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Menorah · 1924-10-01 · Heft 10 (Oktober 1924) · p. Seite 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 10 (Oktober 1924)
Article
Die Papyri erzählen ...
Date
1924-10-01
Page
Seite 18 (sequence 4)
Language
German
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18 M E N O R A H engen Kreis besonders national und religiös Gesinnter, die auch ihre jüdischnationalen Namen beibehielten und aus deren Mitte uns die semitischen Inschriften und die hebräischen Worte inmitten griechisch geschriebener Grabsteine der römischen Kaiserzeit erhalten geblieben." Schear jaschuw! Ein Rest wird zurückkehren — es wiederholt sich alles in der uralten Geschichte des jüdischen Volkes. — Josephus schreibt von diesen Hütern der nationalreligiösen Überlieferungen: „Kein Jude wird von seinem Vaterlande so weit getrennt sein, noch einen grausamen Herrn so sehr fürchten, daß er das Gesetz nicht mehr als diesen fürchten würd e." Bezeichnend für den größeren oder geringeren Grad von Nationalbewußtsein sind die jüdischen Namen dieser Zeit: es gibt Juden mit hebräischen, semitischen, griechischen und ägyptischen Namen. Besonders vorsichtige Juden führten zwei Namen: einen für die Griechen und einen für die Juden, so zum Beispiel erzählt ein Papyrus von einem „Josua und Theophylos". Bezeichnend für die Sozial- und Rechtsverhältnisse der Zeit ist es auch, daß Juden damals „Angehörige zweier Nationen, der Juden und der Perser, in einem sein konnten". Selbst dann, wenn das Griechische oder Lateinische völlig das Hebräische verdrängt ha.tte, wurde die fremdnationale Sprache vielfach mit den altvertrauten hebräischen Lettern geschrieben. Ebenso wie heute beim Jiddischen. Nach wie vor blieb das Nationalheiligtum, das Beth hamikdasch in Jeruschalajim der Mittelpunkt des religiösen Denkens. Die gesetzlichen Entscheidungen, die von dort kamen, waren für alle Gemeinden Ägyptens verbindlich. Im zweiten Buch der Makkabäer sind uns Sendschreiben der Gemeinde in Jeruschalajim an die Juden Alexandrias erhalten geblieben, in denen sie an die Anna Kellner / Reisen (Fortsetzung und Schluß.) In Mozah, der kleinen Kolonie bei Jerusalem, wächst einem Juden der köstlichste Wein. Der Mann kam vor 25 Jahren mit 50 Franken in der Tasche nach Palästina. Wüst, steinig, verkarstet war das Land ringsum; nur die alten Terrassen waren noch kenntlich. Dort hat er einen herrlichen Weinberg gepflanzt. Als der berühmte amerikanische Philanthrop N. Strauß den Weinbauer besuchte und alles besah, was er geleistet hatte, klopfte er ihm auf die Schulter und sagte: „Mensch, wenn Sie diese Energie, diesen Fleiß in Amerika aufwenden, sind Sie in Kürze ein Millionär!" Darauf hebt der Weinbauer einen Stein vom Boden aui — der Amerikaner weicht ein wenig betreten zurück: will ihm der Mann für diese Blasphemie den Stein an den Schädel hauen? Da sagt der Weinbauer: „Sie wissen, daß es verschiedene Steine gibt auf der Welt, auch solche, die Diamanten heißen und teuer bezahlt werden. Dieser Stein von unserer heiligen Erde ist mir teurer als schönen Frauen die kostbarsten Diamanten. Und ich bin hier lieber ein armer Bauer, als anderswo Millionär!" Ein armer Bauer ist er nicht mehr. Ein Bekannter von ihm, ein kleiner Kolonist, der einem Pogrom in Rußland entronnen ist, beschwört seine Verwandten, die Heimat zu verlassen und nach Palästina zu kommen. Ein Vetter folgt seiner Aufforderung, kommt mit ein paar tausend Rubeln in der Tasche an und erkundigt sich vorsichtig, was für Aussichten er als Bauer haben würde. Der andere erzählt ihm, wie fruchtbar das Land sei, wie der Weizen gedeihe, das Gemüse, die Orangen; mit jüdischer Lebhaftigkeit beschreibt er ihm einen Zitronenbaum, der fast tausend Zitronen bei einer Ernte getragen hat. Und schließlich nimmt er dem Vetter dessen Regenschirm aus der Hand, stößt ihn heftig in den Boden und sagt: „Wenn du Regenschirme pflanzest, werden Regenschirme wachsen!" Die Kolonie Benyamina ist eine der vielversprechendsten des ganzen Landes. Sie besteht vorläufig aus 35 Häuschen, im Laufe des Jahres soll das Hundert voll werden. Die Lage ist äußerst günstig: eine Stunde vom Meer entfernt, eine Stunde von Haifa, der Hafenstadt. Der Boden ist gut. Einen Nachteil hat die Landwirtschaft freilich: daß die Juden keine Schweine halten können. Aber sie werden es schon wettmachen. ägyptischen Glaubensgenossen die Aufforderung richteten, das von Juda Makkabi eingesetzte Chanukahfest mit ihnen zu feiern. Vor allem wurde bis zum Jahre 70 n. d. gew. Zeitr. regelmäßig der halbe Schekel an das Heiligtum in Jeruschalajim abgeführt. „Die Einziehung erfolgte nach dem jüdischen Gewohnheitsrecht und durch die jüdischen Gemeindeorganisationen." Erst seit der Zerstörung des zweiten Beth hamikdasch, als die Juden von freien Landesbewohnern zur entrechteten Klasse der dediticii herabsanken, mußte die Halbschekelabgabe als „Judaion telesma", als Judensteuer, an das römische Reich abgeführt werden * Es ist unmöglich, auch nur einen Überblick über die Fülle interessanter Mitteilungen zu geben, die Leo Fuchs vom Leben der jüdischen Kolonisten in Ägypten zusammengetragen hat. Die Lektüre des sehr flüssig, gar nicht trocken geschriebenen Buches wird dem einigermaßen historisch Orientierten nicht schwer fallen. Ein noch ziemlich unbearbeitetes Kapitel der jüdischen Geschichte ist durch die fleißige Arbeit des blinden jüdischen Gelehrten in seinen Zusammenhängen, speziell sozialwissenschaftlicher Art, sehr geklärt worden. Wenn sein weiteres Schaffen mit der gleichen vorbildlichen Klarheit und Gründlichkeit in die spröde Materie eindringt, wie es in dem vorliegenden, ausgezeichneten Buche geschehen ist, so können wir von Leo Fuchs vielleicht die so sehr entbehrte Geschichte der Juden im Altertum erwarten. Es sei noch erwähnt, daß das Werk Herrn Oberrabbiner Professor Dr. H. P. C h a j e s gewidmet wurde, der als Kurator der Bettelheim-Stiftung die Drucklegung der Arbeit ermöglichte. R. W. kizzen aus Palästina IN HAIFA Kundige vergleichen die schöne Lage der Stadt, die wunderbar im Aufblühen begriffen ist, mit der von Neapel. Der schneebedeckte Hermon, der Karmel mit den schönen Villen und dem herrlichen jüdischen Technikum, die neuen jüdischen Siedlungen, das prachtvolle deutsche Viertel, die hübschen kleinen Häuschen, in denen jedes arme Kind „einen Tropfen Milch" bekommt (diesen reizenden Namen führt die segensreiche Stiftung, die die armen Kinder mit Milch versorgt) — es ist erstaunlich, wie diese Stadt, trotz des unseligen Krieges, in den letzten zwölf Jahren gewachsen ist. Wir essen in einem jüdischen Restaurant zu Mittag: alles ist so vorzüglich zubereitet, so nett serviert, daß wir es dem Wirt, der gleichzeitig der Kellner ist, sagen. Er strahlt über das ganze Gesicht und ruft seine Frau herbei, eine schöne Grazerin. Sie ist die Köchin. Auch sie ist hier sehr zufrieden und glücklich, aber ein bißchen Heimweh, Sehnsucht nach Eltern und Geschwistern kann sie nicht unterdrücken. Wir besuchen Maler Struck. Seine liebenswürdige Frau erzählt mir stolz, daß sie das Bischofsbrot selbst gebacken hat, wie sie auch die ganze Hausarbeit allein besorgt. Nur am Freitag, wo doppelte Arbeit sei, habe sie eine Hilfe. Und wieder steigt dieselbe Frage in unserem Innern auf, wie in Benyamina beim Anblick der schönen Farmersfrau aus Europa: Wie ist es zu erklären, daß eine hochgebildete Frau wie Frau Struck, die alle Segnungen der europäischen Kultur genossen, die in Berlin ein so behagliches und anregendes Leben geführt hat, in Haifa zufrieden und glücklich ist? Das Wunderschönste aber in Haifa ist die hebräische Realschule für Knaben und Mädchen. Ein Schwestergebäude des herrlichen Technikums auf dem Karmel, sieht es direkt aufs Meer hinab. Die Realschule, in der auch Latein und Arabisch gelehrt wird, verbindet Oberrealschulbildung mit technischer Vorbereitung (Metallarbeit, Buchbinderei und Tischlerei für Knaben, Hauswirtschaft für Mädchen). Die Kästen im Zeichensaal, in denen jedes Kind seine Lade hat, und in denen außerdem Modelle, Gipsabdrücke usw. aufbewahrt werden, sind von den Schülern verfertigt. Tadellos. Was wir immer für die Kinder in der Mittelschule erträumt haben, hier ist es Wahrheit geworden,

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