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Menorah · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Letters of a Young Farmer from Palestine ; Briefe eines jungen Farmers in Palästina
Date
1923-01-01
Page
Seite 13 (sequence 2)
Language
German
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13 MENORAH T scliaft. In zweiter Linie natürlich der Anfang, nicht nur für mich, sondern für die ganze Kolonie. Aber das wird sich ja wohl geben, und eines bleibt: eine Arbeit, die mir mehr Freude macht als sonst irgend etwas auf der Welt, und in die mir außer dem lieben Golt niemand was dreinzureden hat. Last not least, das Besitzgcfühl. Ein nettes Häuschen, guter Stall, vorzüglicher ßoden, vom Lebendigen leider bisher nur Hühner und ein Maultier. Aber es wird nicht lange dauern bis zu den Kühen. Unterwegs, 6. März 1923. Liebste Eltern! Alles in bester Ordnung. Reise mit dem Agenten, der uns die holländischen Kühe hätte kaufen sollen; aber er kam zu spät, hat also keine gekauft. Der Kuckuck soll das holen, das bedeutet erst nächstes Jahr welche. Hunde in Ordnung, werden allerorten bewundert. Aber die Spesen sind unerhört hoch- * Benjamina, 10. März 1923. Liebste Eltern! Gut angekomen, aber in trauriger Stimmung. Hoffentlich geht das in paar Tagen wieder vorüber: ich bin eben ganz allein, habe niemand im Haus. E i n s t c i n1") war in Daganiah. Er fragte eine junge Frau: „Wie ist hier eigentlich das Verhältnis von Männern und Frauen?" Errötend stammelte das junge Geschöpf: „Wie meinen Sic? Zwischen den Verheirateten? Jeder hat nur eine Frau!" Darauf Einstein: „Wir Mathematiker sind nicht so indiskret. Ich meinte das Zahlcnverhältnis." Erkundigte mich nach den Kosten des Anbaues. Veranda 4X4, Bad 1X3 und Küche 3X3 — entsetzlich: gegen 150 Pfund. Ich tue also vorläufig gar nichts. Wir haben schon einen Bäcker. Arbeiterkonsumverein kommt diese Woche. Kein Schochcl17) — nach einem schweren Kampf. Wetter wunderschön, ein klein wenig warm bereits. Alles voller Blumen. Alle Kolonisten haben geheiratet, während ich bei Euch war. Das reine Heiratsnest. Nur vier sind noch ledig. Habe unvorsichtigerweise einen kleinen Blumengarten angelegt, den haben in meiner Abwesenheit die Hühner aufgefressen. Mache nächstens einen Zaun. Und Hühnerhof. Und Flühnerstall. Heute fange ich an, 1 Dunam Tabak zu bauen. Eine Kuh der Holländer hat abgekalbt. Ein herrliches Sticrkalb von 40 kg. Sie gibt 20 1 Milch täglich. Nach Pcssach1*) schneiden wir Heu. Die Hühner sind brav, obwohl dezimiert. Nur 30 Eier täglich. 4 Glucken sitzen, der letzte Inkubator kein besonderer Erfolg. Werde zufrieden sein, wenn 5^"' schlüpfen. Alles Leghorn und Rhode Islr aber nur 250 Eier. Gladiolen, Tulpei , Schwertlilien, Anemonen und unzählige mir unbekannte Blumen blühen. 31. März 1923. Liebste Eltern! Vielen Dank für Eure lieben Wünsche. Einer davon ist schon in Erfüllung gegangen, ich fühle mich nämlich wieder sehr, sehr wohl und bin sehr optimistisch. So ein bissei Arbeit wirkt Wunder. Habe 3/» Dunam Tabak und Sonnen frucht gebaut, jetzt geht es ans Heu. Dann kommt eine schwierige Sache: Kuhkauf. Das Geld fliegt. Ein Schuppen, ein zweiter Flühnerstall, Drahtzaun, Rohrleitung, Stallcinrichtung. Na, das ist das erste Jahr, tröste ich mich immer. Zum Seder1") bin ich bei den Holländern eingeladen. Wird sicher sehr nett sein. Dir, lieber Papa, die besten Wünsche zu Deinem Geburtstage. Wie schade, daß Du nicht hier sein kannst! Du hast das Fleuen in Europa immer so gern gehabt, hier wäre es Dir ein Fest, wo man sich wegen des Wetters nicht zu sorgen braucht. Hier alles beim alten, nur daß ich mich so allein fühle. Das ist ein bißchen schwierig. Habe Bäume gepflanzt: Robinia pseudoacacia, Washingtonia, Maulbeerbäume und Olivenbäume; in zehn bis fünfzehn Jahren werden wir Schatten haben. Ich wollte noch vielerlei pflanzen, aber erstens ist es schwer zu bekommen, und ich habe auch keine Zeit, da ich ganz allen bin, die Sache zu besorgen. 4. April 1923. Liebste Eltern! Eine angenehme Neuigkeit: Personen f ahrkarten auf den palästinensischen Bahnen sind um 50% billiger geworden. Es war hohe Zeit. Wir haben jetzt vier Züge täglich. Ich habe jetzt einen Burschen, Paul Rothschild aus Stettin. Wir verpflegen uns selber. Eier, Käse, Milch und Brot als solider Untergrund. Momentan verregnet das Heu mit Glanz — ein richtiger Winterregen geht draußen nieder. Und ich war schon so sicher! Seder war bei den Holländern sehr nett, wenn auch zwanglos. Das heißt, es wurde alles richtig gemacht, es fanden sich zwei Spezialisten, die sogar herrlich sangen, aber nachher wurde ein Volksfest daraus. Momentan Zorcs: Bauarbeiten im Stall. Hühner sehr brav. Vor kurzem 42 Eier von cbensovielcn Hennen. 120 reinrassige Kücken, schön und gesund. * Benjamina, 6. April 1923. Liebste Eltern! Floch'-'") bringt gute Sachen, eine Menge Geld, sich selbst und gute Nachrichten. Vielen herzlichen Dank. Wie ich voraussagte: die Wirtschaft schluckt. Hühnerstall, Kuhauslauf, Moskitonetze vor die Fenster, Geräte, Eisenzeug, Drahtnetze, Kückenauslauf — das Rädel dreht sichL'1). Vielleicht kaufe ich auch eine Drillmaschine, erster Güte, ungebraucht, kostet in Deutschland 25 Pfund, für 5 Pfund. Außerdem denke ich an zwei Pferde anstatt des einen Maultieres, Stuten, so daß es auch Fohlen gibt und es leichter ist, allein zu arbeiten. Der Milchverkauf ist organisiert (provisorisch, bis unsere Molkerei arbeitet), die Preise sind zwar nicht hervorragend, aber es geht; leider ist durch das unerhörte Wetter das Heu verregnet. Gestern holte ich mir von J. J. die Kochkiste, die ich ihr seinerzeit mitbrachte. Ich brauche sie und sie nicht. Es ist noch lange nicht alles, wie es sein soll, aber ich bin froh, daß ich mich vor nichts fürchte. Jetzt mehr über die Kühe. Ich habe die billigste holländische Kuh gekauft, die überhaupt zu haben war: 48 Pfund. Der Kauf ist ein wenig gewagt, aber ich habe doch 8 1 Milch täglich und hoffe nächstes Jahr auf 20. Es ist ungeheuer viel zu tun und natürlich alles auf einmal. Eine sehr große Schwierigkeit ist es, daß ich nicht für einen einzigen Tag fort kann, ohne einen schweren Verlust zu haben, das ist eine schwere Sache. Auch die Feldarbeit leidet natürlich in einem solchen Falle, aber das wäre noch eher zu ertragen. Ich hoffe, ich bekomme jetzt bald die Grabncr-Kettcn'":'), nicht? 10. April 1923. Liebste Eltern! Habe schon zwei Kühe und ein Kalb und eine Menge Zores. Bin aber trotzdem in bester Stimmung. Gesund wie mein Maultier, habe mich niemals wohler gefühlt. Paul R. ist ein Juwel, dazu ein sehr lieber Hausgenosse. Die holländische Kuh hat leider (das erste Kalb) abortiert. Im August werde ich sie zum Stier bringen. Die Kuh, die ich aus Beirut habe, gibt gar keine Milch, obwohl es sicher noch vier Monate dauern wird, bis sie kalbt. Bitte um zwei Lampen mit zwei Rcservedochten zum 500er Wasserbrüter von Nickeil, Brauche sie zwar erst im Oktober, aber das zieht sich doch immer. Den Kindern schicke ich durch Floch vielleicht ein Chamäleon'1), das ist zum Totlachen. Hatte schon eine Schildkröte gefangen, sie ist aber wieder durchgebrannt. Arbeitseinteilung: Wir kochen zusammen, aber herrlich. Paul besorgt Pferd, Wagen, Feld (wobei ich noch helfe, wenn ich Zeit habe), ich den Hof. Alles in bester Gesundheit: Hühner, Kühe, Kalb, Muli, Hund. Habe Zores mit dem Stall, ich mache nämlich die Inneneinrichtung fertig und habe dabei mit Flandwerkern zu tun. Keine ungemischte Freude'-''). Trotzdem geht alles seinen Gang. Habe die Zimmer geweißt — nach, anstatt vor Pessach-'") — und alle finden es bei mir sehr nett. Langsam wird alles werden. Lieber Papa, während ich schreibe, kommt Dein Brief mit dem Dir übermittelten Antrag, ich möchte in Kleinasien zwei Kolonien übernehmen gegen eine eigene Farm und Gehalt. Die Frage ist durchaus keine leichte und sollte mich viel Nachdenken und Überlegung kosten. Ich freue mich, sagen zu können, daß dies nicht der Fall war und auch nie der Fall sein wird, wenn sich eine solche Sache wieder ereignen sollte. Ich habe meine Laufbahn gewählt. Du weißt, daß ich, wenn ich auf eine materiell gute Stelle ausgegangen wäre, sie immer hätte haben können hier in Palästina. Und wenn mein Sinn auf Geld gerichtet wäre, so hätte ich mir mehr verdienen können als in einer holländischen oder englischen Kolonie, besser gesagt, als meine ehemaligen Kameraden in Deutschland. Vielleicht sogar in Österreich, wo die Landwirtschaft jetzt einträglich ist. Es wäre mir gut gegangen, und ich hätte zu Hause bleiben können. Aber das war nicht mein Streben. Ich wollte meinen eigenen Grund und Boden haben, und zwar in Palästina. Du wirst Dich erinnern, daß ich Dir immer sagte, wenn das nicht möglich sein würde, würde ich Palästina verlassen. Aber es ist möglich geworden. Es ist vielleicht schwerer als anderswo, aber ich glaube daran. Ob ich recht oder unrecht habe, wird sich zeigen. Heute weiß das niemand, ich vielleicht weniger als andere. Gerade jetzt ist meine Lage doppelt schwierig: es ist das erste Jahr, es ist zu investieren, zu organisieren, alles noch neu. Hochfeine Stoffreste >-&sS^* Kann & Fried SWE

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