Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Lettres of a Young Farmer from Palestine ; Briefe eines jungen Farmer aus Palästina
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 4)
- Language
- German
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13 MENORAH Bialystock, der andere aus Luck — prächtig. Überhaupt findet man jetzt sehr viel ausgezeichnetes Material unter den jüdischen Arbeitern; was nicht taugt, fährt wieder weg. Bei Dr. B. ist es ähnlich, nur sein Neffe und ein deutscher Blauweißer") und eine Chaluzah sind im Haus. Mit dem Drusch sind wir bald fertig. In der Kolonie wird geheiratet und gestorben, und es kommen Kinder — wie gewöhnlich. 17. Oktober 1921. Liebste Eltern! F. hat mich Sukkoth besucht, und wir sind durch halb Schomron111) geritten, gefahren und gewandert. Haben viel Neues und teilweise auch sehr Vielversprechendes gesehen, so zum Beispiel eine kleine Gruppe, fünf Galiziancr, die vier Jahre in Holland Gemüse gebaut und nun mit noch einem Deutschen eine „Gemüse- Kwuzah" gebildet haben und nun, entgegen allen Erwartungen — auch meinen — erfolgreich mit den Arabern konkurrieren. Sie haben allerdings ganz besonders günstige Bedingungen (umsonst bewässertes Land, sehr nahe zum Markt). In Sichron:|-') sah ich Langes Besitz — welch eine herrliche Aussicht bietet diese Kolonie! Lange ist Bentwichs Schwiegersohn, Ihr dürftet alle beide kennen. Ein herrliches Haus, nein, ein Palast, Garten, Obst, Gemüse, Kühe usw. Natürlich keine Wirtschaft, sondern eine Spielerei, die ihn — außer seinen sonstigen Ausgaben natürlich — 1000 Pfund jährlich kosten dürfte. Es gibt natürlich auch traurige Sachen zu sehen, aber im großen ganzen geht es sicher vorwärts, wenn auch vorderhand sehr langsam. Aber das ist schließli:h bei jedei Kolonisation so gewesen. Was die Araber betrit't, so wird auch der neueste Jischub:l:i) mit der Zeit lernen, mit ihnen zu leben, es ist nicht gar so schwer, glaube ich. 19. Oktober 1921. Liebste Ellern! Es hat bis nun nicht ordentlich geregnet, kann aber täglich kommen. Schnepfen, Bläßhühner, Wildenten sind erschienen. Simchat Thora gibt es ein großes Gemetzel. Viel Arbeit — mir gerade recht— ein bißchen Jagd. Ich verstehe ja nichts von der höheren Politik und bin überzeugt, daß Samuel uns wohl will. Schließlich geschieht ja auch sehr viel, was nicht an die große Glocke gehängt wird. Aber manches muß einen doch ärgern. So ist zum Beispiel im Bericht der Untersuchungskommission für den Überfall in Chederah zu lesen: „Man sagt, daß viel Vieh gestohlen wurde. Na, und wenn man hier sitzt und einen Hof sieht, in dem fünf Pferde und acht Kühe fehlen, so würgt einen dieses „Man sagt" ein bißchen in der Kehle. Hier geht alles seinen Gang weiter, das Wetter ist herrlich, es gibt schon massenhaft Na. -issen, die Orangen sind prachtvoll. Letzten Samstag habe ich wieder Enten geschossen, und wir haben sie ruchloserweise zu Hause gebraten und aufgefressen. Köstlich war der Ger:!1) — der einzige in der Kolonie — der mir am Abend Vorwürfe machte. Ich weiß nicht mehr, ob ich Euch schon von den Bombay 31. Lancers (Sikhs) schrieb, die sich hier in der Gegend befinden. Sic haben in sämtlichen arabischen Dörfern, die an dem Maiüberfall beteiligt waren, das Vieh zusammengetrieben, und es soll verkauft werden, falls unsere lieben Nachbarn nicht binnen fünf Tagen bezahlen. Die Araber scheinen bezahlt zu haben, und die Inder sind wieder weg. Sic haben aber lächerlich wenig bezahlt, im ganzen — für Petach-Tikwah, Kefar-Sabah und Chederah — 6000 Pfund. Damit ist natürlich nicht einmal ein Zehntel des Schadens gedeckt, aber die Araber sind zum erstenmal hart bestraft worden. Es ist ihnen nämlich viel ärger, ein Pfund bezahlen zu müssen, als einem andern, wenn er aufgehängt wird. Unlängst war ein Araber im Wadi el Nared, das auch beteiligt war, bei der Bcwässerungsmaschinc in Atta (wo die Orangengärten sind). Wir wissen von ihm, daß er zehn Pfund zu zahlen halle. Sagt ihm einer: „Nun, warst du damals im Mai auch da?" Verlegenes Schweigen. Ein anderer sagt: „Ja, er war da und hat eine heile gestohlen und sich ein Feuerzeug daraus gemacht." Darauf der erste: „Da hast du die Feile ein wenig teuer gekauft. Zehn Pfund für eine F eile . . ." So was merkt sich ein Araber eher, als wenn man ihn halbtot prügelte. Im übrigen arbeiten auch wieder Araber in unserer Kolonie, wenn auch gegen 250 jüdische Arbeiter da sind. Die Schwester von B. J. kam für paar Tage her, benützte den Urlaub, im Hause das Unterste zu obersl zu kehren. Ist das eine Arbeitskraft! Sie hat außer der Flausarbeit alle Hühner allein besorgt, die Kühe gemolken, im Winter den ganzen Garten (Gemüse) zu machen, sich alle Kleider selbst zu nähen, und immer war sie um 4 oder 5 Uhr schon ganz fertig. Sie fehlt uns allen sehr. 10. Jänner 1922. Wollte heute auf die Jagd — diesmal sollten die Wildschweine dran glauben — aber es gießt wie nicht gescheit seit drei Tagen, reine Wolkenbrüche. Der vorige Winter Avar eine Spielerei dagegen. Hatte Brief von meinem Witzenhausener Kameraden aus Guatemala (l'/a Monale alt!), der mir über seinen seligen Onkel Erzberger:"') und mehrere Kameraden schreibt, die in Südamerika sind. Sehr interessant, aber wenig erfreulich. Weiß nicht, ob ich Euch schon schrieb, daß ich gute Gesellschaft habe. J. ist wieder da, dann ein gewisser E., der Sohn eines russischen Universitätsprofessors, Absolvent dreier Fakultäten, ein prächtiger Mensch. Flier herrscht große Aufregung. Von den 250 jüdischen Arbeitern hier sind in der letzten Zeit 140 arbeitslos geworden, Araber werden wieder genommen. Große Versammlung, Beschluß der restlichen 100, die Kolonie demonstrativ zu verlassen. In den nächsten Tagen gehen sie. Schuld sind natürlich sowohl die Arbeiter wie auch die Kolonisten. Na, mich geht die Geschichte nichts an. Angerichtet haben die ganze Geschichte die berühmten jüdischen Streiker. Hier sind nur der Kutscher und ich übrig geblieben. Ich habe mit dem Bruder B. J.s und dem Kutscher zu dritt gearbeitet, gepflügt usw. Es ging glänzend. Mußte in der letzten Zeit auch viel in die Umgebung reiten, zu den Arabern usw. Es war wunderschön. Schon wieder alles voll Narzissen und Schwertlilien. Es regnet diesen Winter gehörig, ist aber dabei ganz warm. Mein größtes Vergnügen sind die Kühe: Assjc, Sieach, Omebba, Hadrah, Schammah benamst. Zwei Kühe, drei Kalbinnen sowie sechs Slicrkälbcr sind noch nicht der Ehre würdig befunden worden, Namen zu bekommen. Ich melke und füttere sie, den Kälbern habe ich beim Flaus eine Koppel gemacht (mit Wickhafer). Sonst weiter Arbeit in den Pflanzungen. Ich habe mich also entschlossen, zu Dr. B. zu gehen. Die mir in Aussicht gestellte Selbständigkeit wird mir wohltun, denke ich. Ich werde etwas weniger physische Arbeil haben und mich ein bißchen ausruhen. Die B. J.s bitten mich sehr, bei ihnen zu bleiben, sehen aber ein, daß ich auch an mein Weiterkommen denken muß. Ich werde in be/ug auf einen Posten nie in Verlegenheit sein, selbst dann nicht, wenn ich mich auf Chederah beschränke. Ich werde die eiste Zeit bei meinem Flühner- und Bienenkompagnon (den russischen Universitätsprofessorssohn) wohnen; wenn ich kann, auch später. Eilst ein sehr sympathischer, tüchtiger Mensch. Hat ein Haus gemietet und eine fleißige Chaluzah engagiert. Seine Schwester und sein Bruder sind in der Bolschewikenzeit umgekommen, ebenso W ladimir Jabolinski well knowii publizier orKaiii/ed the JewL>h Legionduriny the war whicli U><;etlier wliith the t.n«li>li Anny sueeeeded tu coikiuer Palestine bekannter Publizist, organisierte während des Weltkrieges die jüdischen Legionen, die au Knulaiids Seite Palästina eroberten seine junge Frau — er ist 30 Jahre alt. Ich denke sogar daran, wenn der Versuch der Zusammenarbeit und des Zusammenlebens gelingt, mich mit ihm zu assoziieren — System: langsame, aber sichere Selbständigkeit. Im übrigen geht es mir glänzend. Saris ebenso. Von Schadenersatz hört man gar nichts, wird wohl auch nichts werden. Na, die Landwirtschaft muß es tragen. Soeben bekomme ich drei, nicht unwichtige Briefe vom — April! Haben neun Monate gebraucht. Wahrscheinlich zur Zeit des Überfalles verlegt oder vergessen worden. I. Februar 1922. Liebste Eltern! Mir geht's glänzend. Zufrieden wie noch nie. Danke für den Rabindranath Tagore, den ich mit Vergnügen gelesen habe, so daß ich von einem Vorurteil gegen den würdigen Herrn — teilweise befreit, aber ein anderes dafür erworben habe. Auf alle Fälle ist er sehr lehrreich, besonders für Palästina. Ihr wollt mehr über E. wissen. Er ist 30 Jahre alt, 186 cm groß, brünett, sehr schöner Mann. Er besitzt weder Geld, noch Grund, noch Flaus; wir haben das Flaus zu viert gemietet. Es ist sehr gut gebaut, hat zwei große Zimmer (6X6), Veranda, Küche, Stall und drei Dunam Land. Kostel an Miete 27 Pfund jährlich. Möbel, das heißt. Betten, Tische, Stühle, Regale, Kücheneintichtung haben wir teils selbst gemacht, teils gekauft. Ich für meine Person brauche maximum 6 Pfund einschließlich Tabak, Waschgeld und andere Kleinigkeiten. Bleiben mir monatlich 4 Pfund. Ich könnte natürlich eine Stelle mit viel mehr Gehalt bekommen, aber aus vielen Gründen ziehe ich das vor. Wir leben sehr gut. Englisches Frühstück: Eier, Milch, Jam, zweimal täglich Fleisch. Es wäre fast Luxus, aber man muß in Betracht ziehen, daß wir alle draußen arbeiten und gut essen müssen. Unsere Flühnerzucht hat erst angefangen, und wir haben auch erst 120 Kücken und Entchen; wir haben viel abgegeben, um nicht Eier kaufen zu müssen. Wir nehmen Eier /um Brüten an,