Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1924)
- Article
- Die Papyri erzählen ...
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 17 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912828-2912837-2914649--01168-2914729- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M E N O R A H 17 patra sollen, einem Bericht des Joscphus zufolge, ihr ganzes Reich Juden anvertraut haben. Diese Notiz mag einer der vielen Übertreibungen des Jcsephus zuzurechnen sein, historisch nachweisbar ist jedoch, daß die Juden O n i a s und C o r i t h e o s Feldherren des Ptolomäus waren und bei Hofe eine bedeutende Rolle spielten. Onias erhielt vom König die Erlaubnis, in Leontopolis, 40 km von Memphis entfernt, einen großen jüdischen Opfertempel zu errichten. Als dann die Römer das griechisch-ägyptische Ptolomäerreich sich zu unterwerfen begannen, leisteten ihnen die jüdischen Kolonien Ägyptens wertvolle Dienste. Sie öffneten dem Legaten des Pcmpejus Gabinus (57 v. d. gew. Zeitr.) die kleinen Grenzfestungen bei Pelusium und damit den Zugang nach Ägypten von der syrischen Seite. Die Römer bestätigten die alten Rechte der jüdischen Kolonien, aber der Haß der griechischen Bevölkerung Ägyptens, insbesondere Alexandrias, gegen die Juden wuchs durch diese politischen Ereignisse ins Unermeßliche, und als unter Gaius die Römer zum ersten Male die Juden unfreundlich zu behandeln begannen, brachen in Ägypten die grausamsten Judenverfolgungen aus, von denen uns die Geschichte des Altertums zu erzählen weiß. Als mit der Einnahme Jerusalems und des Tempels im Jahre 70 n. d. gew. Zeitr. die letzten Reste der jüdischen staatlich-politischen Selbständigkeit von den Römern beseitigt wurden, änderte sich vollkommen die staatsrechtliche Stellung der jüdischen Kolonien in Ägypten. Sie, die bis dahin ein mehr oder minder nach eigenem Rechte lebendes, autonomes Gebilde dargestellt hatten, wurden nunmehr nach dem drückenden Recht der Römer für dediticii — unterlegene Völkerschaften — behandelt. Die Juden waren Besiegte geworden. Die Diaspora hatte aufgehört und das Exil begonnen. Die . Juden in Ägypten waren weder staatsrechtlich noch sozial-wirtschaftlich ein einheitlicher Bevölkerungsteil. Ihre sehr mannigfaltigen Schichten und Gruppenbildungen gestalteten auch kulturelle Unterschiede eigentümlichster Art. Da waren Juden, die schon zur Perserzeit als Militäransiedler nach Ägypten kamen und sich „Nachkommen der Perser" nannten. Dann jüdische Söldner, die unter Alexander und später unter den Ptolomäern ägyptische Kriegsdienste leisteten und daher die gleichen Rechte wie die Griechen (Makedonen) innehatten. Ferner gab es jüdische Soldaten, die mit ihrem eigenen, dem jüdischen Rechte, angesiedelt wurden. Schließlich noch die zahlreichen jüdischen Familien, die Ptolomäus I. nach Ägypten gebracht hatte. Sie waren rechtlich den vorhin erwähnten Judenschichten nicht gleichgestellt, sie zählten zu den Unterworfenen, und obwohl sie später freigelassen wurden, galten sie immer als Sozialschicht, die mindere Rechte wie die Griechen (Makedonen) innehatte. Grob geschätzt lebten etwa eine Million Juden in Ägypten. Ein Großteil von ihnen bevölkerte das Judenviertel von Alexandria, aber auch in den anderen Stadtteilen sowie in den Städten und Dörfern des Landes finden wir Aufzeichnungen kleinerer und größerer Judengemeinden. Die sozialen Verhältnisse der jüdischen Kolonisten waren mit wenigen Ausnahmen die denkbar drückendsten. Bei Ammian Marc. XXII. lesen wir, daß die Juden des Altertums zum überwiegenden Teil armselig und daher unsauber waren. Auch bei den Juden Ägyptens gelang es nur wenigen Familien, einigermaßen zum Reichtum sich emporzuarbeiten. Die Hauptbeschäftigung der Kolonisten war Landwirtschaft, Handel, Gewerbe und Militärdienst. Die Papyri berichten von jüdischen Grundbesitzern, Bauern, Pächtern und Taglöhnern. Auch Herdenbesitzer werden wiederholt aufgezählt. An Handwerkern werden genannt: Bäcker, Weber, Töpfer, Gold- und Silberarbeiter, Schmiede, insbesondere Waffenschmiede. Interessant sind die Berichte vom Leben der jüdischen Matrosen. Aus dem 5. Jahrhundert erzählt Synesius (Epist. 4) „von einer Reise auf dem Schiffe eines Juden mit jüdischen Matrosen". Der Sabbat brach herein, da unterbrachen die jüdischen Seeleute ihre Fahrt, um den Tag der Gottesruhe würdig zu empfangen und zu hüten. Verschiedene Schriftsteller des Altertums berichten aus der Römerzeit von einer Gilde jüdischer Schiffer, die ihre eigenen Gesetze hatte. Neben Landwirtschaft und Handwerk waren die Juden Ägyptens im Handel tätig. Keinesfalls kann behauptet werden, daß sie ausschließlich dem Handelserwerbe zugetan waren, im Gegenteil, für die älteren Zeiten besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, daß der Ackerbau bei den Juden verbreiteter war als Handel und Gewerbe. Vcm 3. vorchristlichen bis zum Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts besitzen wir Zeugnisse über die landbebauende Tätigkeit der Juden in Ägypten. Seit dem Ende des 2. Jahrhunderts n. d. gew. Zeitr. aber lassen uns alle Zeugnisse im Stich. „Die Juden handelten mit Korn, Zwetschkenwein, Kornbicr; mit Vieh, hauptsächlich Rindern und Schweinen, mit Webwaren, wie Watte, Leinwand, Byssus und Teppichen; mit ■ '£■ ~**5?>' ~ ' '^^^fe'^^L' s* ^•T*;SÜi$: 1 ' ..;-3 * PTOLOMÄUS VI. PHILOMETOR mit Geschwistern und drei Göttern Berlin1 Aus Springer: Handbuch der Kunstgeschichte, 12. Aufl., Alfred Kröner, Verla«, Leipzig Waffen, Papier, Spezereien und Salben, Salz, Alaun, Marmor und Smaragden und vieles andere mehr." Die Papyri erzählen von einem jüdischen Trödler aus Alexandria, der aber bezeichnenderweise sich in Jaffa (Palästina) begraben ließ. Wiederholt lesen wir ferner von jüdischen Steuerpächtern. * In religiöser Beziehung sind die Juden Ägyptens gleichfalls kein einheitliches Ganzes gewesen. Die große Masse wird wohl die jüdische traditionsgemäße Lebensform eingehalten haben, aber mehr aus Herkommen als aus Wissen. Denn wir hören, daß bei ihnen nicht nur im Alltagsleben das Hebräische vom Griechischen verdrängt wurde, sondern die Sprache der Heiden drang sogar in den jüdischen Gottesdienst ein. Leo Fuchs schreibt: „Die griechische Sprache hat sich also in weiten jüdischen Kreisen Ägyptens siegreich durchgesetzt. Sie die Muttersprache der Juden Ägyptens zu nennen, trifft gewiß bis auf einen wahrscheinlich SÄULENHALLE, i KIOSK) IN PH1LÄ : Handbuch der Kunstgeschichte, 12. Aufl., Alfred Kröner, Verlag, Leipzi