Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1924)
- Article
- Die Menorah des Tempels
- Date
- 1924-12-01
- Page
- Seite 4 (sequence 2)
- Language
- German
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4 MENORAH dein erweckt werden sollten. Übrigens ist auch der grünende Stab Aarons in der biblischen Erzählung eines Mandelbaumes Zweig. Zerubabels Tempel (der zweite) enthielt nur einen Leuchter, wie Sirach XXVI. 122 ausdrücklich feststellt. Antiochus Epiphanes hat diesen Leuchter 169 v. d. Z. weggenommen und zerbrochen (I. Makkab. I./22), Jehudah Makkabi stellte ihn drei Jahre später wieder her (IV./49). —- Zur Erinnerung an diese N e u w e i h e des Hauses feiern w i r noch heute das Chanukkafest, und zum Gedächtnis des ö 1w undersbei der Wiederentzündung des Leuchters entzünden wir unsere C han ukkamenorah acht Tage lang. Den Leuchter der Makkabäerzeit sah Pompejus noch im Heiligtum, wie ,,Josephus" in seinen „Jüdischen Altertümern" XIV./4, § 4 berichtet. Daß sich der Leuchter noch im Heiligtum des Herodianischen Tempelkomplexes (des dritten) vorfand, bezeugt „Josephus" in seinem Werk „Geschichte des jüdischen Krieges" V./5, § 5. Eine Abbildung des siebenarmigen Leuchters befindet sich auf dem bekannten Triumphbogen, den Titus nach seinem Sieg über Jerusalem (im Jahre 70) errichtete. Auf einem der Reliefs ist die Einbringung der Tempelgeräte im Triuniphzug dargestellt, und unter diesen befindet sich auch ein siebenarmiger Leuchter. Soweit die Rekonstruktion dieser schlecht erhaltenen Darstellung überhaupt ein sicheres Urteil gestattet, ist an diesem Werk das Bemerkenswerteste, daß es in seinem allgemeinen Aufbau noch ganz der biblischen Beschreibung entspricht. Von einem Unterbau wird ein Mittelschaft getragen, von dem nach zwei Seiten je drei Arme ausgehen, die alle mit blütenartigen Verzierungen geschmückt sind. Dagegen zeigen die Dekorationen des Sockels und des Knaufes, zwischen dem Sockel und den untersten Seitenarmen, durchaus den Stil der römischen Kaiserzeit. Besonders die Adler und die drachenartigen Tiere an den Sockelreliefs sind der jüdischen Anschauung der Makkabäerzeit so fremd, daß ihre Anbringung an einem Tempelgerät nicht ohne Widerspruch in der Literatur hätten bleiben können. Ob es sich also wirklich um den Leuchter des Jehudah Makkabi oder vielleicht um denjenigen, der von Herodes bei seiner Erneuerung des Heiligtums an die Stelle des makkabäischen Leuchters gesetzt wurde, handelt, wäre zu erwägen. Von Herodes wissen wir auch aus der Literatur, daß er sich, zum Entsetzen seiner Untertanen, nicht scheute, heidnische Embleme am Tempel anzubringen, und seine Prunksucht hätte rungen erkennen. Auf anderen Münzen kann man nicht einmal deutlich zwischen einem Baum und einem Leuchter unterscheiden, so daß die Münzen kein geeignetes Vergleichsmaterial für die exakte Beschreibung der Menorah des Tempels abgeben. Der letzte Leuchter des Tempels ist untergegangen — wenn auch die Sage, daß ihn die „böse n" Vandalen bei der Zerstörung Roms vernichtet haben, noch der Begründung bedürfte — und aus den vorhandenen Abbildungen und Beschreibungen wer- GRABSTEIN AUS MILET Mit Genehmigungdes Kaiser Fri<-dric],-Muscums (Berlin) den wir kein klares Bild von seiner Gestalt erhalten. Bekanntlich war es verboten, diesen siebenarmigen Leuchter für rituelle Zwecke 7.u kopieren, nur fünf-, sechs- oder achtarmige Leuchter durften an seiner Stelle gefertigt werden; ein Verbot (Men. 28 b), das sich übrigens auch auf alle anderen Geräte des Stiftszeltes und der Tempel bezieht. Eine Kopie dürfte sich also auch nicht mehr finden, daß der Leuchter aber die Phantasie des jüdischen Volkes immer wieder beschäftigte, beweisen neben den literarischen Quellen zahlreiche Darstellungen aus der Zeit nach der Vernich- GRABSTEIN AUS DER VIGUA RANDAN1NI Mit Genehmigungdes Kaiser Friedrich-Museums (Berlin) auch zu einer reicheren Verzierung des heiligen Leuchters Anlaß geben können. Es kann sich bei dem fraglichen Bildschmuck auch um eine freie Zutat des remischen Bildhauers handeln, zumal die im Triumphzug mitgeführten Juden wenig jüdische Charakteristika zeigen. Hat man doch auch an anderen Triumphbögen die unterjochten Völker nicht naturalistisch, sondern idealisiert dargestellt, so daß alle Abbildungen am Trajansbogen keine sichere Unterlage für eine Beurteilung geben. — Eine andere antike Darstellung des siebenarmigen Leuchters befindet sich auf der Münze des Antigonus Mattathias (Katalog des British-Museums von Hill Nr. 56), das kleine Stück zeigt nur den allgemeinen Aufbau nach biblischem Bericht, läßt aber keine Einzelheiten der Verzietung der politischen Selbständigkeit und nach der Epoche des 1 empelkultus. Zahlreiche Bilder siebenarmiger Leuchter zeigen die Goldgläser und Flaschen, die in jüdischen Gräbern, hauptsächlich in Rom, gefunden wurden. Garucci hat sie zuerst in seiner Geschichte der christlichen Kunst ausführlich beschrieben, und mit anderen jüdischen Dekorationen verglichen; unterdessen sind noch weitere Stücke aufgetaucht. Da der Verfasser dieses Aufsatzes alle jüdischen Gläser im Rimon-Milgroim V./VI. zusammenfassend behandelt hat, erübrigt es sich, hier nochmals darauf einzugehen. — Auf jüdischen Grabsteinen finden sich ebenfalls siebenarmige Leuchter (gelegentlich fehlen einer oder mehrere Arme) in er-