Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 4 (April 1924)
- Article
- Der Berg in der Wüste
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 14 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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14 M E N O R A H ALLE DÄMONEN: Geh nicht! DÄMONEN DER LUFT: Menschen sind un- DÄMONEN DES WASSERS: Faulend. DÄMONEN DER ERDE: Verwesend. ALLE DÄMONEN: Bleib bei uns, dann wirst du unsterblich. Wir sind der ewige Urstoff der Kräfte. MOSE: Gott will nicht blinde Wucht! DÄMONEN DER ERDE: Mensch, ich verrchütte dich! MOSE: Gott will beseelte Kraft. DÄMONEN DES WASSERS: Mensch, ich ertränke dich! MOSE: Gott will Gestaltung! DÄMONEN DER LUFT: Mensch, ich zerslürnie dich! MOSE: Ich muf.i den Gott im Menschen erwecken. DIE DÄMONEN auf ihn eindringend: Tötet ihn! Tötet ihn! MOSE: Kniet vor der Seele! ALLE DÄMONEN weichend: Er ist der Mächtige. Beugt euch vor ihm. MOSE: Tragt mich, Knechte! DIE DÄMONEN: Weh. er tritt uns! Helft uns! Helft uns! Ihr Elemente! Du freie Erde, du freier Wind! UMRINGENDE STIMMEN: Rache! Rache! DIE DÄMONEN: Hört ihr? Sic hören uns. CHOR DER DÄMONEN: Dornen ritzt ihn. Schneide ihn, Frost. Schärft ihm Bitterkeit in die Adern! MOSE: Flamme, Flamme, ich lasse dich nicht. CHOR: Quellet, quellet freie Dämonen. Stärkt Pharao! Er wird dich zertreten! MOSE: Dürstend unendlich wartet ein Volk. CHOR: Lagert Stumpfheit über die Menge! Daß er verzage! Daß er verzweifle! MOSE: Beuge dich, Gott, in ermattete Scharen! DIE DÄMONEN wild: Immer wieder wirst du verraten! MOSE: Heben werd ich die Stirnen ins Helle. CHOR: Niemals, niemals wirst du's vollbringen! MOSE zerreißt die Kette der Dämonen: Schauen werdet ihr alle den Gott. Ab. Sturm verweht die Dämonen. 3. Szene. Die Szene verändert sich zum schmalen Platz vor der Stiege, die in den Palast Pharaos führt. Unten Volk in Erwartung. Ägypter und Ehräer getrennt. ERSTER ÄGYPTER: Hast du gehört von dem Erlaß, den der König gegeben hat? ZWEITER ÄGYPTER: Nichts habe ich gehört. ERSTER ÄGYPTER: Es geht gegen die Ebräcr. - :- ZWEITER ÄGYPTER: Das ist gut. Sie siad übermütig geworden. Ihr Rücken muß wieder krumm werden. Das alte Gesetz . . .? ERSTER ÄGYPTER: Es soll wieder erneuert werden. ZWEITER ÄGYPTER: Wehe den Neugeborenen der Ebräcr! Gruppe der Ebräcr. ERSTER EBRÄER: In großem Bogen weichen sie uns aus. ZWEITER EBRÄER: Sie umschleichen uns wie die Raubkatzen. STIMME VON DEN ÄGYPTERN: Habt Ihr heute Feiertag? ERSTER EBRÄER: Schau, wie er uns angrinst. Wie er sich freut, der Hund! ZWEITER EBRÄER: Wie Schlachtkälbcr auf dem Markt blicken sie uns an. ERSTER EBRÄER: Immer ist es etwas Böses, wenn die Ägypter lachen. Gruppe der Ä g y p t c r. ERSTER ÄGYPTER: Der König selbst wird das Gesetz verkünden. ZWEITER ÄGYPTER: Was fällt dir ein? Nie verläßt der König den Palast. ERSTER ÄGYPTER: Aber heute wird er heraustreten. VOLK sich ansammelnd: Der König? Der König? EINER AUS DER MENGE: Seit Menschengedenken ist das Tor verschlossen. ZWEITER ÄGYPTER: Der König ist nicht gekommen bei der Jubelfeier der Isis. DRITTER ÄGYPTER: Der König ist nicht gekommen, um zu den Göttern zu beten bei der großen Hungersnot. VIERTER ÄGYPTER: Der König ist nicht gekommen zum Leichenbegängnis seines Sohnes. MEHRERE ÄGYPTER: Unnahbar ist der König. ERSTER ÄGYPTER: Aber heute wird er heraustreten — zu Ehren der Ebräcr! Heute ist ein besonderer Tag. Alle Räte hat er bestellt. Lind den Scharfrichter hat er bestellt! Gruppe der Ebräcr zusammengedrängt. EINER: Sie werden uns erschlagen! SITRI: Volk, tu Buße! Volk, bete! DIE EBRÄER noch mehr geduckt: Zu wem sollen wir beten? SITRI: Zu eurem Gott müßt ihr beten! ARD: Wir wissen nichts von Gott. Der König ist mächtiger. Betel zum König! DIE EBRÄER: König, sei uns gnädig. Posaunen. DIE ÄGYPTER: Der König kommt. Der König! Der König! Die Torflügel zittern. Der König! Staub wirbelt auf. Schatten fällt auf die Bühne. CHOR DER DÄMONEN: Pharao, wehre dich! Pharao, waffne dich! Pharao, gürte dich! Mit Härte, Mit Trotz, Mit Entschlossenheit. Wir stehen dir bei, Unsichtbar. Das Volh hat eine Casse gebildet. Mose schreitet hindurch. Sein Haar ist Weiß geworden. MOSE auf der ersten Stufe: Pharao, mach auf das Tor! PHARAO tritt aus dem Tor. Das Volk beugt sich und bleibt gebückt. PHARAO: Was will der Mensch? EINER AUS DEM VOLK: Er ist deiner Schwester Sohn. PHARAO: Ich kenne ihn nicht. EIN ANDERER AUS DEM VOLK: Er ist ein Mörder! PHARAO: Von wo kommst du? MOSE: Ich komm vom Himmel. Entzündet bin ich von den Blitzen Gottes. PHARAO: Zittrc vor dem Glänze der Krone! MOSE: Ich zittre vor niemand. Ich will mit dir sprechen: Mann zu Mann. PHARAO: Knie nieder! MOSE: Ich knicc nicht. Ich bringe die Botschafl von einem Gotte. PHARAO: Um was bittest du? MOSE: Mein Gott bittet nicht! PHARAO: Was ist dein Wunsch? MOSE: Mein Gott befiehlt. PHARAO: Was begehrt dein Gott? MOSE: Mein Gott befiehlt: Du hältst ein Volk gefangen in deinem Reich. Entlasse es! PHARAO: Was? MOSE: Gib frei die Ebräcr. PHARAO: Freiheit? Wem? Diesen Tieren? MOSE: Es sind meine Brüder. Ich will sie lieben! PHARAO: Wie sie dich lieben, das wirst du sehen. Zur Menge: Höret auf mich! Merket auf das, was ich Euch verküjide. Grabt es ein in die erzenen Tafeln. Es ist Gesetz: „Die Söhne Jakobs, die unsere Sklaven waren, seit der Ahnen Zeit, die meine Knechte sind, die rechtlos sind, die jeder töten kann gegen Geld wie das Vieh auf dem Schlachthof. Frei sollen sie sein!" DIE ÄGYPTER: König, was tust du? — Uralten Brauch stößt du um. — Nie dulden das die Götter. -— Es ist das Ende des Reichs. — Ihre Diener werden wir. — Weh! DIE EBRÄER: König, göttlicher König! — Wir danken dir. — Wir küssen deine Füße. Wir küssen den Saum deines Kleids. Heil Pharao! MOSE: Herr, du beschämst mich. PHARAO: Schweig, und warte ab! Mit verborgenem Holm: Mein geliebtes, mächtiges Volk der Ebräcr! Frei sollst du sein. Ebräcr jubeln. Alle Würden sollt Ihr erreichen. Den Geringsten von Euch will ich erheben. Er soll mein Feldhauptmann sein, mein Schatzmeister, mein Siegelbewahrer. Er soll mein Kanzler sein! Murren bei den Ägyptern, Jubel bei den Ebräern. PHARAO: Doch die die Edelsten von Euch sind . . . Wer sind die Edelsten? EINZELNE DER EBRÄER vorstürzend, es werden immer mehr: Ich! Ich! Ich bin vom Stamme Lcvi! Ich bin Dan! Ich bin Juda! Ein Löwe ist Juda! Ich bin Rüben, der Erstgeborene! PHARAO teuflisch: Doch die die Edelsten von Euch sind — die mögen folgen diesem Mann in die Wüste! Die sollen dürsten für ihn! Die sollen hungern für ihn! Die sollen verschmachten für ihn! Sie sollen gründen mit ihm ein großes Reich in dem Sandmccr! Er tritt zurück, auf etne höhere Stufe, hoch aufgerichtet. Er gleicht irgendwie einem der Dämonen der früheren Szene. Ich sehe bleichen in der Sonne ein Feld von Gebeinen. — König soll er dort sein! 11'ohngelächtci der unsichtbaren Dämonen. Das Volk weicht erschrocken zurück- Mose rieht allein. V orhang. Die Buchausgabe des Mose-Dramas „Der Berg in der Wüste", aus dem wir das vorstehende Fragment abgedruckt haben, ist im E. P. Tal- Verlag in Wien erschienen.