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Menorah · 1924-06-01 · Heft 6 (Juni 1924) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 6 (Juni 1924)
Article
Illustrierte Haggadoth
Date
1924-06-01
Page
Seite 4 (sequence 2)
Language
German
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4 M E.NOR AH noch sehr selten, die meisten handgeschriebenen Haggadoth nach Einführung des Buchdrucks kommen nicht über die Kopie bekannter gedruckter hinaus. Dies gilt sowohl für die Buchstaben als auch für die Bilder, die häufig an die Porzellanmalerei (so zum Beispiel das Exemplar der Linelsammlung, Frankfurt a. M. abgebildet in der Haggadah von Dr. C. Seligmann, Frankfurt a. M. 1914) gemahnen. Da dieses Gewerbe nachweislich vielfach von Juden betrieben wurde, ist der Zusammenhang zwischen den beiden verschiedenen Techniken nicht verwunderlich. Überblicken wir den Entwickelungsgang der Haggadahillustrationen, so finden wir, daß sie dem allgemeinen Prinzip der Stilwandlungen folgen. Von den architektonisch gebundenen, starren Formen mit stilisierendem Charakter am Ende der romanischen Epoche ringen sich die Künstler nach und nach los. Noch in mittelalterlicher Auffassung wirkend, gelangen sie zu einer bewegteren Formensprache und schließlich zu einer an Naturalismus gemahnenden Auffassung. Im Laufe dieser Entwicklung bricht die Renaissance mit ihrer neuen, auf Perspektive gegründeten Sehweise herein und entwickelt neue künstlerische Probleme, die der alten Auffassung entgegengesetzt werden, obgleich diese in ihren letzten Phasen der neuen verwandt ist. Der Gesamteindruck der Hagaddahillustrationen läßt sich etwa durch folgende Merkmale kennzeichnen: Vom flächenhaften, gerahmten Bild wandeln sich die Darstellungen über die frei in den Text gezeichneten Szenen zum raumvortäuschenden, gerahmten Bild mit Tiefenwirkung. An diesem Punkt der Entwicklung setzt der Bilddruck ein, mit dem wir uns nun zu beschäftigen haben. Die Erfindung der Buchdruckerkunst begrüßten die Juden bekanntlich mit größter Freude, konnte man doch seitdem die von ihnen so geschätzten Bücher auf schnelle und einfache Art und verhältnismäßig billig herstellen. Frühzeitig erschienen jüdische Druckwerke; unter den illustrierten ist die Haggadah am häufigsten zu finden. An über 90 verschiedenen Druckorten wurden etwa 1 000 verschiedene Ausgaben herausgegeben, von denen fast 200 illustriertsind. Die erste illustrierte, vollständige Ausgabe wurde 1 526 von der Druckerei Gerson Cohen in Prag herausgegeben, nachdem sie schon 1485 innerhalb des Gebetbuches in Soncino bei Moses Mentelin (aus Mainz) ohne Bildbeigaben verlegt worden war3). Die Prager Haggadah hat eine einzige Leiste, die signiert ist. Sie trägt den hebräischen Buchstaben „Schin", und weist nach Freimann") vielleicht auf den wandernden und unternehmenden Typographen Chajim Schwarz (Schachor) als Urheber hin, der 1514 bis 1 526 an der Gersonidischen Druckerei beteiligt war. Ob die anderen Bilder und Leisten von derselben Hand herrühren, darf man bezweifeln, einige sind wohl dem schon vorhandenen Schatz des Druckers entnommen. Leider sind die Erstausgaben von 1 526 ebenso wie die folgende von 1550 heute ungemein selten, so daß ich mich hier auf die kleine und nicht ganz korrekte Sammlung von Dr. Carl Schwarz') und die Angaben Schlossers in der Haggadah von Sarajevo, Seite 222 ff., verlassen muß. Soweit aus diesen Angaben und den dort abgebildeten Illustrationen zu ersehen ist, hat das Bestreben, der Seite einen geschlossenen künstlerischen Charakter zu geben, auf drei Blättern einen bezeichnenden Ausdruck gefunden. Das erste Blatt gibt eine rein ornamentale Umrahmung: Rankenwerk mit Vasen, Tierfratzen, stilisierte Menschenleiber, Arabesken; rechts oben ist in den Text ein selb- :l) Faksimileausgabc des Erstdruckes der Haggadah, Berlin 1923, Marx & Comp. Ebenda erschien als Privatdruck eine Faksiniilcausgabc dej Fragments der ersten illustrierten Ausgabe der Pessachhaggidali. Sic wurde 1510 in Saloniki oder Konstantinopcl gedruckt; das einzige bekannte Original befindet sich jetzt im Jewish Theological Seminary of America, New York. 4) Freimann, in Zeitschrift für hebräische Bibliographie. n) Dr. Karl Schwarz: Jüdische Bücherei, Berlin, ohne Jahr (Gurlitl, 1920?). Band 3: Bilder aus der Präger Haggadah; Band 4: Bilder aus der Mantuancr Haggadah; Band 5: Bilder aus der Amsterdamer Haggadah. ständiges, gerahmtes Bildchen eingeschoben. Es stellt den Hausvater mit Kerze und Flederwisch auf der Suche nach Gesäuertem ganz nach Art der Handschriften dar, deren die Münchner") etwa ebenfalls diese bildmäßige Auffassung der frühen Renaissance kennt. Ein zweites Rahmenwerk bei der Stelle „Dies ist das Brot des Elends" läßt oben noch den Rest von zwei sitzenden Männern (mit Keulen?) erkennen, die ein Wappen halten (welches?), dazwischen findet sich der Name Gerson Cohen. Die Seiten zeigen je eine Säule, darunter links einen Krieger mit einer Lanze, rechts einen König mit einem Lämmchen, unten schließt die Umrahmung die Darstellung des salomonischen Urteils ab. Am bekanntesten dürfte das Rahmenwerk der Seite mit dem Passus „Gieße Deinen Grimm aus" sein: oben findet sich Blattwerk, zur Seite links Eva, darunter Judith mit dem Schwert und dem Haupt des Holofernes, rechts Adam, darunter Simson mit dem Stadttor. Unten halten zwei wilde Männer das böhmische Wappen, an dessen linker Seite das vorher erwähnte „Schin" zu sehen ist. Die linke untere, in den Text gerückte Abbildung gibt den Propheten Elia, wie er auf seinem Esel zur Tür hereinreitet. In der Art des seitlich in den Text gerückten, gerahmten Bildchens finden sich noch zahlreiche Illustrationen, neben denen scheinbar auch schon die breiten, unten oder oben abschließenden Gruppenbilder vorkommen müssen (siehe Schwarz, Seite 6, 14, 20). Die dürftigen Reproduktionen und der mangelhafte Text des Schwarzsehen Büchleins verbieten ein genaueres Gesamturteil über die Prager Haggadah ). Sie lehnt sich zweifelsfrei an ältere Handschriften an, wenn auch hie und da, besonders beim ornamentalen, seltener beim bildlichen Beiwerk eine Benützung der bereits vorhandenen Druckstöcke stattgefunden hat. So finden sich also in christlichen und jüdischen Büchern teilweise die gleichen Illustrationen, wie auch hier wie dort das gleiche Bild zu verschiedenen Texten (siehe Schwarz, Seite 19 und 25) verwandt wurde. Einige sind aber sicher für den besonderen Zweck hergestellt; etwa ein Mann mit einer verzierten Mazzah oder einer mit einem Bitterkraut in der Hand, die Familie am Sedertisch und ähnliche nur für die Haggadah geeignete Darstellungen. Gelegentlich dienten Arbeiten bedeutender oder bekannter Meister als Vorlage, so werden zum Beispiel die rechteckigen Felder mit je einer Figur ohne Hintergrundzeichnungen an die Spielkartenmeister erinnern. Der Zusammenhang mit den Spielkarten läßt sich auch für andere hebräische Bücher mit Bildbeigaben, zum Beispiel für die Estherrollen, belegen. Aus diesem stilistischen Zusammenhang gleich einen kulturellen zwischen Deutschtum und Judentum zu folgern, wie Schwarz es Seite 28 tut, dürfte reichlich gewagt sein. Wir sehen vielmehr, daß unsere jüdischen Meister, in ihrem Streben, gute Vorbilder zu benutzen, ihren christlichen Genossen aller Zeiten gleichen. Die erste Haggadah mit Flolzschnitten ist in erster Linie eine Weiterentwicklung der alten Haggadahhandschriften und hat in den weiteren illustrierten Haggadahdrucken ihre folgerichtige Entwicklung gefunden. Auch inhaltlich schließen sich die Prager Holzschnitte an die Handschriften an, von denen sie sich nur durch die feste Umrahmung einiger Seiten unterscheiden. Selbst zu dieser im Sinn der Stilwandlung liegenden Veränderung finden sich schon die ersten Andeutungen in der Münchner**) Haggadah, die überhaupt als Übergangserscheinung zwischen Handschrift und Druck und damit zwischen Mittelalter und Neuzeit die größte Beachtung verdient. °) Cod. hebr. 200, geschrieben von Joseph bar Ephraim, mit 23 Miniaturmalereien fränkischen Stils, 15. Jahrhundert. Siehe Lciclingcr, Verzeichnis der wichtigsten Miniaturenhandschriften, München 1912. Abbildungen siehe Rimon-Milgroim, 1923, Nr. 4. Menorah, 1924. T) Das Exemplar der Frankfurter Stachbibliothek -war mir leider zur genauen Durcharbeit nicht zugänglich. K) Die Nennung der Ausgaben erstreckt sich nur auf diejenigen, die sich im Besitz der Ges. /.. E. j. K. befinden, und macht keinen Anspruch auf Vollständigkeit. ¥f'f \ JO jT1 Äf ¥ Hübners Schloßhotel Kobenzl - Cafe-Restaurant - Wiens schönster Ausflugsort MV \J JLß JlL 1V £j Li - _ Herrliche Autostraßen - —= Autoverkehr Grinzing — Kobenzl eigener Regie zu ermäßigten Preisen

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