Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 4 (April 1924)
- Article
- Der Berg in der Wüste
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 13 (sequence 2)
- Language
- German
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13 DER JUNGE WÄCHTER: Was, Vater? Der starke Gewittersturm? Das Brüllen der Meere? Der Zusammensturz der schmelzenden Sonnen? DER ALTE WÄCHTER: Nichts von alledem. Ein viel Kleineres. Ein viel Größeres. Die innigste Inbrunst. Eines Menschen Glut. DER JUNGE WÄCHTER: Wann wird der Mensch kommen? DER ALTE WÄCHTER: Fern ist der Tag. Wehrend halten wir unsere Schilde. Ewig wurzeln wir in dem Fclsgrund. AHARONS STIMME: Herr! Herr! DER JUNGE WÄCHTER: Vater, eines Menschen Stimme brandet laut an clic Felsen, AHARONS STIMME: O Gott, o Gott, ich knice vor dir. Erhöre. Erhöre! DER ALTE WÄCHTER: Das ist der Ebräcr Aharon. Er kann nicht empor. DER JUNGE WÄCHTER: Vater, ich sehe einen andern Menschen am Fuße des Bergs. DER ALTE WÄCHTER: Das ist Mose. Noch denkt er an Frauen. Nie wird er opfern die letzten Spuren von Glück. Nie schlägt er clic Fäuste an Gottes Mauern. Immer liegt Gott im Schlaf! DER JUNGE WÄCHTER: Vater, der Jüngling stürmt hinauf den Berg, auf der Stirnc ein Leuchten. Morgenröte rauscht über die Erde. Es wird langsam heller. DER ALTE WÄCHTER: Nie wird ein Mensch die Mauer zerbrechen. DER JUNGE WÄCHTER: Vater, er bricht sich Balm durchs Gestein. Die Felsen weichen vor ihm. Eine Gasse öffnet sich mit Getöse. Lawinen stürzen ins Tal! CHOR DER WÄCHTER: Wanket nicht! Wanket nicht! DER JUNGE WÄCHTER: Tag wirds! Tag wirds! Meine Füße lösen sich. Ich werde frei! Frei! CHOR DER WÄCHTER: Wanket nicht! Wanke! nicht! Hallet die Schilde vor. Wehret die Schrecken ab. Weh! Weh! DER ALTE WÄCHTER schwankend: Um die Augen lagert sich Finsternis schwer. Durchlöchert ist der heilige Ring. Kein lebendiger Atem zuckt durch die Glieder der Kette. Weh! — Wieder in den Sturm des Entstehens? DER JUNGE WÄCHTER: Frei! Frei! O Jubel, o Freude. Die Sonne kommt. Entzaubert aufschweben. Was werd ich werden? Eine Wolke in der Luft? Ein Wiesel im Wald? Oder das herrlichste aller Wesen, ein Mensch, ein Mensch! Die Wächter sind gestürzt. Einer liegt quer überm Weg. wie ein gefällter Raum. MOSE laufend: Hinauf! hinauf! Wo ist der Wall Deines Himmels und das Tor Deiner Burg? Du mußt mir aufmachen. Ich werde anschlagen. Ich werde es aufsprengen. Gott, höre mich! ENGELSSTIMME klarer Sopran: Nahe nicht licrzu, ziehe die Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort, worauf du stehest, ist heiliger Ort. MOSE: Hier bin ich, Herr. Ich bin gerannt zu Dir, bedrängtgehetzt. Erlöse mich! DIE STIMME GOTTES: Erlöse Mich! Erwecke Mich In Meinem Volk! LEISE RUFE anwachsend zu jubelnden Chören: Gott ist erwacht! Gott ist erwacht! Gott sprach! Gott spricht! Gott lebt! Gott lebt! Gott lebt! MOSE sieht vor Colt. Wolken umziehen die Bühne. DIE JUBELNDEN CHÖRE dauern fort: Gott lebt! Gott lebt! Gott lebt! 2. Szene. Man sieht wieder den Abhang des Berges, tief von Nebel verhängt. Unten im fahlen Licht die Dämonen (melodisch abgestufte Frauenstimmen). Die Dämonen der Erde, kauernd wie gelbes Geröll. Höher oben hocken die blauen Dämonen der Luft. EI albverborgen die Dämonen des IVassers. Anfangs alles leblos. FERNE RUFE: Gott lebt! Gott lebt! Kurze Stille HARTE STIMME: Einer steigt herab vom Berg! EIN DÄMON DER ERDE horchend: Warum quillst du, Wasser? STIMME VON UNTEN: Es ist geschehn! DER DÄMON aufblickend: Warum zittert ihr, Lüfte? STIMME VON OBEN: Es ist geschehn. DER DÄMON: Der Boden tönt. DUMPFE STIMME: Der Erwecker ist nah. Die Dämonen beginnen sich zu rühren. DIE DÄMONEN: Erwacht ist der Ewige — Gott — der Herr! Wir müssen wachen! — Wir wollen nicht! Es kommt sein Schritt. Es klingt. Es glüht. Der Boden ist unser! — Das Wasser! — Die Luft! ALLE DÄMONEN: Ein Feind! Ein Feind! Laßt ihn nicht durch! Die Däninnen erheben sich, die nachschleifenden Flügel entfallend. DÄMONEN DER LUFT sich herabstürzend: Wir versuchen ihn! DÄMONEN DES WASSERS empor: Wir verblenden ihn. DÄMONEN DER ERDE: Wir verlocken ihn. ALLE DÄMONEN in wildem Tanz: Unser wird er sein! Der Tanz bricht ab. MOSE kommt herab aus dem Nebel: Uber mir. Über mir. Wachende Flamme. Ich lasse dich nicht. Zu den Dämonen: Gebt Raum! ALLE DÄMONEN: Zurück! DÄMONEN DER LUFT: Wir sind Gottes Atem. DÄMONEN DES WASSERS: Wir sind Gottes Strom. DÄMONEN DER ERDE: Wir sind Gottes Leib. MOSE: Ich bringe Gottes Wort! EIN DÄMON DER ERDE: Meister! EIN DÄMON DER LUFT: Sieger! EIN DÄMON DES WASSERS: Held! EIN DÄMON: Du bist geflogen ans Herz der Gottheit. Nun reichen wir dir den Preis. Alle Stimmen vernimmst du. Herrscher bist du. MOSE: Ich muß zu den Menschen! CHOR DER DÄMONEN: Bleib bei uns. EIN DÄMON DER LUFT: Du wirst schweben in der durchsichtigen Luft, goldene Schwingen an deinen Schultern, Paradiesvogclglanz in deinem hl aar. MOSE gebannt horchend: Wonncvoll ist das Wehen der Luft, Fließen des Wassers, Ruhen der Erde. DÄMONEN DER LUFT: Werde wie wir! Wehe mit uns! DÄMONEN DES WASSERS: Werde wie wir! Fließe mit uns! DÄMONEN DER ERDE: Werde wie wir! Ruhe mit uns! MOSE: Ich muß zu den Menschen.