Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1924)
- Article
- Die Papyri erzählen ...
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 16 (sequence 2)
- Language
- German
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16 M E N O R A H Tempel eindrangen und denselben von Grund auf zerstörten. Die Säulen aus Stein, die dort waren, zerbrachen sie. Auch die fünf Tore des Tempels, aus behauenen Steinen gebaut, zertrümmerten sie. Die aufrechtstehenden Türflügel und die Angeln der Türen, die aus Bronze waren, und das Dach aus Zedernholz nebst dem Zubehör der Bekleidung, alles dieses verbrannten sie. Und die goldenen Opferschalen, das Silber und alle übrigen Wertgegenstände dieses Tempels nahmen sie für sich fort. Schon in den Tagen der Könige von Ägypten haben unsere Väter den genannten Tempel in der Festung Elephantine gebaut. Und als Kambyses Ägypten betrat, fand er den genannten Tempel gebaut vor. Und die Tempel der Götter Ägyptens riß er nieder, aber unserem Tempel hat niemand ein Leid zugefügt. wie er früher gebaut war. Und Speiseopfer, Weihrauchopfer und Schlachtopfer soll man auf dem Altare des "\T in Deinem Namen darbringen, und wir wollen für Dich jederzeit beten, unsere Frauen und Kinder wie auch alle anderen hier anwesenden Juden. Solches tat man, damit der Tempel wieder aufgebaut werde. Dir aber wird Gnade ver ,"'"'' dem Gotte des Himmels zuteil werden, größer als das Verdienst eines Mannes, der ihm ein Brandopfer und Schlachtopfer im Werte von tausend Talenten Silbers darbringt. Auch haben wir in einem Schreiben alle diese Worte dem Delajah und Schelemjah, den Söhnen des Sanballat, des Stalthalters von Samarien, mitgeteilt. Von dem, was uns widerfahren, hat Arscham nichts erfahren. Und betreffs des Goldes haben wir Botschaft geschickt. M A Jl E IXTE Jt N U M ALEX AN DIU A ............. SCALE Or STATUT* »„.ES li /"CO* / S L Ü C U ™---,"--7";-B i r h et c l M a r 1" o u t STADTPLAN VON ALEXANDRIA itiil dem jüdischen Viertel Nachdem man also verfahren hatte, trugen wir mit unseren Frauen und Kindern den ,Sak\ fasteten und beteten zu "Indem Herrn des Himmels, welcher uns in bezug auf den genannten hündischen Weidereng kundtat: ,Man wird die Kette von seinen Füßen entfernen und die erworbenen Schätze werden verlorengehen; und alle Männer, welche versucht haben, dem genannten Tempel Böses zu tun, werden insgesamt getötet werden, und wir werden auf ihren Untergang herabschauen.' Auch früher schon, als dies Unheil uns angetan wurde, haben wir einen Brief an Dich gesendet sowie an Jehochanan, den Hohenpriester, und seine Genossen, die Priester in Jerusalem, und an Ostan, den Bruder des Anani, und an andere Edle der Juden. Keinen einzigen Brief haben sie uns geschickt. Und vom Monat Tamus des vierzehnten Jahres des Königs Darius bis zu diesem Tage haben wir den ,Sak' getragen und gefastet und unsere Frauen sich wie Witwen gehalten. Mit Öl salbten wir uns nicht und Wein tranken wir nicht. Auch brachte man seit jener Zeit bis zum heutigen Tage im siebzehnten Jahre des Königs Darius Speiseopfer (mincha), Weihrauchopfer (lewona) und Schlachtopfer (ola) in diesem Tempel nicht dar. Deshalb sprechen nun Deine Knechte Jedonjah und Genossen und die Juden, alles Bürger von Elephantine, folgendermaßen: Es möge unserm Herrn gefallen, diesen Tempel wieder aufzubauen; da man uns nicht erlaubt, ihn wieder zu errichten, so blicke auf Deine Wohltäter und Verehrer hier in Ägypten. Es werde von Dir aus ein Schreiben an sie geschickt, den Tempel "*"* wieder aufzubauen in der Festung Elephantine, Am 20. Marcheschwan im siebzehnten Jahre des Königs Darius." Die Geschichte der jüdischen Kolonien in Ägypten kann von etwa 300 an durch die reichlichere Auffindung von Papyri (Urkunden und Briefe, geschrieben auf dem Bast der Papyrusstaude) besser erforscht werden. Es ist das große Verdienst von Dr. Leo Fuchs, einem blinden jüdischen Gelehrten, durch Sichtung des ungeheuer weitschweifigen Materials einigermaßen Klarheit über die politische, soziale und wirtschaftliche Situation der jüdischen Kolonien in Ägypten erbracht zu haben. Wir folgen in. Nachstehendem den Aufzeichnungen seines ausgezeichneten Buches.*) * Der Griechenkönig Alexander der Große zertrümmerte das persische Reich (333). Er siedelte — wie Josephus berichtet — in dem neugegründeten Alexandria eine jüdische Kolonie an. Nach seinem Tode übernahm sein Feldherr P t o 1 o m ä u s die Herrschaft über Ägypten. Während seiner Regierung strömten große Massen von Juden nach Mizrajim. Bald hören wir von „castra Judaeorum", jüdischen Militärlagern. Auch die Ptolomäer haben also gerne Juden zum Kriegsdienst verwendet. Ptolomäus Vi. Philo metor (181 bis 145) und seine Gemahlin K1 e o- *) Veröffentlichungen der Dr. A. S. Bettelheim Memorial Foundation: Dr. Leo Fuchs. Die Juden Ägyptens in ptolomäischcr und römischer Zeit. M. Raths Verlag, Wien 1924.