworden sein, „hü" zu sagen wie Akiba ben Joseph. JALTHA: Wie Benjamin sagt, du bist ein Wilder vom Feld, du sprichst leichtfertig von den heiligen Dingen. Ein solcher aber achtet seine eigene Seele nicht und hat keinen Stolz, und wenn sein Meister ihn vergleicht einem unreinen Tier, so lacht er wie ein Narr. AKIBA (sanft): Ich habe erst gelacht zu dir, Jaitha; zu deinem Vater habe ich nicht gelacht, — und habe mich auch nicht erzürnt und habe an ihn gedacht, wie ich immer an ihn denke. JALTHA: Und nun sollst du mir endlich sagen, warum du alle Worte meines Vaters aufnimmst ohne Murren und ohne Abwehr. AKIBA: Geziemt es nicht so dem treuen Knecht? JALTHA: Am Sabbatabend hörst auch du auf, ein Knecht zu sein. AKIBA: Am Sabbatende fange ich wieder an damit. MARC CHAGALL IN DER SYNAGOGE JALTHA: Ich will wissen, warum du auf dem Hof bleibst, wo man dich kränkt und wo man auch über dein Gutes noch spottet. AKIBA: Über mein Gutes spottet man nicht; über mein Hü zu den Maultieren und meine Pflugfurche im Acker und mein Worfeln des Weizens und mein Treten der Kelter spottet man nicht, und ich bin der oberste von allen Knechten Kalba Sabuas. Dieser aber ist ein reicher Mann. JALTHA: Er ist nicht reich, weil er Felder und Weinberge hat, reine Kleider und große Herden, sondern weil er nach den Gesetzen der Lehre wandelt und in ihr forscht und lernt bei grauen Haaren. Du aber hassest ja alle, die solches tun, und lachst ihrer. AKIBA: Kalba Sabua ist ein reicher Mann, weil er — (er zögert und sieht sie an; man merkt, daß sie von einer Erwartung erschüttert ist). JALTHA: Warum nennst du ihn reich? AKIBA: Weil es ihm vergönnt war, mit zwei andern seiner Art, er allein und nur zwei andere noch, die heilige Stadt Jerusalem, als der Römer, der Bösewicht, sie bedrängte, und sie hungerte und dürstete, und ihre Kraft wurde schwach, und sie konnte sich des Widersachers nicht erwehren, er aber, Kalba Sabua, war so reich, daß er Öl und Wein und Weizen in die Stadt schicken konnte für die vielen Tausende, und sie konnten essen und trinken und faßten Mut und wehrten sich. JALTHA (nach einer Pause der Ergriffenheit): Sie wurden stark von der Speise und von dem Trank, so wurden sie getötet in ihrer Kraft, und ihr Blut strömte in Strömen durch die Gassen. Genuesen wird meines Vaters Andenken sein in Israel eine kleine Weile, und dann wird er vergessen. Aber Jochanan ben Sakkai hat uns alle, die wir zum Untergang geweiht waren, gcretiet mit anderem öl und anderem Weizen. AKIBA: Wie magst du sagen, er hat uns gerettet? Sind wir nicht alle gänzlich verloren? Herrscht nicht der Römer im Land und nimmt Zins und Steuer auf unsern Kopf? Ist nicht der Tempel zerstört und die Burg verwüstet? Wen hat er gerettet? Er, der so weise ist wie deines Vaters Knecht. JALTHA: Fr hat die Lehre gerettet, das ewige Wort. AKIBA: War es nötin; zu retten, was ewig ist? (Mit e'nem i'lötzlichen Zorn:) Er ist hingetreten vor Vespasian; als Toter hat er sich aus der brennenden Stadt tragen lassen von seinen

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