Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Article
- Die Menorah des Chanukkafestes
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 4 (sequence 3)
- Language
- German
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MENORAH Bologna / Bronze / Gelbkupfer gefertigt worden zu sein. Von diesem älteren Typus gibt es ein sehr interessantes Exemplar hi Museum in Laibach, die enge Form des Dreiecks ist bereits durch zwei links und rechts angesetzte Kriegerfiguren gesprengt worden. Später hat man, dem Zeitgeschmack entsprechend, die Rückwand durchbrochen und Masken, Putti, Füllhörner und allerlei Bandwerk hinzugetan, dagegen Muschcldach und Bibelspruch fortgelassen. Von diesem jüngeren Typus lassen sich alle jene Menoroth ableiten, die stilistisch und im Formcnschalz deutlich als Vertreter der italienischen Renaissance zu erkennen sind (siehe Sammlung Guggenheim-Venedig, I. und II). Die italienischen Juden, meist Scphardim, standen in allen Kuustschöpfungen ihrer Umwelt weniger fern als etwa die deutschen, deshalb dürfte das Urteil „unjüdisch" im Katalog der A. J. H. E. bei Nr. 1911/12 etwas einseitig sein. Außerdem handelt es sich bei den Putti, Delphinen, Medusenhäuptern, Nymphen, Zentauren und anderen Fabeltieren um einen Dekor der Zeit, bei dem sich kein Mensch der Renaissance etwas anderes dachte als wie bei Bandwerk (Sammlung Guggenheim, II. Mitte), wie es auch gelegentlich vorkommt. Diese Bandwerkverzierungen führen vielleicht zu der Vermutung, daß es sich hier um aschkenasische Arbeiten handelt, zumal davon viel weniger Stücke bekannt geworden sind (für die sephardischen siehe A. J. H. E. Nr. 1717, gezeichnet „Percha"). Leider fehlen alle Anhaltspunkte, um diese naheliegende Hypothese zu erhärten. Die rcnaissancistischcn Stücke gehören ausnahmslos nach Italien, wo sie vom Anfang des 16. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts angefertigt wurden. Die ältesten zeigen noch strenge Dreiecksform, die sich nach und nach auflöst, um einem liegenden Rechteck den Vorrang zu überlassen. Für diese Art ist die Menorah im Turiner Museum das markanteste Exemplar; die Rückwand schmücken in der Mitte Putten mit einer Vase, ein paar Delphine mit Menschenrumpf, ein Füllhorn im Mund, und Karyatiden — rechts mit Schammcs — zur Seite (Mitt. III TV, S. 43). Im Verlauf der Entwicklung wird aus dem liegenden ein stehendes Rechteck mit rundbogigem oberen Abschluß, der Dekor verändert sich wenig: Genien mit Palmzweigen, Engel mit Wappen, Kronen, Drachen, Blumen, Füllhörner, Löwenmäuler, Blumenvasen, später treten Bandwerk und Draperien hinzu. Damit sind wir bereits bis zur Mitte des 18. Jahrhun- Rückwand einer Menorah; Eisen, bemalt Florenz Back part of a Maceabaean lamp paitHeti iron derts gelangt und haben Italien vcrkisscn, denn diese Stücke finden sich auch in 1 lolland und England, also im außeritalienischen, doch noch in scphardischcn Gebieten. Bevor wir jedoch eine andere Typenreihe verfolgen, scheint es erwünscht, ein spätes Werk der jüdischen Volkskunst Italiens zu betrachten, das sich früher in Florenz und jetzt in der Sammlung Kirschstci.i- Berün befindet. Dort tritt zu den bekannten Motiven ein Springbrunnen, der von Flügelpfcrden getragen wird und aus dem Drachen trinken. Der Brunnen des Lebens ist ein bekanntes und oft dargestelltes Symbol der Thora, die Anbringung an der Menorah erinnert an die Stelle Prov. VI. 23, die wir schon kennen; die Drachen dürften a's Personifikation der Kirche anzusehen sein, deren Anfeindungen die Juden Italiens noch länger als die anderen Juden ausgesetzt waren. Kehren wir nun zu unseren mittelalterlichen Menoroth zurück, deren Dreiecks form schon in der Frührenaissance durch Einfügung wagcrechter Streifen, die im Verlauf der architektonischen Maceabaean lamp Menorah Frankfurt n.M. \TM) '«eli iebenes Silber ,'chased silver Bologna / Brorze Gclbkupfcr Entwicklung auftreten, durchbrochen wird. Die Stiaßburgcr Sammlung besitzt von diesem Typus verschiedene Stücke, von denen eines, wie ein ähnliches bei Guggenheim, bereits deutlich Rustika zeigt; ein anderes hat schon die Scitcnlüimc, die s-pätcr im Barock eine große Rolle spielen. Alle Menoroth in Straßburg haben noch den ans Dreieck erinnernden Aufsatz über dem Rechteck, der bei den beiden Leuchtern bei Guggenheim weggefallen ist. Aufgesetzte Säulen sind neben Kronen, Bandwerk und Blumen der hauptsächlichste Schmuck im 1 7. Jahrhundert, daneben besonders im Beginn des 18. Jahrhunderts kommen in Holland und Deutschland getriebene, eingravierte und aufgesetzte Figuren vor, deren vollendete Gestaltung auf gute Vorlagen schließen läßt. Moses und Aaron zeigt die Menorah A. J. H. E. Nr. 1903. Nr. 1743, dazu noch cLn siebenarmigen Leuchter und Judith und 1 Iolofernes, die sehr häufig die Rückwände schmücken. Hin und wieder steht an Stelle des Holofcrncs ein David, wie denn Kriegcrfiguren überhaupt ein beliebter Schmuck der Menorah sind. Es sind auch Motivverwcchslungcn vorgekommen, statt Judith und Holofcrncs findet sich Justitia und Fortuna. Zugleich mit diesen biblischen und nachbibüschen Motiven taucht die Darstellung des siebenarmigen Leuchters zuerst auf, die später fast stets das beherrschende Emblem wird, wie wir noch sehen werden. Moses und Aaron und der siebenarmige Leuchter lassen sich leicht mit den Erzählungen des Chanukkafcstcs zusammenbringen. Judith und Holofcrncs gehen auf einen Midrasch zurück, der aus der Makkabäcrzeit von der Tochter des Hohenpriesters eine, der Juclither/ählung ähnliche und später scheinbar mit dieser vereinigte Geschichte berichtet. Damit gelangen wir zu den Heldensagen, die zur Darstellung von David und den Kriegerfiguren Anlaß gaben; dazu mag auch das Bild Simsons mit dem Löwen gehören, das sich auf der Menorah A. J. H. E. Nr. 1740 findet. En anderes Gebiet wird über das Ölwundcr hinzugebracht, Elijah der Prophet vollzieht auf dem Stück der A. J. H. E. Nr. 1720 das Ölwundcr bei der Witwe, auf Nr. I 737 wird der Prophet von den Raben mit Nahrung versorgt. Die Lust an künstlerischem Gestalten ist den Juden aho keineswegs so fremd, wie bisher angenommen wurde. Sie werden durch die gr?ßv<i Meisterwerke ihrer Zeitgenossen reiche Anregung erhalten haben (Ähnliches wissen wir von