Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1924)
- Article
- Die Menorah des Tempels
- Date
- 1924-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 3)
- Language
- German
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M E N O R A II b habener Arbeit, eingemeißelt oder auch aufgemalt. Zusammenstellungen rinden sich in dem bereits erwähnten Werk Garuccis und in dem ausführlichen Katalog der Inschriften vom „Monte Verde" in Rom, den Müller und Bees zusammen unter den Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums veröffentlicht haben. Viele kleine Aufsätze beschreiben einzelne Funde, die meist, wie bei Müller-Bees, die Inschriften in erster Linie berücksichtigen und die bildlichen Darstellungen nur nebenher erwähnen. Die Materie ist jedoch so interessant, daß sie demnächst eine zusammenhängende Bearbeitung erfahren muß. Es mag gleich hier gesagt sein, daß die beiden Stücke des Kaiser Friedrich-Museums in Berlin die zwei Haupttypen geben, sie sind übrigens ausgezeichnet im Katalog des Museums von Wulff beschrieben worden, so daß hier gleich mit der Einordnung begonnen werden kann. Der Grabstein aus der ,,Vigua Randanini" in Rom ist durchaus naturalistisch und zeigt einen sorgsam ausgeführten Leuchter mit aufgesetzten Öllampen. Der andere Grabstein, der bei den deutschen Ausgrabungen in Milet gefunden wurde, gibt nur ein Schema ohne Gliederung des Leuchters und ohne Lampen. Ob bei dieser Abkürzung das Verbot, Tempelgeräte zu kopieren, auch auf die Abbildungen eingewirkt hat, ist wohl möglich, aber nicht unbedingt anzunehmen. — Zwischen beiden Typen stehen zahlreiche Zwischenstufen, die sich besonders in der Form des Fußgestelles und. in der Behandlung der Armenden unterscheiden. Wahrscheinlich könnten sie nach diesen Unterschieden geordnet und lokalisiert werden. — Auf Tonlampen sind sehr häufig siebenarmige Leuchter abgebildet (auch hier fehlen oft einer oder mehrere Arme); ob diese Lampen alle aus jüdischen Gräbern stammen, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, weil die ersten Christen häufig Lampen mit diesem Symbol (auch Palmen, ölkrüge und Fische finden sich hier wie dort) benützten. Bei der Fülle der vorhandenen Darstellungen, die über die Sammlungen der ganzen Erde verteilt sind, fällt es sehr schwer, eine Bearbeitung zu unternehmen, es müßte zuerst einmal versucht werden, die in Katalogen und Zeitschriften beschriebenen Stücke zu vergleichen und zu sichten. Diese Arbeit dürfte, so viel man heute sagen ^Äee\^K^oniA^q-y^ Abb. Nr. 291 aus „29. Veröffentlichung der «leutsehen Orient-Gesellschaft: Kohl, Wat/in«,T Antike Sy.n^oirc in Galiläa": FRAGMENT EINER SYNAGOGENSCHRANKE AUS ASDOD (nach Aufnahme von Thiersch) kann, ähnliche Ergebnisse zeitigen, wie sie für die Darstellungen auf den Grabsteinen angedeutet wurden. — Auch auf Synagogendekorationen sind siebenarmige Leuchter zu finden. Es mag auf die ausgezeichnete Veröffentlichung der Deutschen Orient-Gesellschaft von Kohl-Watzinger über die galiläischen Synagogen hingewiesen werden. Diese sorgfältige Arbeit gibt auch weitere Quellen an, zu denen noch die im Weltkriege entdeckten synagogalen Mosaikfußböden hinzukommen, von denen jüngst einer im Milgroim- Rimon III. bekannt gemacht ^-iirde. Leider stehen über viele Funde noch ausführliche Berichte aus, so daß an eine erfolgreiche und zusammenfassende Bearbeitung nicht gedacht werden kann. Der siebenarmige Leuchter ist im Altertum zum Wahrzeichen des Judentums geworden, der in seiner Bedeutung fast der des Kreuzes bei den Christen entspricht. Das Bild des Leuchters bezeichnet den Inhaber des Grabes oder des Gebäudes geradezu als luden; diese antike Tradition hat sich bei den orientalischen GOLDZWISCHENGLAS AUS JÜDISCHEN KATAKOMBEN IN ROM Aus der Vorhiltlersanimlunjr der Gesellschaft z. Elf. jiid. Kunst(lenkmäler in Frankfurt a. M. (Mitt. Heft 3 4) Juden, besonders in vorwiegend mohammedanischen oder christlichen Orten bis heute erhalten. Die okzidentalen Juden haben dies Symbol nur selten angewandt, erst durch die kabbalistischen Strömungen trat es wieder, jetzt in rein mystischer Bedeutung, in den Vordergrund. Auf Amuletten und Mißrachblättern und dergleichen finden wir solche siebenarmige Leuchter, die fast ausnahmslos den anaturalistischen, abgekürzten Typus geben und oft von kabbalistischen Sprüchen gebildet werden. Mag auch das sogenannte Davidsschild (das ebenfalls ein seit altersher bei den Juden vorkommendes Emblem ist, so Gaster im Rimon-Milgroim III.) bei uns heute zum jüdischen Wahrzeichen geworden sein, die Lichter des Chanukkafestes erinnern uns stets von neuem an den Leuchter im Heiligtum zu Jerusalem. Nachum Glatzer / Legenden und Gleichnisse (Nach aggadischen Motiven.) DIE REIFE Rabbi Jochanan liebte es am LIfer des Flusses zu sitzen, um dort über die Worte der Thora und die Wege des Lebens nachzudenken. Manchmal kamen Jünger der Weisen dorthin und unterhielten sich mit dem großen Lehrer. So kam ein einsamer Schüler und fragte: „Wie ist jener Spruch des Koheleth zu verstehen: ,Sei nicht allzu recht und nicht überweise, damit du nicht verdirbst' — gibt es denn für Rechtlichkcit eine Grenze)" Der Meister ließ ihn neben sich niedersitzen und sprach: ,,Ec gibt Menschen, die sich recht und reif dünken in Anschauungen und Werken, noch ehe sie die Anschauungen betätigt und das Werk verrichtet haben. Aber die rechte Anschauung und das reife Werk erweist sich erst im Leben. Die Grenze der Rechtlichkeit ist das Leben.'' Sie erhoben sich und gingen durch Anlagen und Gärten. Auf dem Wege begegneten sie einem Manne, der gerade Feigen pflückte und bemerkten, daß er nur jene Früchte abriß, die noch nicht ganz gereift waren, während er die schon reifen nicht anrührte. Rabbi Jochanan redete ihn an: „Mein Sohn, sind nicht jene