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Menorah · 1923-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 2-3
Article
Lettres of a Young Farmer from Palestine ; Briefe eines jungen Farmer aus Palästina
Date
1923-01-01
Page
Seite 14 (sequence 5)
Language
German
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14 MENORAH geben ein Drittel von den ausgebrüteten ab, zwei Drittel bleiben uns. Haoen uns selber zwei künstliche Glucken gebaut. Jetzt kommen Bienen dran, etwas Kartoffeln, eventuell Ziegen und Kühe. Geldfrage macht letzteres noch ungewiß. In meiner neuen Stellung melke ich drei Kühe, habe aber einen Vertreter, wenn ich mal weg bin, zum Beispiel am Samstag. Ich fühle mich außerordentlich wohl. Unlängst habe ich wieder einmal drei Tage hintereinander gepflügt (ein junges Maultier angelernt) und fühlte mich so wohl wie die bekannten 2000 Säue. Das einzige Leben für mich. Pferde und Hunde (wir haben drei), Ziegen und Kühe und Hühner und Baume und Blumen — das ist etwas für mich. Gott sei Dank, jetzt weiß ich, daß das mein Beruf ist und nichts anderes. Und da ich auch davon leben kann — was kann ich mehr verlangen? Ich erinnere mich, wie ich schon vor Jahren einmal Papa sagte, daß ich mir niemals Reichtum wünschen werde, nur ein eigen Haus und ein Stück Land. Damals meinte Papa, ich würde wohl ehrgeiziger werden. Nun denn, bis jetzt bin ich 's immer noch nicht. Und früher oder später würde ich auch diesen Ehrgeiz befriedigen, das steht mir fest. Bitte, wenn Ihr mir Inkubatoren schickt — zwei ä 200 sind vielleicht praktischer als ein großer, außer in Abteilungen. Ferner bitte ich um zwei Hygrometer, am besten solche, die von 30 bis 80% relative Feuchtigkeit direkt anzeigen, bei 38'/,- bis 40lh " C War in Gan Schmuel'1"). Die Kolonie ist 13 Jahre alt, hat 70 Dunam alte Ölbäume, etwas Pachtland und Eukalyptus. Drei Pferde, zwei Maultiere. Hühnerzucht. Keine gute Kwuzoth. Fortwährend wechselnde Arbeiter. 25 Seelen. * 17. Februar 1922. Liebste Eltern! Die großen Regen sind vorbei, den Hühnern geht 's gut. Sonntag machte ich einen Kartoffeldüngerversuch mit 20 Parzellen. Man fängt jetzt auch endlich mit Tabak an. Diese Tage erwarten wir wieder eine Inkubatorgeneration; bin diesmal ziemlich gespannt, da viele Rassehühnchen dabei sein werden. White Leghorn. Um Euch ein wenig zu imponieren, teile ich Euch mit, daß so ein Hühnchen in etwa acht Monaten I1/-' Pfund wert ist. Aber zwischen Lipp' und Kelchesrand schwebt der dunklen Mächte Hand. Die Ica hat schon vor längerer Zeit Cäsarea und den ganzen Küstenstrich bis Sichron gekauft und fängt dort an zu entwässern, Dünen zu befestigen usw. Die Araber sind absolut ruhig. Die Engländer köstlich. Ein kleines Beispiel. Waffentragen ist strenge verboten (paar Monate H^aft stehen drauf). Die Schornrim''7) der Kolonie haben natürlich das Recht auch nicht als Privatangestellte. Unlängst sind der Gendarmeriekommandant von Sichron und noch ein Polizeioffizier hier und es fallen einige Schüsse. Die beiden jüdischen Polizisten von Chederah werden hinausgeschickt, um den Missetäter zu holen. Der eine, der sich auskennt, findet natürlich nichts. Der zweite, ein naiver Knabe, schleppt einen Schomer herbei (der natürlich zuvor zu Hause sein Gewehr aufgehängt hat) und meldet, der dürfte wissen, wer geschossen hat, er kenne si:h besser aus. Der Schomer: „Es wird jetzt viel auf Enten geschossen." Ein homerisches Gelächter. Der Engländer fragt den Schomer, ob er wirklich glaube, daß er zwischen dem Schuß aus einem Militärgewehr und einer Jagdflinte nicht unterscheiden könne. Darauf lacht auch der Schomer, und der Fall ist erledigt. Zu Pessach wollen wir zu dritt eine kleine Tour machen. Bin neugierig, ob etwas draus wird. Die Überschwemmung hier war gewaltig, aber kurz. Natürlich ganz gefahrlos. Auch wenig Schaden. Die Kolonie liegt ja hoch. Die Saaten haben es gut überstanden. Jetzt sind die großen Regen schon vorbei. Ich stehe um 5 Uhr auf, bin um 6 auf dem Hof, arbeite dort bis 12. Nach Hause zum Essen, dann wieder zurück um 2 bis 6. Die Resultate der Ausbrütung: 1. Brut 58%, 2. 52%, 3. 55%. Ganz rentabel. Haben schon eine ganze Anzahl Rassekücken, White Leghorn und Rhode Island. Jetzt ist wieder ein Inkubator voll mit Enteneiern, einer mit Pekingenten, einer mit White Leghorn und Rhode Island. Wert der Eier etwa 8 Pfund. Brut und Glucke kosten uns 70 Piaster an Petroleum; Knochen, Grünes, Getreideschrot haben wir fast umsonst. Ich höre, es gibt bei Nickerl:H) einen 500- Wasserbrütcr, mit Kabinen wie beim Riesenbrüter, nur ohne automatisches Kühlen und Wenden. Wenn der bis Jaffa nicht mehr kostet als 10 bis 11 Pfund, möchte ich einen haben. Bitte sehr um einen Katalog; es muß schon ein neuer da sein. Heute bin ich mit dem Karlof feldüngerversuch fertig geworden; morgen werde ich Eschen pflanzen. * 3. März 1922. Liebste Eltern! Also die neue Brut betrug schon 80%, und es gab keine Krüppel mehr. Ich bin schon darauf gekommen, was an den letzten Krüppeln schuld war: Unvorsichtiges Wenden am dritten Tag. Diese Kücken kosten uns etwa "'U Piaster, hoch gerechnet, sind aber 4 bis 5 Piaster wert. Aber wir verkaufen sie nicht, da wir 150 bis 200 Hennen behalten wollen; Hähnchen werden wir für Heisch verkaufen. Aber auch die teuersten Kücken kosten uns nie mehr als 2Vi' Piaster pro Stück. Mit der Aufzucht habe ich keine Schwierigkeiten, weder Diarrhöe noch sonst etwas. Die Kücken entwickeln sich geradezu glänzend, weitaus am besten von allen in der Kolonie. Jetzt haben wir I 10 Stück vier- und fünfwöchige, 50 Stück dreiwöchige, 100 Stück cinwochige, 12 Leghorn. Dann einen Inkubator mit 200 Enteneiern, von denen wir die Hälfte der Kücken abgeben müssen, 40 Leghorneicr und 230 gewöhnliche arabische. Die Leghorn zahlen wir nicht, sondern brüten sie für ein Drittel der Kücken aus, die Enteneier für die Hälfte, gewöhnliche für zwei Drittel. Letzteres ist das beste Geschäft. Dann haben wir sechs Bienenstöcke besetzt, wollen dieses Jahr auf viel Honig verzichten und lieber Schwärme machen. Völker kosten etwa l Pfund. Momentan haben wir leider keine Chaluzah, aber Frau B. telegraphierte mir heute, daß sie morgen mit einer neuen ankommt. Saris fängt an scharf zu werden, und da er überdies ganz anders aussieht als die hiesigen Flunde, so haben die Araber eine höllische Angst vor ihm. Sehr gut. Eukalyptus — und damit auch unser Wald in Kefar-Sabah — ist im Preise gefallen. Von 3 Pfund die Tonne auf 1*70. Ein Amerikaner hat sich jetzt hier ein Haus mit drei Zimmern, Veranda, Küche und Stall bauen lassen, 500 Pfund. Überhaupt geht die Kolonie vorwärts. Orangen sind gestiegen, und die Pardeßbesitzcr machen glänzende Geschäfte. Ein gutes Olivenjahr wird es auch, nur die Mandeln haben sehr mäßig abgeblüht. Aber keine völlige Mißernte. Ich möchte gern Plirsesamen für die Hühner. Hier nicht zu bekommen. E. baut heuer Wassermelonen. Russisch spreche ich schon wieder soso, ebenso Englisch, Hebräisch seltener, vergesse es aber nicht. Arabisch geht schwer und langsam. 12. März 19^. Liebsle Eltern! brau Dr. B. ist also mit einer Chaluzah gekommen und hat aus Haifa alles mitgebracht; selbst Du, liebe Mama, hättest nicht mehr ausdenken können. Vorhänge und Blumenvasen und einen schönen Paravent, Rahmen für meine Bilder und ganze Mengen von Küchengeräten und -geschirr. Ich glaube wahrhaftig, Deine Rüche in Wien ist nicht so reichlich eingerichtet wie unsere. Wir haben auch "1 ischwäsche, und es ist schade.daß Du mir welches von Deinem geschickt hast, liebe Mama. Die beiden Frauen haben sich sofort an die Arbeit gemacht — ein ganz wenig schmutzig ist es in dem Interregnum bei uns doch geworden — und haben zwei Tage lang gerieben und gescheuert, daß alles nur so blinkt. Geweißt und gemalt hatten wir natürlich schon, bevor sie kamen. Das nächste war, daß sie Diners zu kochen begannen — wirkliche Diners mit fünf oder sechs Gängen und Mehlspeisen, die aussahen, als kämen sie von DemeF") — nur schmeckten sie noch besser. Das ganze Haus ist voll von Blumen, Feldblumen nur, aber palästinensischen: Tulpen, große schwarze, blaue und weiße Lilien, Anemonen, blühendes Heidekraut, wilde Rosen usw. Wir sind alle ganz glücklich. Den Kücken und Bienen geht's auch gut. L.s haben mich für Purim nach Jaffa eingeladen, aber Hau Dr. B. ist hier, und wir erwarten auch ihren Mann als Gast. Ich schrieb aber, daß ich in einiger Zeit bestimmt kommen würde. Von Nickerl möchte ich noch einen Eierschrank und eine Ideal-III-Glucke, bitte. Den Kücken und Entchen geht es glänzend, es sind schon 500 Stück, und nächste Woche hoffe ich wieder auf neue Leghorn und Rhodc-Island-Eier. Habe heute zu diesem Behufe einen Ausflug zu Pferde nach Sargoniah, Cäsarea, Chefzi-Bah gemacht. Den Bienen geht es gut, von zwei Stöcken erwarten wir jetzt natürliche Schwärme, sind sehr stark. Beim Überführen hatten wir einigen sehr guten 1 ionig. Die Orangen blühen schon. Ich pflanze jetzt wieder Eschen und eineinhalb Dunam Tabak. Ja, richtig, das wollte ich Euch noch erzählen: die Kalifornicr, die ich neulich besuchte, sind von einer fabelhaften Gastfreundschaft: zwei Pferde, zwei Hunde, zwei Menschen verpflegt und aufgehoben wie im Paradies! — Es war lange kein Regen, und ich fürchte sehr für die Ernte. Es gibt schon drei Zigarettenfabriken in Palästina: in Tel Awiw, Jerusalem und Saffcd. Der Tabakbau wird eine gute Sache werden.

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