Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Letters of a Young Farmer from Palestine ; Briefe eines jungen Farmers in Palästina
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 1)
- Language
- German
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12 MENORAH * Letters of a Young Farmer from Palestine / Briefe eines jungen Farmers in Palästina (Fortsetzung und Schluß) 8. Dezember 1922. Liebste Eltern! Endlich Nachricht -von Euch! Weiß der Kuckuck, jedesmal spüre ich erst, daß ich ängstlich werde, wenn ich Euren Brief habe und mich erleichtert fühle. Hier geht 's so wiggel-waggel1-) mit der Arbeit. An einem schönen Tag (das heißt, bei trockenem Wetter) muß man um 4 Uhr draußen sein, füttern, putzen, frühstücken, Saat vorbereiten und aufladen, und wenn es gut geht, ist man bis 5 Uhr auf dem Felde, wenn es schon dämmert. An Regentagen gibt es vorderhand noch viel Arbeit in Haus und Hof, später wohl im Garten. Heute zum Beispiel habe ich das Magazin eingeräumt: Pferde- und Hühnerfutter, Geräte, Eierschrank, selbstgezimmerten Werkzeugschrank und Tisch; morgen kommt der Inkubator dran. Ebenso Vorräte und Koffer. Dann der Stall. Nur gibt 's leider noch keine Kühe. Jetzt muß ich dem Muli was herrichten. Klee und Wickefutter sind schon im Boden, jetzt kommt noch Wicke für Saat, Wickhafer für Fleu, Gerste und ein bißchen Weizen. Damit ist die Winterfrucht erledigt. Das bewässerte Land haben wir leider noch nicht bekommen, und so muß ich die Grassaat für den Frühling verschieben. Es ist schrecklich, aber da läßt sich nichts machen. Beim Garten sind Unkrautschwierigkeiten, die sich nur im Laufe der Zeit werden beheben lassen. Der Inkubator von Nickerl arbeitet sehr gut, aber leider mußte ich viele arabische Eier kaufen: 74% unbefruchtet. Habe sie mit kleinem Verlust weilerverkauft. Die befruchteten kommen in etwa 10 Tagen heraus. Von eigenen Eiern, trotz Winter, nur 2% unbefruchtet, Leghorn — arabisch gemischt. Habe wieder Aussicht, zu guten Bedingungen Leghorn, Rhode Island, Peking und Rouen-Rassebruteier zu bekommen. Im Waad gibt's auch noch Arbeit, aber es wird trotz aller Schwierigkeiten immer das Laufende erledigt; zu irgendwelcher Initiative wird's wohl erst kommen, wenn wir erst etwas fester hier sitzen. Projektiert sind: Filiale des Arbeiterkonsumvereines unter unserer Kontrolle, Bäckerei, Molkerei wird gebaut, Apotheke und Sanitär sind da, auch Spital (Arzt aus Sichren Jakob), Schomer und Gemeindesekretär detto, Postfrage läuft, und ein Hotel ist in Aussicht. In meinem Zimmer sind die Wände voller Bilder, aber wenn jetzt der Inkubator hinauskommt, wird es leer sein; der ist direkt ein Schmuckstück. Ich werde mir einen Schreibtisch fabrizieren, wenn es wieder regnet. Den Hühnern geht es gut; außer den Kalifornicrn bin ich auch hier der einzige, der Eier hat. * 25. November 1922. Liebste Eltern! Wir sind mitten in der Bestellung, das erklärt alles. Stehen um 4 Uhr auf, kommen um 6 Uhr nach Hause, dann gibts hundert Kleinigkeiten zu erledigen, wir essen, und um '/i'9 wird schlafen gegangen. Den Grassamen habe ich heute bekommen, gerade noch zur rechten Zeit; freue mich riesig damit. Vielen Dank. Die Arbeit gut, das Muli ist sehr zufriedenstellend. Nur kommt man noch immer nicht in Ordnung, leider. Getreidemagazin \md Stall werden zementiert, Wasser geht noch nicht regelmäßig, so daß ich sehr oft welches führen muß, und es ist wenig Platz. Es ist auch noch kein Geschäft da, und Sichron Jakob ist eine Stunde weit entfernt. Auch mit der Post klappt es nicht, ich bekomme wenig Briefe, es geht sicher viel verloren. Die Briefe kommen entweder direkt von der Bahnstation oder sie gehen nach Sichron Jakob oder Schuni, oder es nimmt sie wer mit und vergißt sie abzugeben. Übermorgen werde ich Klee versäen. Bin froh, daß noch keine Kühe da sind, könnte sie noch gar nicht brauchen. Es ist ein Glück, daß die Bahnstation so nahe ist. Unser Boden ist sehr gut, aber nicht ordentlich bearbeitet, man müßte eigentlich viel auf Sommerfrucht lassen, aber wir werden Heu und Futter brauchen. Schwierigkeiten gibts genug, aber es ist doch ein großes Vergnügen. Die Hühner sind glänzend, legen verhältnismäßig noch besser als im Sommer. Gar keine Verluste. Mit Elektrizität geht es langsam weiter, aber klein natürlich. Eine 1000 HP-Station, Diesel, wird dieser Tage in Tel Aviw fertig. Bin sehr optimistisch, was die Zukunft Haifas betrifft. Und Ihr wißt, ich bin doch sonst prinzipieller Pessimist. Die Lage am Karrnel herrlich, eine Straße ist schon gebaut, eine weitere Verbindung wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Baumaterialien werden täglich billiger, nur Mieten sind kolossal hoch, zeigen trotz der Bauwut keine Tendenz zu fallen, nicht einmal in Tel Aviw. Hier ist es schon hübsch kalt, wir haben aber trotzdem eben erst noch Fliegen erschlagen müssen. Die Arbeit schreitet glänzend fort, und ich habe trotz aller kleinen Ärgernisse noch keine schlechte Stunde hier gehabt. * 23. Dezember 1922. Liebste Eltern! Habe schon längere Zeit nicht von Euch gehört, und dies sowie die Arbeit sind s*chuld daran, daß ich erst jetzt schreibe. Ein Tagesprogramm will ich Euch nicht schicken, erstens damit Ihr nicht erschreckt, zweitens weil die Saatzeit ohnehin bald zu Ende ist und es dann ja leichter wird. Den Klee haben die Vögel aufgefressen, und ich war schon entschlossen, Wickhafer drauf anzubauen, als doch noch etwas herauskam. Freudige Überraschung, obwohl es nicht gerade ein herrliches Feld wird. Wickhafer und Gerste gehen schön auf, Weizen eben erst versät. Die Hühner benehmen sich sehr anständig, 15 Eier täglich. Von 120 Eiern sind 94 Kücken da, und bald kommt die zweite Partie. Sowohl Nickcrl - Inkubator wie Glucke arbeiten ausgezeichnet. Sobald Bestellung vorüber ist, fahre ich eine oder zwei Kühe einkaufen. F. war hier und brachte mir Teppich, Polster und die anderen guten Sachen. Tcppich und Polster bilden mit dem Liegestuhl ein herrliches Sofa, Torte und Bonbons sind den Weg alles Irdischen gewandelt. Von der Torte bekam übrigens auch mein ehemaliger Chef S. zu kosten (er war zu Besuch hier) und erkannte sie sofort als nicht — palästinensisches Fabrikat. Vielen herzlichen Dank! Nun zur Beantwortung Eurer Fragen. Inkubator ist in einem dem Stall angeschlossenen Raum, Zugang zum Hof, untergebracht. Garten mit Stacheldrahl unizäumt, Hof noch nicht (bekommt später Drahtgitter). An den Gebäuden ist die Handwerkerarbeit leider schlecht; habe vieles schon gerichtet. Hühner habe ich jetzt 100, Eier 20 täglich, Kücken 90. Schomer1;!) wird von der Kolonie gehalten; außerdem geht jede Nacht der Reihe nach ein Kolonist auf Wache. Fauna wie in Chederah. Mehr Wildschweine als dort. Wasser tadellos; Gemüse beziehen wir aus Schuni. Zur Jagd jetzt wenig Zeit. Das nächste Araberdorf ist l'/s Stunden (zu Fuß) entfernt. Eine Henne habe ich zwangsweise auf 10 eigene Enteneier gesetzt. Habe nur noch ein paar Dunam zu versäen. Allerdings beginnt damit eine neue Sorge, nämlich, was für Arbeit dann das Muli machen wird. Lohnarbeit ist momentan keine, Mist ist noch keiner da, und so besteht die Gefahr, daß es wird stehen müssen. Gestern habe ich eine holländische Jungkuh bestellt. Die Kuh, die voriges Jahr 80 Pfund gekostet hätte, kostet jetzt (so sehr haben sich die Verhältnisse geändert) 45 bis 50 Pfund; in Beirut sind dagegen Kühe kolossal teuer (70 Pfund), außerdem die Grenze augenblicklich gesperrt. Im Lande selbst bekäme man nur minderwertiges oder krankes Vieh zu kaufen, da bei der gegenwärtigen Milchkonjunktur niemand eine gute Kuh verkauft. Daher habe ich meine Ansicht, daß es sich nicht lohnt, holländische Kühe zu importieren, geändert. Struck14) läßt sich Euch bestens empfehlen. Die W. C.-Frage hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Bitte, schickt keines. Ich baue eben ein Klosett mit Grube (zementiert) im Hof beim Stall. Eines beim Haus müßte gemauert sein und Ziegeldach haben, würde also zuviel kosten. Vielleicht später. Bewässertes Land leider noch nicht aufgeteilt; übrigens werden es wohl nur 6 Dunam zur beliebigen Benützung sein, auf 16 Dunam will die Ica unbedingt Luzerne haben. Die Kameraden hier haben amerikanische Hearst-Inkubatorcn, 12 Pfund für 60 Eier- Inkubator, gekauft; sie funktionieren aber schlechter als der Nickerische 500-Ricsenbrütcr für 15,/l. Pfund. In Nuris wird ein 5000-Riesen- Nickcrl-Brüter1'') aufgestellt! 4. Jänner 1923. Liebste Eltern! Nicht viel Neues zu berichten. Ich kämpfe mit dem Objekt und seinen Tücken, bin mehr oder weniger mein eigener Herr und habe als solcher zu der Arbeit noch eigene Sorgen. Die größte ist natürlich materieller Art, wie immer: eine elende Konjunktur und eine betriebswissenschaftlich nicht allzu gesund basierte Wirt-