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Menorah · 1924-07-01 · Heft 7 (Juli 1924) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 7 (Juli 1924)
Article
Gilgul
Date
1924-07-01
Page
Seite 12 (sequence 2)
Language
German
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12 MENORAH jener Zeit im Gebirgslande nicht. Etwas weiter schlängelte sich ein Bächlein hin, ganz überdeckt von hangenden Weiden. Eine halbe Wegstunde weil war kein anderes Haus zu sehen, und auch die übrigen Hütten standen weit auseinander mitten im Felde. Da sich in der Umgebung kein jüdischer Fleischer befand, versorgte FlenocK die Juden in den umliegenden Ortschaften mit Heisch, indem er auf Samstag und zu den Feiertagen ein Kalb oder ein Rind schlachtete. Schwer und düster war das Leben des Juden in Polen und in der Moldau in jener Zeit. Streng waren die religiösen Vorschriften, und sein Dasein war ausgefüllt mit Beten, Fasten und Sichkasteien. Das Leben galt nur als Vorbereitung für ,,jene Welt", in der dem Frommen alle nur erdenklichen Genüsse geboten werden sollten. Für die Ausübung eines Berufes blieb nur wenig Zeit übrig, denn alle paar Stunden gab es irgendein Gebet zu verrichten. Auch die Nacht gehörte dem Gebet und dem Studium der heiligen Bücher, und in Sack und Asche mußte man Nacht für Nacht um die Zerstörung Jerusalems trauern. Besonders die Mitternachtsstunde galt für das Studium der Fleiligen Schrift sehr geeignet, denn im Sohar heißt es: „V/er sich um Mitternacht der heiligen Lehre hingibt, dem wird manches überirdische Geheimnis offenbar." Zahlreich waren die Fasttage. Die Frommen fasteten an jedem Montag und Donnerstag, doch in manchen Genieinden gab es auch besondere Fasttage, die von einzelnen Rabbinern anbefohlen waren. Die Gebete waren von Trauer und Jammer erfüllt; voll Trauer mußte die Stimmung der Juden sein, und unaufhörlich sollten die Klagen zum Allmächtigen empordringen, um die Stunde der Gnade und Erlösung näherzubringen. So verbrachten die Juden jener Zeit in steler Gottergebenheit ihre Tage und so lebte auch der Schächter Henoch. Er versäumte kein Gebet und nahm jede Buße auf sich, denn er hielt seine kinderlose Ehe für eine Strafe Gottes. Auch fuhr er zu allen Feiertagen zum Rabbi nach Kcssow, um ihn um seine Fürbitte beim Allmächtigen anzuflehen. Er war schon nahe daran, jede Hoffnung auf einen Nachkommen aufzugeben. Da stellte sich kurze Zeit nach jenem Sabbat, den Israel im Hause Henochs verbrachte, das Wunder ein: Gitel fühlte sich Mutter. III. Gitels schwere Stunde nahte heran. Eine Nachbarin kam und brachte sie zu Bett, während Henoch, der mit sich nichts anzufangen wußte, auf den Fußspitzen umherging und leise Gebete murmelte. Da bemerkte er durchs Fenster, daß sich einige Frauen seinem Hause näherten. Er trat ins Vorhaus. Da öffneten sie gerade die Flaustür. .Leise, leise, sagte er und legte den Finger auf den Mund. „Mein Weib." „Wir kommen wegen des Fleisches", sagte die eine mit gedämpfter Stimme. „Ich konnte mein Weib nicht allein lassen, darum fuhr ich nicht auf den Markt, und so werde ich wohl diese Woche kein F leisch haben", erwiderte Henoch. „Ihr vergeßt wohl, daß das Purimfest herannaht", rief eine Frau aufgebracht, und die zweite fügte hinzu: „Sollen alle jüdischen Familien, unseres Kreises wegen Eures Weibes am Purim ohne Fleisch bleiben? Bedenket, was Ihr tut." „Wie kann ich vom Flause fort? Ich würde ja vor Sorge auf dem Wege sterben", rief Henoch aus. Die Frauen beratschlagten eine Weile, dann sprach die eine: „Wagt es nicht, den Zorn der ganzen Gemeinde auf Euch zu laden. Doch hört, was wir Euch vorschlagen! Spannt Euer Pferd ein und fahrt in die Stadt. Kauft dort das erstbeste Kalb und kehrt gleich zurück. Dann seid Ihr in höchstens drei Stunden wieder hier. Bis Ihr zurückkommt, wollen wir Eurem Weibe beistehen und sie wird von uns viel mehr Nutzen haben als von Euch. Was könnt Ihr auch für sie tun?" Henoch mußte einsehen, daß es keinen anderen Ausweg gab, und seufzend fügte er sich. Noch einen Blick warf er auf sein Weib, dann sagte er zu den Frauen: „Habt gut acht auf sie. Möge Gott ihr beistehen." Die Frauen halfen ihm einspannen und bald rollte das Wägelchen auf der staubigen Landstraße dahin. Viele Wagen bewegten sich auf der Straße, die Bauern führten Heu und allerhand Produkte in die Stadt. Es war ein klarer Frühlingsmorgen, und die Sonne schien hell und warm. Zarte weiße Wölkchen schwammen hoch oben in einem Meer von Blau. Nach einiger Zeit bemerkte Flenoch einen Juden, der ein Kalb auf den Markt führte. Was verlangt Ihr für das Kalb?" fragte er und hielt den Wagen an. „Um einen Löwentaler verkaufe ich es", erwiderte der Jude. Ohne zu überlegen zog Henoch seinen Geldbeutel aus den Tasche und rieh „Das Kalb ist mein, hier ist der Taler." Henoch sprang ab und hob mit Hilfe des Juden das Kalb auf den Wagen. Dann wendete er und fuhr in raschem Trab nach Hause. Sein Herz schlug heftig, als er sich seinem Fläuschen näherte. Kein Mensch war zu sehen. Henoch sprang ab und öffnete die Flaustür. Auf den Fußspitzen näherte er sich der Stubentür. Kein Laut. Henoch hielt sich vor Angst kaum auf den Füßen. Endlich hörte er ein leises Stöhnen seines Weibes. Langsam öffnete sich die Tür und eine der Frauen trat ins Vorhaus. „Wie steht's?" flüsterte Henoch. Seine Stimme versagte vor Aufregung. „Sie kann noch nicht gebären", erwiderte die Frau. „Möge sich Gott ihrer erbarmen", seufzte Henoch. „Verlaßt sie nicht." „Es ist noch nicht an der Zeit. Wir bleiben hier, bis es vorüber ist", sagte die Frau und kehrte in die Stube zurück. Seufzend ging Henoch zum Wagen, band das Kalb ab und führte es zum Schlachtplatz hinter dem Hause. Dort band er es an einen Pflock und holte aus der Küche das Schlachtmesser. Willig streckte ihm das Kalb den Kopf entgegen und mit einem raschen Schnitt fuhr das Messer über den Hals des Tieres. In diesem Augenblick ließ sich ein gellender Kinderschrei vernehmen. Das zuckende Fleisch entfiel den Händen Henochs, der mit dem Schlachtmesser in der Hand zum Hauseingang eilte. Eine Frau öffnete das Tor und rief ihm zu: Ein Junge! Ein Junge! Viel Glück, Henoch! Ein Prachtkerl, schön wie die Sonne." „Gepriesen seist du, o Gott", rief der Schächter mit erhobenen Händen, und das blutige Schlachtmesser, das er in der Hand behalten hatte, blinkte in der Sonne: „Er sei Dir geweiht, Allmächtiger!" IV. Henoch war sehr glücklich und nahm sich vor, den Knaben zu einem heiligen Mann zu erziehen. „Ein Spätgeborener ist er", sagte er sich. „Sein Leben soll dem Lobpreisen Gottes dienen." Und er benannte den Knaben Elieser. Schon in den ersten Lebensjahren war der Knabe anders als die Kinder seiner Umgebung. Er suchte keinen Kameraden, sondern saß am liebsten allein für sich und träumte. Die Erzählungen, die er von Vater und Mutter hörte, boten Tennisstofle, Rohseide, ^ISP^ Kann & Fried

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