Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1924)
- Article
- Die Papyri erzählen ...
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 15 (sequence 1)
- Language
- German
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M E N O R A H 15 DIE PAPYRI ER ZAHLEN... VON DEN JÜDISCHEN KOLONIEN IN ÄGYPTEN Den jüdischen Königen hatte das Gesetz Möschens verboten, sich Streitrosse anzuschaffen. In den Grenzen ihres kleinen, aber gesegneten Berglandes, in Erez Jisrael, sollten die Juden verbleiben; die Ausstattung des jüdischen Heeres mit eisernen Kriegswagen müßte die Könige Jisraels unfehlbar zu einer Expansionspolitik ermutigen, zum Versuch einer Ausdehnung der Grenzen über die verheißene Linie hinaus, zu einem Einbruch im mächtigen Nachbarstaat und zu Jisraels Untergang: „Der halte sich nicht viel Rosse, er führe das Volk nicht nach Ägypten, um sich viel Rosse. anzuschaffen, da doch Gott dir gesagt hat: Ihr sollt auf diesem Wege niemals zurückkehren." (5. B. M. 17, 16.) Die Juden haben dieses Gesetz Moschehs fast zu allen Zeiten ihrer staatlichen Selbständigkeit übertreten. Ein sehr 1 e bhafter Handel brachte zahlreiche Karawanen, Gesellschaften von jüdischen Königskaufleuten nach Ägypten (,,Mikweh socharej hamelech"). Im ersten Buch der Könige (10, 28) heißt es wörtlich: „Die Rosse, welche Salomo besaß, wurden aus Ägypten ausgeführt, und eine Gesellschaft von Kaufleuten des Königs holte eine Koppel für den Preis." Salomo, der eine ägyptische Prinzessin zur Frau hatte, stellte so mit Hilfe seines Schwiegervaters eine gewaltige Streitmacht auf. „Und Salomo .brachte Wagen und Reiter zusammen, er hatte tausend und vierhundert Wagen und zwölftausend Reiter." Der Einfluß Ägyptens wächst von Jahrhundert zu Jahrhundert. Die Ausgrabungen lassen die kulturelle Anziehungskraft des nachbarlichen Großreiches deutlich erkennen. Politisch stand Jisrael schon längst im Machtbereich Ägyptens. Der Prophet Jeschajahu klagt (30, 2 f.) : „Sie ziehen hinab nach Ägypten — um Gottes Wort kümmerten sie sich nicht —, um sich zu schützen in der Macht Pharaos . . . Aber Pharaos Schutz wird Euch zu Schanden, der Schirm im Schatten Ägyptens zur Schmach." Unmittelbar vor dem Zusammenbruch der politischen Selbständigkeit des jüdischen Staates erkennt Jirmijahu die politisch-kulturelle Ursache der herannahenden Katastrophe: das militärische, aber auch geistige Schwanken Judas zwischen dem Anschluß an die Großmacht des Nordens Assyrien-Babylonien und an die des Südens, Ägypten, dem alten Mizrajim unseligen Angedenkens: „Was gehst du den Weg Ägyptens, das Wasser des Schichor zu trinken? Was gehst du den Weg nach Assyrien, um das Wasser des Euphrat zu trinken?" (2, 18.) Als dann Jerusalem von Nebukadnezar erobert wurde, mißachtete Jochanan, einer der am Leben gebliebenen jüdischen Heerführer, die Warnungen des Jirmijahu und führte den Rest der Juden, der von den Babyloniem nicht fortgeschafft worden war, nach Ägypten: „Die Männer und die Weiber und die Kinder und die Töchter des Königs (Zedekia) und alle Personen, welche Nebusaradan, (babylonischer) Oberster der Leibwachen, bei Gedaljah gelassen hatte." (43, 6.) Das war die erste jüdische Großkolonie in Ägypten seit dem Auszug aus Mizrajim. (Etwa um 580 vor der gew. Zeitrechnung.) * Der Perserkönig Cyrus eroberte das Reich des Nebukadnezar (558). Im Dienste seiner Nachfolger Kambyses und Darius bewachten jüdische Söldner eine Nilfestung, E 1 e p h a ntine (gegenüber von Assuan). Ein Teil ihres Briefwechsels mit dem persischen Statthalter in Judäa ist erhalten geblieben. Ein besonders interessantes Schreiben erzählt uns, daß diese jüdische Militärkolonie ein eigenes Heiligtum besaß, das schon Kambyses antraf, als er nach Ägypten zog. (525 v. d. gew. Zeitr.) Ein persischer Heeresoberst zerstörte nun drei Jahre vor Abfassung des nachfolgenden Briefes*) diesen jüdischen Tempel. Die Anstifter des Plünderns war die ägyptische Prieslerschaft. Der Brief erzählt von Einzelheiten des jüdischen Gottesdienstes, die wörtlich mit der Tradition übereinstimmen. Besonders bemerkenswert ist der innige Zusammenhang der jüdischen Kolonie mit dem Heiligtum in Jerusalem. Das Schreiben ist in aramäischer Sprache verfaßt *j In der Übertragung von Sachau. und datiert „im siebzehnten Jahre des Königs Darius (II.)", das ist also 407 v. d. gew. Zeitr. „An unseren Herrn Bagohi, den Statthalter von Judäa, Deine Knechte Jedonjah und Genossen, die Priester in der Festung Elephantine. Es grüße der Gott des Himmels unseren Herrn vielmals zu jeder Zeit und setze Dich zu Gnaden vor König Darius und den Söhnen des königlichen Hauses noch tausendmal mehr als jetzt und gebe Dir langes Leben. Sei glücklich und stark zu jeder Zeit. Nunmehr sprechen Dein Knecht Jedonjah und Genossen folgendermaßen : Im Monat Tamus, im 14. Jahre des Königs Darius, als Arscham hinausgezogen und zum Könige gegangen war, machten die Götzenpriester des Gottes Chnub in der Festung Elephantine eine Verschwörung mit Weidereng, welcher hier Oberster war, folgender Bestimmung: den Tempel des Gottes in der Festung Elephantine soll man von dort wegschaffen. Darauf schickte dieser verfluchte Weidereng einen Brief an seinen Sohn Nepajan, welcher Heeresoberst in der Festung Assuan war, folgenden Inhalts: ,Den Tempel in der Festung Elephantine soll man zerstören.' Darauf führte Nepajan Ägypter mit anderen Truppen herbei, die mit ihren Waffen zur Festung Elephantine kamen, in den EIN EHEVERTRAG Gießener Papyrus Nr. 2 vom J. 173 v. d. gew. Zeitr. Ans l'revsi.nke: Antikes Leben nach den ägyptischen I'apvri. K. G. Teubiier Verlair, Leipzig.