Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Article
- Die Menorah des Chanukkafestes
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 2)
- Language
- German
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3 MENORAH From thc collcction Sammlung Figdor-Wien längst für weltliche Kunstübung außer Gebrauch gekommen waren. Mögen die Juden auch alle Zeit -weil konservativer als die Umwelt gewesen sein, eine Tatsache, die sich nicht nur aus ihren künstlerischen, sondern auch aus ihr^n religiösen und philosophischen Schöpfungen beweisen läßt, sie zeigen in dem konservativen Zug ihrer Sakralkunst keine so erhebliche Besonderheit. Dem Forscher ist es jedoch keineswegs möglich, bei dem Hin- und Herwogen eine endgültige örtliche Fixierung der bekannten Objekte zu versuchen, wie sie etwa für die Beschäftigung mit den hebräischen Buchstaben teilweise angängig ist. Wenn auch die Stil formen stets eine gewisse Übereinstimmung mit denen der Wirtsvölker zeigen, so haben berühmte Typen aller Orten Nachahmer gefunden, abgesehen von Schenkungen und Verkäufen, die besonders in den letzten hundert Jahren die Spuren oft völlig verwischt haben. Bei diesem ersten Versuch, die Entwicklung der Menorah darzustellen, muß dcfihalb von der Aufgabe selber ausgegangen werden. An den vorhandenen Typen läßt sich erweisen, wie die Menorah von der einfachen Wandlampe zum reichverzierten Prunkgerät wird, ein Werdegang, der mit den wenigen zuverlässigen Datierungen und Lokalisierungen, die bisher vorliegen, sehr wohl übereinstimmt. Aus den liturgischen Bestimmungen und den religionsgesetzlichen Verfügungen geht hervor, daß die Menorah hauptsächlich ein häusliches Kultgerät ist; von diesem soll zuerst die Rede sein. Die gestellte Aufgabe ist durch die gebotenen acht Lichter und dem hinzuzufügenden Schammes10) gegeben, sie wird durch die Anforderung, die Lichter der Umwelt möglichst sichtbar zu machen, erweitert; es tritt zu den acht Brennern und dem höher anzuordnenden Schammes ein Lichtschirm hinzu. Auch über das in Frage kommende Material sind wir durch die Ritualvorschriften orientiert. Ton soll vermieden werden, weil er bereits nach einmaliger Benützung unansehnlich wird, und deshalb sei jedesmal eine neue Lampe zu verwenden; ein Verfahren, das etwas zu kostspielig sein dürfte. Wer dazu imstande ist, soll möglichst zur Ausübung des religiösen Gebotes ein edles Metall wählen, zur Ehre des Gesetzes und des Tages. Es sind dementsprechend Lampen aus Ton nur selten verwendet worden; einige wenige Exemplare aus ziemlich unwissenden Landgemeinden im Flcssischcn haben sich 10) Dient zur Beleuchtung bei Hantierungen im Umkreise der Menorah, damit deren Licht nicht zu profanen Zwecken benutzt wird. erhalten. Sie sind ähnlich wie die Tintenfässer der bäuerlichen Töpfereien gestaltet, zeigen bisweilen auch die gleichen, also christlich-profanen Verzierungen und fallen nur durch die derbe Arbeit und Glasur auf. Die meisten Lampen sind entweder aus Bronze oder Gelbmctall, seltener aus Zinn oder Silber hergestellt. Dieselben Typen bestehen einmal aus diesem, ein anderes Mal aus jenem Materia!, so daß nur de; Befund am Original eine genaue Ermittlung gestattet; leider müssen meist Photographien benutzt werden, weil die Originale über die Museen und den Privatbesitz der ganzen Erde verstreut sind. Immerhin kann man sagen, daß die gegossenen Lampen fast immer aus Bronze, Gelbiv.cUill oder Zinn sind: die Zinnlampen haben niemals durchbrochene Rückwände, die bei denen aus Bronze und Gelbmetall sehr häufig sind. Getriebene Rückwände pflegen aus Silber, seltener aus Bronze oder Gelbmetall zu sein, aufgesetzte oder angefügte Figuren sind allerdings meist gegossen, gleichgültig, welches Material verwendet wurde. Aus Palästina ist bisher keine Menorah bekannt geworden, denn die achtschnäuzige Tonlampc aus Jerusalem, die in der Jew.-Encycl. abgebildet ist, hat keinerlei jüdische Embleme, die auf eine speziell jüdische Benützung hinweisen. Über ihren Fundort ist nich's bekannt; es liegt also kein Grund vor, diese Tonlampe nur der »cht Brenner wegen für eine Menorah zu halten. Gegen die Annahme, daß es sich um eine Menorah handelt, spricht aber das Material, das im späten Altertum, aus dem die Lampe stammen dürfte, im Talmud nicht gerade als empfehlenswert bezeichnet wird, wie oben angeführt ist. Aus dem babylonischen Kulturkreis und aus dem asiatischen haben sich bisher ebenfalls keine Chanukkalamp;n gefunden, bei einigen frühen Stücken kann man eine spanische Provenienz in Betracht ziehen. Über die frühen aschkenasischen Menoroth sind wir auch nur durch wenige Stücke unterrichtet, erst aus den späteren Perioden haben sich mehr Exemplare erhalten: soweit es möglich ist. wird jedesmal über die Herkunft berichtet werden. Ein Unterschied zwischen sephardischen und aschkeaasischen Lampen wie zwischen anderen Kultgeräten beider Gruppen hat sich bisher noch nicht gezeigt, allein in Holland scheint man bei Anordnung der Brenner gelegentlich statt der geraden Linie eiivn Halbkreis benutzt zu haben (siehe A. J. E. H. Nr. 1731 und 174 3). Die einfachste .Menorah ist ein Step, auf dem die acht Lampen angebracht sind, eine Schutzvorrichtung zum Auffangen des hcrabtropfendeu Öls ist bereit? vorhanden, die Rückwand fehlt. (Nat-Mus. Wash., Nr. 112.) Die früheste Form der Rückwand ist ein Dreieck, sie findet sich bei der Menorah A. J. I I. E. Nr. 1914, die aus dem 13. Jahrhundert stammen soll und in Lyon") gefunden wurde. Die Rückwand schmückt eine randfensterähnliche Dekoration, unter der eine l ensteireihe zu erkennen ist. Die vorhergehende Nummer A. J. I i. E. Nr. 1913 trägt den Spruch aus Prov. VI. 23: „Denn eine Leuchte ist das Gebot und die Lehre ein Licht"; im übrigen ~änd beide Stücke vom gleichen Typus. Plündert Jahre jünger ist die Lampe in der Sammlung h igclor-Wicn, die drei Medaillons zeigt, im oberen ist eine Art Drachen, in den beiden unteren je ein Löwe, darunter ist der Spruch aus Prov. VI. 23, unter diesem eine Säulenstellung. Eine Bereicherung der Form findet sich bei einer dreieckigen Rückwand, die die gerade Randung gegen eine etwas geschwungene Begrenzung vertauscht. Der Dekor ist hier stets gleich, unter einem Muscheldach steht stets eine Vase, aus der eine Flamme emporzüngelt, zur Seite je ein Löwe, darunter der Bibelspruch. Diese Stücke finden sich in vielen Sammlungen (zum Beispiel \. J. I I. E. Nr. 1913 in Berlin und bei Guggenheim), sie scheinen im 16. Jahrhundert in Italien ") Bei Datierungen und Lokalisierungen bleibt die Möglichkeit spaterer stilgerechter Kopien, die auch a. O. hergestellt sein könnten, unberücksichtigt. From the collcction Guggenheim-Venedig Sammlung